Bischof Overbeck bei Weltsynode: Kirche sollte „Zeichen der Zeit“ nicht ignorieren

Bischof Franz-Josef Overbeck
Daniel Ibáñez / CNA Deutsch

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der gegenwärtig an der Weltsynode zur Synodalität teilnimmt, hat der Auffassung widersprochen, die Kirche in Deutschland stehe im Widerspruch zur Weltkirche. Gleichzeitig bekräftigte er, sie werde in den laufenden Diskussionen in Rom über die Zukunft der Kirche weiterhin eine Rolle spielen wird.

Bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag räumte Overbeck ein, dass andere ihm gegenüber Bedenken hinsichtlich des deutschen Synodalen Wegs geäußert hätten. „Viele Menschen haben mich gefragt: ‚Seid ihr noch Katholiken und Teil der katholischen Kirche?‘“, sagte Overbeck, einer der drei Delegierten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bei der Weltsynode. „Und ich sage: ‚Ja, natürlich, wir sind Katholiken, und wir sind hier, um zu bleiben.‘“

Der Synodale Weg hatte etwa die Segnung homosexueller Verbindungen gebilligt, die Gender-Ideologie in die kirchliche Praxis aufgenommen und eine Bitte an Rom gerichtet, die Öffnung des Weiheamts für Frauen neu zu prüfen.

Papst Franziskus hat den Synodalen Weg in der Vergangenheit als „elitär“ und „nicht hilfreich“ kritisiert, während Bischöfe aus der ganzen Welt schriftlich ihre Sorge zum Ausdruck gebracht haben, der Prozess könnte ein Schisma zwischen Deutschland und der Weltkirche auslösen. Beamte des Vatikans und deutsche Bischöfe haben sich mehrfach getroffen, um den Synodalen Weg zu diskutieren, zuletzt im Juli.

Kontextuelles Argument

In einer fast zehnminütigen Wortmeldung über den Synodalen Weg vor Journalisten bekräftigte Overbeck, der Prozess sei eine Antwort auf den einzigartigen „postsäkularen“ Kontext der deutschen Kultur sei, in der die Menschen „keine Vorstellung“ von Transzendenz, der Kirche oder Jesus Christus hätten.

„Das verändert den gesamten Rahmen für die Fragen, die wir bearbeiten“, sagte Overbeck. Wenn die katholische Lehre im Widerspruch zu den „Zeichen der Zeit“ stehe, dann werde sich „niemand von der Orientierung der Kirche überzeugen“ lassen.

Overbeck verwies wiederholt auf die besondere kulturelle Situation in Deutschland, um einige der umstrittensten Vorschläge des Synodalen Wegs zu rechtfertigen. So spielte er auf die Prüfung eines Endes für den Pflichtzölibat an, indem er darauf hinwies, dass er in seinen 13 Jahren als Bischof von Essen nur 15 neue Priester geweiht habe, während 300 Priester gestorben seien. Das Bistum Essen habe derzeit keine Priesteramtskandidaten in der Ausbildung, sagte er.

Mehr in Vatikan

Darüber hinaus wies Overbeck darauf hin, dass die weit verbreitete Präsenz sowohl des ständigen Diakonats innerhalb der Kirche als auch der ordinierten Frauen innerhalb der lutherischen Gemeinde die Frage der Öffnung des Diakonats für Frauen für die Ortskirche besonders relevant mache.

„Wir leben in dieser Welt, und das sind die Fragen, die sich stellen“, sagte Overbeck. Jede Überlegung, Frauen in den Diakonat aufzunehmen, sollte eine Antwort auf „eine Berufung“ sein und nicht einfach einen Ritus schaffen, „damit Frauen Teil des sakramentalen Dienstes der Kirche sein können“.

