Papst Franziskus und der Skandal um Kardinal Becciu: Dunkle Wolken über dem Vatikan?

Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 22. November 2023.
Daniel Ibáñez / CNA Deutsch

Was ist in dieser Woche im Vatikan passiert, was beschäftigt die Weltkirche, was macht der Papst? Darüber schreibt jeden Freitag Rom-Korrespondent Rudolf Gehrig.

  • Wie krank ist der Papst?
  • Finanzskandal im Vatikan: Muss Kardinal Becciu ins Gefängnis, oder ist er unschuldig?
  • Frauen in der Kirche: Beratergremium von Papst Franziskus trifft sich
  • Papst-Brief an deutsche Theologinnen: Unterstützung von Bischof Stefan Oster, erneute Distanzierung von „Synodalem Ausschuss“
  • Einblicke in das EWTN-Magazin VATICANO

Sorge um Franziskus: Wie krank ist der Papst?

„Na, wie geht’s dem Papst?“ – Wenn Sie als Rom-Korrespondent arbeiten, ist das eine der ersten Fragen, wenn Freunde anrufen, die nicht genau wissen, was sie fragen sollen. Tatsächlich ist es aber genau diese Frage, die wir Journalisten uns seit ein paar Wochen selbst sehr häufig stellen. Denn, so viel ist klar: Papst Franziskus geht es nicht gut.

Am 25. November musste der Pontifex sogar ins Krankenhaus. Wie der Vatikan anschließend mitteilte, wurde dort eine CT-Untersuchung durchgeführt, außerdem sei eine Nadelkanüle für eine intravenöse Antibiotika-Infusion gelegt worden. Er habe „kein Fieber“, unterstrich Matteo Bruni, der Pressesprecher des Vatikans. Auch eine Lungenentzündung habe man durch die Untersuchung im Krankenhaus ausschließen können. 

Als anschließend die Behauptungen im Netz kursierten, der Papst leide wahlweise an einer „Grippe“ oder einer „Bronchitis“, sah sich der Vatikan gezwungen, noch einmal zu präzisieren: Der Papst leide lediglich an einer „Entzündung im Lungenbereich“, was jedoch kein Anlass zur Sorge sei.

Dennoch sah Franziskus sich gezwungen, auf Rat seiner Ärzte die geplante Reise nach Dubai zum Klimagipfel „COP28“ abzusagen. Vatikan-Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin flog an seiner Stelle in die Vereinigten Arabischen Emirate und verlas dort das vorbereitete Grußwort des Papstes.

Doch auch wenn Franziskus am letzten Mittwoch bereits wieder seine wöchentliche Generalaudienz abhalten konnte, scheint sich sein Gesundheitszustand nicht signifikant verbessert zu haben. Insider machen sich weiterhin Sorgen um das Oberhaupt der Katholischen Kirche, das nächste Woche am dritten Adventsonntag 87 Jahre alt wird.

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Doch die Signale, die aus der vatikanischen Presseabteilung ausgesendet werden, lauten alle: Alles unter Kontrolle, die Lage ist stabil. So möchte Franziskus am heutigen Freitagabend das traditionelle Gebet an der Mariensäule unweit der Spanischen Treppen zum Hochfest der Unbefleckten Empfängnis selbst leiten (ab 16:00 Uhr live bei EWTN.TV). Davor wird er in der Basilika Santa Maria Maggiore vor der Marienikone Salus Populi Romani eine goldenen Rose niederlegen. Das Wetter sollte übrigens mitspielen. Der römische Wetterdienst prognostiziert dafür stabile Temperaturen um elf Grad Celsius und einen leicht bewölkten Himmel.

Finanzskandal im Vatikan: Muss Kardinal Becciu ins Gefängnis?

Dunkle Wolken sind dagegen bereits über Kardinal Giovanni Angelo Becciu aufgezogen. Der Kardinal ist angeklagt wegen Amtsmissbrauchs, Veruntreuung, Vetternwirtschaft und Anstiftung zu einer Straftat.

Der Skandal zieht sich nun schon seit über drei Jahren hin und wurde vom mittlerweile verstorbenen australischen Kardinal George Pell als „ziemliches Schlamassel“ bezeichnet. CNA und CNA Deutsch haben in den vergangenen Jahren recherchiert und berichtet, dass Becciu in Zusammenhang mit einer Reihe von Finanzskandalen im Vatikan gebracht wurde – darunter die Londoner Luxusimmobilie.

Die Berichterstattung über den bisherigen Verlauf können Sie hier bei CNA Deutsch nachlesen.

Die Anklage fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten für den Kardinal, zusätzlich zu einer Geldstrafe von 10.329 Euro, sowie den Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern auf Lebenszeit.

Becciu selbst, der bereits im September 2020 seinen Rücktritt als Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren anbieten musste und auch auf seine Rechte als Kardinal verzichtet hat, beteuert weiterhin seine Unschuld.

Diese Woche fand bereits die 83. Anhörung des im Juli 2021 begonnenen Prozesses statt. Die Anwälte von Kardinal Becciu sagten, ihr Mandant sei das Opfer einer „Verschwörung“ und erfahre durch den Prozess „enormes Leid“, das ihm als „Mensch und Priester“ zugefügt werde. Weiter beteuerte die Verteidigung, die in der Anhörung vorgelegten Beweise hätten „die völlige Unschuld des Kardinals in Bezug auf alle ihm vorgeworfenen Verbrechen bewiesen“. Die Forderung von Beccius Anwälten lautet daher: „Freispruch, um die persönliche Würde des Kardinals wiederherzustellen“.

