Papst-Biograf Ivereigh warnt vor Trump-naher „MAGA-Kirche“ in den USA

Papst Franziskus-Biograf Austen Ivereigh
Screenshot von YouTube / America - The Jesuit Review

Der bekannte Biograf von Papst Franziskus, Austen Ivereigh, hat im Gespräch mit katholisch.de vor einer „MAGA-Kirche“ in den USA gewarnt, womit er auf das Motto von Präsident Donald Trump anspielte: Make America Great Again. Anlass seiner Warnung ist die geplante Auszeichnung des ehemaligen Direktors der US-Einwanderungsbehörde ICE, Tom Homan, durch die Trump-nahe Organisation Catholics for Catholics, verbunden mit einem angekündigten Segen des ehemaligen Bischofs von Tyler, Joseph Strickland.

Ivereigh bezeichnete es als „zutiefst schockierend“, dass ein Bischof – „noch dazu einer, der aus seiner Diözese entfernt wurde und als notorischer radikal-traditionalistischer Akteur gilt“ – Homan einen „besonderen Segen“ erteile, obwohl dieser „am stärksten mit Trumps paramilitärischem Vorgehen gegen Migranten identifiziert“ werde.

Dies geschehe ausgerechnet in einer Woche, „in der Homan und die Trump-Regierung dreist über die Tötung einer unschuldigen Frau durch ICE (Immigration and Customs Enforcement) gelogen haben“. Landesweit hatte die Tötung der 37-jährigen Renee Nicole Good in Minneapolis durch einen Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde Empörung ausgelöst, während Regierungsstellen den Vorfall als Notwehr darstellen.

Ivereigh verwies darauf, dass Papst Leo und die US-amerikanische Bischofskonferenz in ihrer Verurteilung der Entmenschlichung vulnerabler Menschen übereinstimmten, sowohl hinsichtlich der „unterschiedslosen Massendeportation von Menschen“ als auch der „entmenschlichenden Rhetorik“, welche die US-Einwanderungsbehörde begleite.

Auf die Frage, welche Botschaft Geistliche durch ihre Teilnahme an einer solchen Veranstaltung aussenden, erklärte Ivereigh, dies zeige, „dass ihnen die Gemeinschaft mit ihren Mitbischöfen und mit Rom völlig gleichgültig ist und dass sie bereit sind, das Evangelium einer politischen Ideologie zu opfern“.

Zur Organisation Catholics for Catholics sagte er: „Catholics for Catholics ist eine MAGA-Tarn-Organisation, die das Papsttum heftig kritisiert und sich im Haus Trumps in Florida trifft. Das sagt eigentlich alles.“

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Mit Blick auf eine mögliche neue, politisch geprägte Form des Katholizismus in den Vereinigten Staaten führte Ivereigh aus, christlicher Nationalismus habe im Westen eine lange Geschichte und entstehe, wenn die Kirche vom Staat vereinnahmt werde. Dies könne nur geschehen, weil einige Kirchenführer sich „von Ideologie und Macht verführen lassen“ und damit jene Autorität preisgäben, die Christus den Aposteln übertragen habe.

Er sprach von einem bereits existierenden „MAGA-Christentum“, vor allem unter evangelikalen Gruppen, die Trump wie „einen christlichen Kaiser“ betrachteten. Ivereigh hielt es sogar für möglich, „dass in Zukunft eine ‚MAGA-Kirche‘ entsteht: im Kern eine Gruppe von Katholiken, die mit Rom bricht und argumentiert, Rom sei ‚woke‘ und Trump – nicht der Papst – ihr eigentlicher Anführer“. Diese könnte über eigene Kleriker verfügen, „etwa jene, die von der ‚Coalition for Canceled Priests‘ unterstützt werden“.

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Ob ein solches Szenario denkbar sei, beantwortete Ivereigh mit dem Hinweis, dies möge „in einem Land weit hergeholt klingen, das stets für Religionsfreiheit stand – verstanden als Freiheit von staatlicher Patronage und Kontrolle“. Doch in den Vereinigten Staaten unter Trump erlebe man „immer mehr Dinge, die wir für unmöglich gehalten hätten“.

Zur Rolle von Bischof Robert Barron, der Trump jüngst öffentlich für seinen Einsatz für Religionsfreiheit dankte, erklärte Ivereigh, er identifiziere sich strategisch „möglichst stark“ mit einer bestimmten Zielgruppe, nämlich „jungen Männern, die wütend oder desillusioniert sind und bei verschiedenen charismatischen Figuren – Menschen wie Jordan Peterson, Charlie Kirk oder Nick Fuentes – Orientierung suchen“.

Barron konkurriere um dieselbe Gruppe und hoffe, sie in die Kirche zu führen. Dabei stünden ihm erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung. Es sei daher leicht zu verstehen, warum er selektiv kritisiere und zu vielem schweige, etwa dass die Vereinigten Staaten inzwischen von einem „unverhüllten Heidentum“ regiert würden – jener libido dominandi, vor der der heilige Augustinus gewarnt habe.