Overbeck, der zuvor gesagt hat, dass die gleichgeschlechtliche „Ehe“ akzeptiert und nicht als unmoralisch bezeichnet werden sollte, betonte bei der Presseveranstaltung auch, die Kirche müsse Christus im Zentrum behalten, aber ihre „Gewohnheit und Tradition“ beiseite lassen, um den Bedürfnissen der heutigen Zeit gerecht zu werden. Dabei schien er klarzustellen, dass er sich mit „Tradition“ nicht auf die apostolische Überlieferung bezog.

Der Bischof von Essen fügte hinzu, der Synodale Weg und seine Forderungen nach einer Änderung der kirchlichen Lehre in Bezug auf Sexualität, Weihe und Leitung zielten darauf ab, die systemischen Ursachen der sexuellen Missbrauchskrise anzugehen, welche die katholische Kirche in Deutschland in den letzten zehn Jahren erschüttert hat.

Overbeck bestätigte, dass der Synodale Ausschuss im November in Deutschland seine Arbeit aufnehmen werde – mit dem Ziel, einen ständigen Synodalen Rat aus Bischöfen und Laien einzurichten, der die katholische Kirche in Deutschland leitet. Der Vatikan hat die Einrichtung dieses Rates ausdrücklich verboten und als unvereinbar mit der Ekklesiologie der Kirche charakterisiert. Vier der 27 deutschen Bischöfe hatten im Juni dafür gestimmt, die Finanzierung des Synodalen Ausschusses aus einem gemeinsamen Fonds zu blockieren. Nichtsdestotrotz wird das Gremium individuell über die 23 anderen Bistümer finanziert.

Dezentralisierung und Konvergenz

Die Aufnahme Overbecks als Teil der Pressekonferenz und seine Kommentare fielen in die Zeit, in der die Weltsynode zur Synodalität das Thema „Partizipation, Leitung und Autorität“ erörterte, das einen Schwerpunkt auf die „Dezentralisierung“ der Kirchenleitung legen sollte.

In diesem Zusammenhang zitierte das Arbeitsdokument der Synode die Anweisung von Papst Franziskus in „Evangelii Gaudium“, wonach es „nicht ratsam“ sei, „dass der Papst den Platz der Ortsbischöfe bei der Beurteilung jeder Frage einnimmt, die sich in ihrem Gebiet stellt. In diesem Sinne bin ich mir der Notwendigkeit bewusst, eine vernünftige ‚Dezentralisierung‘ zu fördern.“

Während dieses Teils der Synode wurden die Teilnehmer aufgefordert, Fragen wie „Welches Maß an lehrmäßiger Autorität kann dem Urteilsvermögen der Bischofskonferenzen zugeschrieben werden?“ zu erörtern.

Außerdem wurde gefragt, inwieweit die „Konvergenz“ lokaler kirchlicher Einheiten, wie etwa der Bischofskonferenzen, zu „ein und demselben Thema den Bischof von Rom verpflichtet, es auf der Ebene der Universalkirche zu behandeln“.

Overbeck und der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing haben jeweils ihre Absicht bekundet, die Vorschläge des Synodalen Wegs auf der laufenden Weltsynode zur Synodalität voranzutreiben. Berichten zufolge hat Bätzing Anfang des Monats ein 159-seitiges Dokument mit den Ergebnissen des Synodalen Wegs an die übrigen 365 Mitglieder der römischen Synode weitergeleitet.

Overbeck hatte zuvor gefordert, die Synode zur Synodalität müsse die Vorschläge des Synodalen Wegs aufgreifen, „von der Rolle der Frau über die Frage der Sexualität bis hin zur Frage der Menschen, die sich lieben“.

Overbeck fügte auf der Pressekonferenz jedoch hinzu, dass er auch etwas von der Synode zur Synodalität mit nach Deutschland nehmen werde. Er merkte an, dass die „Gesprächsmethode im Geist“ der Synode, die das Zuhören, ohne Fragen zu stellen, und Zeiten des stillen Gebets betont, in die künftige Arbeit des deutschen Synodalen Wegs einfließen könnte.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.