Jesuit Mertes: Klassische Familie „aufzuladen“ wie Kirche es tut führt zu Diskriminierung

Pater Klaus Mertes SJ
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Der Jesuit Klaus Mertes, der 2010 den Prozess der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche in Deutschland auslöste, hat behauptet: „Die klassische Familie normativ so aufzuladen, wie es die katholische Kirche tut, führt zu Diskriminierung von Gläubigen, die nicht so leben.“

„Die katholische Kirche muss aufpassen, dass das klassische Familienbild, das sie ausdrücklich favorisiert, nicht politisch missbraucht wird“, sagte Mertes kürzlich der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Sie lässt das immer wieder geschehen, und das ist ein Problem. Ich bin Lehrer. In der Schule treffe ich auf Kinder aus unterschiedlichen familiären Konstellationen.“

Im Interview ging Mertes ausführlich auf die politische Lage in den USA ein: „Wenn ich mir die drei katholischen Männer im Weißen Haus angucke – John F. Kennedy, Joe Biden und nun JD Vance –, sehe ich drei völlig verschiedene Formen des Katholischen: Kennedy war ein Schock, dass überhaupt ein Katholik an der Spitze eines protestantisch geprägten Landes steht. Dann Biden, der klassisch für das Zweite Vatikanische Konzil und einen europäisch geprägten Katholizismus steht. […] Jetzt sitzt Vance als Vizepräsident im Weißen Haus: Er hat sich erst spät dem katholischen Glauben zugewandt.“

Biden hatte als Präsident, aber auch in seinen Jahren als Vizepräsident und zuvor als Senator verschiedene Positionen vertreten, die nicht mit der katholischen Lehre zu vereinbaren sind. So unterstützte er einen erleichterten Zugang zu Abtreibungen, nahm 2016 die Schließung einer sogenannten Homo-„Ehe“ persönlich vor und war ein Befürworter der Gender-Ideologie.

Zum gegenwärtigen Vizepräsidenten Vance fügte Mertes hinzu: „Ich würde Leute wie JD Vance autoritäre Katholiken oder völkisch-nationale Katholiken nennen. Sie sind nicht konservativ, sondern disruptiv unterwegs. Wichtig ist dabei immer die apokalyptische Aufladung.“

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Angesprochen auf den Besuch von Vance bei Papst Franziskus kurz vor dessen Tod im April sagte Mertes, ihm sei „durch den Kopf“ gegangen, „wie sehr Katholikinnen und Katholiken, die JD Vance verehren, Franziskus hassen. Und: Gott sei Dank, Vance hat einen Gegenspieler – der heißt Franziskus. Das Katholische ist mit dem Völkischen nicht vereinbar. Es steht seit 2.000 Jahren für die Vision, unterschiedliche Völker und Kulturen ‚in Christus‘, wie es bei Paulus heißt, zusammenzubringen.“

Vance ist verheiratet mit Usha, einer Tochter indischer Einwanderer. Trump, der Präsident, ist seit 2005 mit Melania verheiratet, die aus Jugoslawien stammt und erst 2006 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Die erste Frau von Trump, Ivana, wurde in der Tschechoslowakei geboren. Sie war von 1977 bis 1990 mit ihm verheiratet, aber erst seit 1988 amerikanische Staatsbürgerin.

Die von Trump und Vance geführte Regierung ist nicht grundsätzlich gegen Migration, sondern gegen illegale Einwanderung. Vor diesem Hintergrund erfolgen auch die Ausweisungen von Migranten, die schon länger in den USA leben, aber kein Aufenthaltsrecht haben. Nichtsdestotrotz hat es offenbar Fälle gegeben, in denen Menschen fälschlicherweise abgeschoben wurden – auch schon vor Beginn der zweiten Trump-Regierung Anfang 2025.

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Mertes, der deutsche Jesuit, betonte derweil zur Migration, das „Trennende zwischen den Völkern“ werde „durch die Geist-Sendung“ an Pfingsten aufgehoben: „Nicht nur in einer Gesinnungseinheit, sondern in einer Institution – im weitesten Sinne des Wortes. Deshalb rumst es in der katholischen Kirche auch immer wieder – zum Beispiel aktuell zwischen afrikanischen und westlichen Bischöfen. Mich fasziniert gerade das am Katholischen.“