1700 Professoren antworten auf "Welle der Anschuldigungen" gegen Papst Johannes Paul II.

Papst St. Johannes Paul II. auf dem Petersplatz: Die Aufnahme entstand um das Jahr 1978.
Foto: LOR / Vatican Media / Archiv

Angesichts polemischer Kritik an dem polnischen Papst und Heiligen Johannes Paul II. im Zuge des McCarrick-Reports haben 1.700 Gelehrte und Professoren einen Appell zur Verteidigung seiner Person und seines historischen Vermächtnisses unterzeichnet.

Der "beispiellose" Aufruf warnt vor der ideologischen Motivation der Kritik und wurde von Wissenschaftlern und Dozenten an polnischen Universitäten und Forschungsinstituten unterzeichnet.

Zu den Unterzeichnern gehören Hanna Suchocka, Polens erste weibliche Premierministerin, der ehemalige Außenminister Adam Daniel Rotfeld, die Physiker Andrzej Staruszkiewicz und Krzysztof Meissner sowie der Filmregisseur Krzysztof Zanussi.

"Eine beeindruckend lange Liste von Verdiensten und Errungenschaften Johannes Pauls II. wird heute in Frage gestellt und ausradiert", sagen die Professoren in dem Appell.

"Für junge Menschen, die nach seinem Tod geboren wurden, könnte das deformierte, falsche und herabgesetzte Bild des Papstes das einzige werden, das sie kennen werden", warnen die Professoren.

"Wir appellieren an alle Menschen guten Willens, zur Vernunft zu kommen. Johannes Paul II. verdient es wie jeder andere Mensch, dass über ihn ehrlich gesprochen wird. Indem wir Johannes Paul II. diffamieren und zurückweisen, schaden wir uns selbst, nicht ihm".

Auslöser der Stellungnahme ist der von Papst Franziskus angeordnete und dem Staatssekretariat erstellte Untersuchungsbericht in den Fall des homosexueller Nötigung und Vergewaltigungen sowie pädophiler Verbrechen überführten ehemaligen Kardinals Theodore McCarrick. Papst Franziskus hatte den Report im vergangenen Monat veröffentlicht, wie CNA Deutsch berichtete.

Die Professoren erklären nun: "In den letzten Tagen waren wir Zeugen einer Welle von Anschuldigungen, die gegen Johannes Paul II. erhoben wurden. Er wird beschuldigt, pädophile Handlungen unter katholischen Priestern zu vertuscht zu haben, und es gibt Forderungen nach der Entfernung seines Namens und Gedenkens. Diese Taten sollen das Bild einer Person, die höchstes Ansehen verdient, in eine Person verwandeln, die sich an abscheulichen Verbrechen mitschuldig gemacht hat".

"Ein Vorwand, um radikale Forderungen zu stellen, war die Veröffentlichung des 'Report on the Holy See's Institutional Knowledge and Decision-Making Related to Ex-Kardinal Theodore Edgar McCarrick' durch den Heiligen Stuhl. Eine sorgfältige Analyse des Berichts deutet jedoch nicht auf Tatsachen hin, die eine Grundlage für die Erhebung der oben genannten Anschuldigungen gegen Johannes Paul II. bilden könnten".

Die Professoren fahren fort: "Es klafft eine große Lücke zwischen der Förderung eines der schwerwiegendsten Vergehen und falschen Personalentscheidungen aufgrund unzureichender Kenntnisse oder gänzlich falscher Informationen".

"Der besagte Theodore McCarrick genoss das Vertrauen vieler bedeutender Persönlichkeiten, darunter auch US-Präsidenten, während er die dunkle, kriminelle Seite seines Lebens zutiefst verbergen konnte", so die Stellungnahme.

"All dies führt uns zu der Annahme, dass Verleumdungen und Angriffe auf die Erinnerung an Johannes Paul II. durch eine vorab gefällte Einschätzung motiviert sind, die uns betrübt und zutiefst beunruhigt."

Die Professoren erkennen an, wie wichtig es ist, das Leben bedeutender historischer Persönlichkeiten sorgfältig zu untersuchen. Aber sie riefen zu "ausgewogener Reflexion und ehrlicher Analyse" auf, und nicht zu "emotionaler" oder "ideologisch motivierter" Kritik.

Sie betonen, dass Johannes Paul II. einen "positiven Einfluss auf die Weltgeschichte" hatte: Sie zitieren seine Rolle beim Zusammenbruch des kommunistischen Blocks, seine Verteidigung der Heiligkeit des Lebens und seine "bahnbrechenden Taten", wie seinen Besuch in einer Synagoge in Rom 1986, sein interreligiöses Gipfeltreffen in Assisi im selben Jahr und seinen Aufruf im Jahr 2000 zur Vergebung der im Namen der Kirche begangenen Sünden.

Der vom Vatikan selbst produzierte McCarrick-Report ist wenige Wochen nach seiner Publikation auch aus anderen Gründen kontrovers diskutiert worden. Kritiker haben das Dokument als Versuch bezeichnet, die Verantwortung von Papst Franziskus herunterzuspielen und andere als Hauptverantwortliche zu beschreiben, darunter Johannes Paul II. Die polnische Stellungnahme geht auf diese Frage nicht ein. 

Wie CNA Deutsch berichtete, ist Papst Franziskus beschuldigt vorgeworfen, die Sanktionen von Papst Benedikt XVI. gegen den notorischen "Uncle Ted" aufgehoben zu haben – bevor er ihn schließlich nach einem Verfahren der Glaubenskongregation laisierte – unter dem Druck einer empörten Öffentlichkeit infolge der "eidesstattlichen Erklärung" von Erzbischof Carlo Maria Vigano dies enthüllte.

Im McCarrick-Report heißt es, Franziskus habe nach eigenen Angaben von den Vorwürfen gegen McCarrick nichts gewußt

In ihrem Appell betonen die 1.700 Professoren, dass, wenn die Verunglimpfung Johannes Pauls II. unwidersprochen bleibt, sich in den Köpfen der jungen Polen ein "grundlegend falsches" Bild der polnischen Geschichte etablieren werde.

Deren schwerwiegendste Folge sei "die Überzeugung der nächsten Generation, dass es keinen Grund gibt, sich mit einer solchen Vergangenheit zu identifizieren, diese zu pflegen und aufrecht zu erhalten".

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