Nächste Woche wird am 11. Dezember der zuständige Promotor Iustitiae (Kirchenanwalt) Alessandro Diddi, der die Anklage vertritt, auf die Verteidigung antworten. Am Tag darauf hat die Verteidigung erneut Gelegenheit, auf die Anklagepunkte zu reagieren.

Es wird erwartet, dass bis Ende nächster Woche der Prozess dann ein Ende findet und das Urteil gesprochen wird.

Frauen in der Kirche: Beratergremium von Papst Franziskus trifft sich

Zwei Tage lang hat sich Papst Franziskus von Montag bis Dienstag mit seinem Beratergremium getroffen, dem sogenannten Kardinalsrat „K9“, benannt nach den neun Mitgliedern. Wie der Vatikan verlauten ließ, habe man dabei nicht nur über die gegenwärtige „soziale, politische und kirchliche Situation in den verschiedenen Herkunftsregionen der Ratsmitglieder“ gesprochen, sondern auch über die Rolle der Frau in der Kirche.

Als Experten waren unter anderem Schwester Linda Pocher von der Päpstlichen Universität Auxilium in Rom (Schwerpunkt: Christologie und Mariologie) eingeladen, wie auch die Philosophin Lucia Vantini und Luca Castiglioni, der als Dozent für Fundamentaltheologie am Priesterseminar von Mailand wirkt.

„Der Rat war sich einig, dass es notwendig ist, auch und vor allem in den einzelnen christlichen Gemeinschaften auf den weiblichen Aspekt der Kirche zu hören, damit die Reflexions- und Entscheidungsprozesse von dem unersetzlichen Beitrag der Frauen profitieren können“, heißt es in der anschließenden Pressemitteilung.

Ob das sogenannte „Diakonat der Frau“ als „Weihevorstufe“ für künftige „Frauenpriesterinnen“ Thema war? Das geht aus den Vermeldungen nicht hervor. 

Jedoch hat die von Papst Franziskus einberufene vatikanische Kommission zur Prüfung dieser Frage bei manchen immer wieder diese trügerische Hoffnungen genährt, bis der Papst selbst vor Kurzem in einer Buchveröffentlichung bekräftigt hat, dass es der Kirche unmöglich sei, Frauen zu Priestern oder auch nur zu Diakonen zu weihen. „Die Tatsache, dass die Frau keinen Zugang zum priesterlichen Leben hat, ist keine Benachteiligung, denn ihr Platz ist viel wichtiger“, sagt der Heilige Vater in seinem Buch. „Ich glaube, wir machen in unserer Katechese einen Fehler, wenn wir diese Dinge erklären, und greifen letztlich auf ein administratives Kriterium zurück, das auf Dauer nicht funktioniert.“

Bischof Oster über Papst-Brief: „Franziskus hält wenig von immer neuen Gremien“ 

Dass Papst Franziskus sich gegen eine Instrumentalisierung des Weihesakraments ausspricht, dürfte nicht nur dank seiner zahlreichen kritischen Einlassungen gegen den „Synodalen Weg“ in Deutschland hinreichend bekannt sein.

Erst Anfang November hatte er in einem aufsehenerregenden Brief an vier Theologinnen aus Deutschland seine „Sorge“ darüber zum Ausdruck gebracht, dass sich Teile der Kirche in Deutschland „immer weiter vom gemeinsamen Weg der Weltkirche zu entfernen drohen“ (CNA Deutsch hat berichtet).  

Deshalb ist wenig überraschend, dass sich eine Situation anzubahnen scheint, in der die Bischöfe in Deutschland eine Entscheidung treffen müssen, welchen Weg sie künftig weitergehen wollen.

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat in einem ausführlichen Beitrag auf seiner Internetseite diese Woche Stellung dazu bezogen und betont, er stünde auf der Seite des Papstes. Gleichzeitig hat der Hirte aus Bayern auch Kritik an der undurchsichtigen Finanzierung des „Synodalen Ausschlusses“ geübt. Abschließend schreibt Oster:

„Ich sehe die Gefahren, die Papst Franziskus und die Kurie nun schon mehrfach formuliert haben. Ich teile weitgehend ihre Diagnose – und habe mich daher bewusst für das Gehen mit der Weltkirche entschieden – wie ich früher schon geschrieben habe, aus Gewissensgründen und verbunden damit eben auch als Weise, mein Treueversprechen zu leben.“

Den Original-Beitrag von Bischof Stefan Oster können Sie hier nachlesen.

Schon gesehen? 

Zum Abschluss noch ein Fernsehtipp: Jede Woche läuft bei EWTN.TV das halbstündige Nachrichtenmagazin VATICANO. Jede Episode ist auch online abrufbar auf dem YouTube-Kanal des Senders. Die Sendung vom vergangenen Sonntag können Sie hier nachsehen:

Die neue Folge von VATICANO erscheint am kommenden Sonntag. Thema sind die Botschaft von Papst Franziskus in Dubai, eine Dokumentation über das vatikanische Kinderkrankenhaus Bambino Gesu und Einblicke in die Vatikanischen Museen.