Mehrere Bischöfe kritisieren umstrittenen Priester Wolfgang Rothe

Der umstrittenen Priester Wolfgang Rothe
Screenshot von YouTube / DW Deutsch

Mehrere katholische Bischöfe kritisieren den umstrittenen Priester Wolfgang Rothe, der kürzlich mit dem Bayerischen Verfassungsorden ausgezeichnet wurde. Nach einer Recherche des Magazins Cicero äußerten sie sowohl innerkirchlich als auch gegenüber staatlichen Stellen ihre Vorbehalte.

Anfang Dezember 2025 wurde Rothe im Münchner Maximilianeum mit dem Bayerischen Verfassungsorden geehrt. In der Begründung hieß es, Rothe trete „vehement ein für die Rechte queerer Menschen“ und verleihe Missbrauchsopfern eine „hörbare Stimme“. Als Mitinitiator der „#OutInChurch“-Bewegung und Queerseelsorger des Erzbistums München und Freising setzt er sich für die Segnung homosexueller Verbindungen ein.

Während Politiker wie der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gratulierten, blieb eine Reaktion seines Vorgesetzten, Kardinal Reinhard Marx, aus.

Laut dem Magazin Cicero gab es bereits im Vorfeld der Ehrung deutliche Kritik aus Kirchenkreisen. So protestierte Bischof Alois Schwarz aus St. Pölten, in dessen Diözese Rothe geweiht wurde, schriftlich bei der Landtagspräsidentin gegen die Auszeichnung. Er begründete dies damit, dass sich Missbrauchsbetroffene durch die Ehrung „verletzt und beleidigt“ fühlen könnten.

Auch innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz ist Rothes Mitgliedschaft im Betroffenenbeirat, die er seit 2024 innehat, umstritten. So soll Kardinal Marx im November 2024 Einspruch gegen diese Berufung erhoben haben.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bezeichnete die Ernennung gegenüber dem Magazin Cicero als „unerträglich“. Er verwies dabei auf Rothes Vergangenheit als stellvertretender Leiter des Priesterseminars in St. Pölten.

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Hintergrund der Kritik sind Ereignisse aus dem Jahr 2004. Damals geriet das Priesterseminar St. Pölten durch Funde von Kinderpornografie und Fotos homosexueller Handlungen in die Schlagzeilen.

Österreichische Gerichte sahen es später als erwiesen an, dass Rothe eine homosexuelle Beziehung zu einem ihm unterstellten Seminaristen unterhalten hatte. Rothe scheiterte mit Klagen gegen diese Berichterstattung durch alle Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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Rothe bestreitet die Vorwürfe bis heute und betont, er wäre nicht mehr als Priester tätig, wenn die Behauptungen wahr wären. Zudem führte er an, selbst Opfer eines Übergriffs durch den damaligen päpstlichen Ermittler und späteren Bischof Klaus Küng geworden zu sein. Kirchliche und staatliche Ermittlungen zu diesem Vorwurf blieben jedoch ergebnislos oder wurden wegen Verjährung eingestellt.

In diesem Zusammenhang weisen Kirchenrechtsexperten auf das reformierte kirchliche Strafrecht von 2021 hin. Demnach stellt die Vornahme sexueller Handlungen unter Missbrauch von Autorität gemäß Kanon 1395 § 3 eine Straftat dar, wobei die Einvernehmlichkeit der Beteiligten unerheblich ist. Da ein Subregens erheblichen Einfluss auf die Laufbahn von Seminaristen hat, kann eine solche Beziehung als Machtmissbrauch gewertet werden.

Die Spannungen zwischen dem Priester und der Kirchenleitung führten zu kirchenrechtlichen Konsequenzen. Am 1. Juli 2025 soll Rothe auf Anweisung des Vatikans eine „kanonische Verwarnung“ durch Bischof Schwarz erhalten haben. Als Grund wurde angegeben, dass er durch wiederholte Stellungnahmen das „Ansehen der Kirche in Österreich und Deutschland erheblich schädigt“.