Kernziele des Synodalen Wegs laut Teilnehmern verfehlt, wie Studie zeigt

Der "Synodale Weg"
Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Eine wissenschaftliche Evaluation bescheinigt dem Synodalen Weg, sein Kernziel – die Aufarbeitung von Missbrauch –, verfehlt zu haben. Obwohl der Synodale Weg explizit zur Behebung der in der MHG-Studie identifizierten systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt ins Leben gerufen wurde, glauben mehrheitlich nicht einmal die Synodalen selbst, dass dieses Vorhaben gelungen ist.

Hintergrund der Studie ist der Auftrag der Synodalen Wegs an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, eine Vollerhebung unter den Teilnehmern des Reformprojekts (2019–2023) durchzuführen.

Die Autoren Katharina Karl und Markus Dumberger präsentierten die Ergebnisse auf der sechsten Synodalversammlung in Stuttgart. An der Befragung beteiligte sich etwa die Hälfte der Synodalen, wobei die Rücklaufquote unter den Bischöfen bei rund einem Drittel lag.

In der Auswertung heißt es zusammenfassend: „Die Synodalen glauben tendenziell nicht, dass der Synodale Weg erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war: Die Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt.“

Ein Wiedergewinnen von verlorengegangenem Vertrauen vermuten die Befragten laut Studie ebenfalls nicht. Positive Effekte wurden hingegen bei der „Enttabuisierung bislang unausgesprochener Themen“ sowie beim Einüben von Synodalität – dem gemeinsamen Beraten und Entscheiden – wahrgenommen.

Mangelnde Wirkung bei Missbrauchsaufarbeitung

Die Studie bezeichnet es als „sehr überraschend“, dass die Synodalen der Reformdebatte nur einen geringen Beitrag zur Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt zuschreiben. 37,1 Prozent der Befragten sehen hier kaum einen bis überhaupt keinen Effekt.

Die Autoren führen dies darauf zurück, dass der Prozess „andere Themen ins Zentrum gestellt“ habe oder notwendige Beschlüsse für eine nachhaltige Behebung nicht erwirkt werden konnten.

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Ein zentraler Befund der Evaluation ist die starke Lagerbildung innerhalb der Versammlung. „Lagerbildung stand mehr im Vordergrund als Einheit und gemeinsam auf dem Weg sein“, so ein Ergebnis der Befragung.

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Besonders Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) äußerten den Eindruck, dass es manchen Teilnehmern wichtiger gewesen sei, die eigene Position durchzusetzen, als zuzuhören.

Kritisch bewertet die Studie zudem die Umstellung von geheimen auf namentliche Abstimmungen. Die Daten belegen einen Zusammenhang zwischen dieser Form der Stimmabgabe und einem Gefühl von Druck, besonders auf Seiten der DBK, heißt es im Bericht. Dies hänge damit zusammen, dass Bischöfe im Prozess oft als „Blockierer“ kritisiert worden seien.

Gruppe der „Kritischen Bewahrer“

Die Forscher identifizierten eine Minderheit von Synodalen (Cluster 3), die den Prozess fundamental negativ bewertete. Diese „Kritischen Bewahrer“ empfanden ihre Mitwirkung oft als irrelevant und kritisierten eine ungleiche Besetzung der Gremien. 

Laut den Forschern vertrete diese Gruppe ein „hierarchisches Synodalitätsverständnis“, bei dem die letzte Entscheidung nach einer Beratung beim kirchlichen Amt liegen müsse.

Demgegenüber steht die Gruppe der „Veränderungsorientierten“, die vor allem das Verhalten der Bischöfe und Interventionen aus Rom als behindernd für den Prozess empfanden.

Neben inhaltlichen Differenzen bemängelten die Teilnehmer organisatorische Rahmenbedingungen. Das Zeitmanagement wurde als „sehr eng getaktet“ empfunden, was den Raum für geistliche Reflexion eingeschränkt habe.

In den Freitextantworten gaben Teilnehmer an, es habe wenig Zeit gegeben, um sich „rückzubinden an Gott und die innere Stimme“. Zudem bestand in der Versammlung, auch unter den Bischöfen, Zweifel an der Repräsentativität des Gremiums für die gesamte katholische Kirche in Deutschland.