Papst Franziskus verurteilt Koranverbrennung im Gespräch mit Zeitung aus den Emiraten

Papst Franziskus
Vatican Media

Papst Franziskus hat in seinem Interview mit Al-Ittihad erstmals einer arabischen Nachrichtenredaktion Rede und Antwort gestanden, wie die in den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erscheinende Zeitung berichtete.

In dem Interview vom 3. Juli lobte der Papst die Behörden der VAE und sprach über die interreligiöse Zusammenarbeit, die Friedenskonsolidierung und sein Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit von 2019.

Franziskus äußerte sich auch zu der Verbrennung eines Korans durch einen Demonstranten in Schweden am 28. Juni. Das muslimische Buch wurde von einem irakischstämmigen Flüchtling vor einer Moschee in Stockholm verbrannt. Der Vorfall löste unter Muslimen in aller Welt Empörung aus und führte zu einer Stürmung der schwedischen Botschaft im Irak durch schiitische Muslime.

Nachdem in letzter Zeit andere Genehmigungsanträge wegen geplanter Koranverbrennungen abgelehnt worden waren, entschieden die schwedischen Gerichte, dass die Proteste auf der Grundlage des Rechts auf freie Meinungsäußerung erlaubt werden sollten, berichtete die BBC.

"Ich bin empört und angewidert von solchen Taten", sagte Papst Franziskus in seiner Antwort auf eine Frage zu dem Vorfall von letzter Woche. "Jedes Buch, das von seinem Volk als heilig angesehen wird, muss aus Respekt vor denen, die daran glauben, respektiert werden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung sollte niemals als Vorwand benutzt werden, um andere zu beleidigen. Dies zuzulassen, ist abzulehnen und zu verurteilen."

Das Papstinterview wurde von Al-Ittihad in arabischer Sprache veröffentlicht, wobei den Journalisten eine englische Fassung zur Verfügung gestellt wurde.

In dem Interview sagte Papst Franziskus, die Zukunft der interreligiösen Zusammenarbeit beruhe "auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, des Respekts für den anderen und der Wahrheit".

Er sagte, die Botschaft jeder Religion sollte nicht nur darin bestehen, das Böse zu verurteilen, sondern auch den Frieden zu fördern: "Unsere Aufgabe ist es, füreinander zu beten und Gott um den Segen des Friedens zu bitten, und uns im Geiste der Zusammenarbeit und Freundschaft zu treffen, miteinander zu sprechen und die Harmonie zu festigen, ohne uns in Schlichtungsmaßnahmen zu ergehen."

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"Unsere Aufgabe ist es, den religiösen Sinn in Zusammenarbeit, Brüderlichkeit und konkrete Taten des Guten zu verwandeln", fügte er hinzu.

Der Papst sagte, Brüderlichkeit und Fürsorge für andere "müssen sich an alle ohne Unterschied richten".

"Wenn ich nur denen Gutes tue, die so denken oder glauben wie ich, ist mein Wohlwollen Heuchelei", sagte er, "denn das Gute kennt keine Diskriminierung und keinen Ausschluss."

Franziskus bezeichnete sein Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit, das er 2019 in Abu Dhabi mit dem Großimam Ahmed el-Tayeb unterzeichnete, als einen wichtigen Text "für das friedliche Zusammenleben aller Menschen".

"Ich möchte sagen, dass das Dokument ein Licht ist, das alle Männer und Frauen guten Willens auf den Weg der Koexistenz und der Begegnung führt. Es ist ein Wegweiser für jeden, der sich mutig dafür entscheidet, ein Friedensstifter in unserer von Krieg, Gewalt, Hass und Terror zerrissenen Welt zu sein", sagte er.

"Menschliche Brüderlichkeit", fuhr er fort, "ist das Gegenmittel, das die Welt braucht, um sich von dem Gift dieser Wunden zu heilen".

Der Papst sprach auch über junge Menschen und den Ansturm von Negativität, Vorurteilen und Fake News, dem sie heute ausgesetzt sind.

Er sagte, die Jugend müsse wissen, wie man die Werkzeuge "Freiheit, Unterscheidungsvermögen und Verantwortung" einsetzt.

"Freiheit ist das, was den Menschen auszeichnet", sagte Franziskus. "Gott hat uns frei geschaffen, auch wenn wir ihn ablehnen. Heute können wir unsere Jugend nicht mehr zwingen, nicht zu denken, Fragen zu stellen, skeptisch zu sein, denn das Fragen ist der Weg zur Wahrheit. Und weil die Gewissensfreiheit, die Glaubensfreiheit, die Gedankenfreiheit und die Freiheit der Meinungsäußerung unerlässlich sind, damit sie wachsen und lernen können."

"Wir können die Jugend von heute, die ein Handy in der Hand hält, mit dem sie Zugang zu allen Informationen hat, nicht länger in die Dunkelheit, die Ignoranz, den Hass und die Isolation zwingen", fügte er hinzu.

Papst Franziskus sprach auch über Unterscheidungsvermögen, das er als "Geschenk Gottes" bezeichnete und "die Fähigkeit, zwischen dem Falschen und dem Wahren zu unterscheiden".

Papst Franziskus lobte das "Abrahamic Family House" in Abu Dhabi, das den drei abrahamitischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam - einen gemeinsamen Ort des Gebets bietet.

Der Komplex, der eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee umfasst, wurde Anfang 2023 eröffnet.

"Das Abrahamic Family House ist ein Ort, an dem die von Gott gewollte Vielfalt respektiert wird und Unterschiede nicht zu Verachtung oder zu Konflikten führen", sagte er.

"Es ist ein Ort der Koexistenz, der Toleranz und des Glaubens. Jeder von uns kann seinen Glauben mit Respekt vor dem Glauben des anderen und der menschlichen Freiheit leben", fügte er hinzu. "Nur diejenigen, die sich ihres Glaubens nicht sicher sind, leben in Angst vor der Begegnung mit anderen und stürzen sich in die Konfrontation. Ein wahrer Gläubiger lebt seinen Glauben, ohne sich von anderen bedroht zu fühlen und ohne das Bedürfnis zu haben, anderen zu drohen."

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.