Analyse: Warum das Konsistorium der Kardinäle im August von besonderer Bedeutung sein wird

Konsistorium im Vatikan am 20. Oktober 2014.
Foto: Mazur/catholicnews.org.uk.

Wie so viele prägende Elemente hat die Katholische Kirche vom Römischen Reich das Konsistorium übernommen: Ein "Kronrat" oder Kabinett, das als Versammlung der Kardinäle in der Kirche abgehalten wird.

Nach dem 1983 reformierten Codex des Kirchenrechts gibt es zwei Arten von Kardinalskonsistorien: ordentliche und außerordentliche.

Ein außerordentliches Konsistorium wird in besonderen Fällen abgehalten, und alle Kardinäle der Welt sind aufgerufen, daran teilzunehmen.

Ein ordentliches Konsistorium findet statt, wenn der Papst den Rat der Kardinäle in einer wichtigen (wenn auch routinemäßigen) Angelegenheit benötigt, oder um einer päpstlichen Entscheidung wie der Genehmigung von Heiligsprechungen einen feierlichen Charakter zu verleihen.

Das letzte Mal, dass Papst Franziskus die Kardinäle zu einem außerordentlichen Konsistorium einberufen hat, war am 12. und 13. Februar 2015. Nun, da die neue vatikanische Verfassung veröffentlicht wurde, ruft der Papst die Kardinäle erneut zu einem außerordentlichen Konsistorium nach Rom.

Der Wandel des Kardinalskollegiums

Damit schließt sich ein Kreis: Die Versammlung 2015 fand vor dem Konsistorium zur Ernennung neuer Kardinäle statt. Das außerordentliche Konsistorium am 29. und 30. August, das der Erörterung der Verfassung Praedicate evangelium gewidmet ist, wird ebenfalls nach einem Konsistorium zur Ernennung neuer Kardinäle stattfinden.

Papst Franziskus hat seit seiner Wahl im Jahr 2013 nur ein weiteres außerordentliches Konsistorium einberufen. Das Treffen am 22. Februar 2014 stand im Zeichen der Familie. Es begann mit einer Rede des deutschen Theologen Kardinal Walter Kasper, die als Grundlage für die Diskussionen auf den Bischofssynoden 2014 und 2015 über die Familie diente.

Zwischen 2015 und 2022 hat sich vieles geändert. Vor allem im Kardinalskollegium. Bis 2015 hatte Papst Franziskus 15 wahlberechtigte und fünf nicht wahlberechtigte Kardinäle ernannt. In späteren Konsistorien ernannte er 73 weitere Kardinäle, darunter 48 Kardinäle mit Wahlrecht. Die Zusammensetzung des Kardinalskollegiums hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend verändert.

Nach dem Konsistorium im August wird es 132 Wahlkardinäle geben, von denen 62 Prozent von Papst Franziskus ernannte Kardinäle sein werden. Viele von ihnen hatten noch keine Gelegenheit, miteinander zu sprechen. "Im Falle eines Konklaves wüsste ich nicht, wer neben mir sitzt", bemängelte ein Kardinal, der noch während eines früheren Pontifikats kreiert worden war.

In der Zwischenzeit hat Papst Franziskus eine Reform der Kurie vorangetrieben, die sich im Laufe der Zeit ebenfalls stark verändert hat. Um die Veränderungen zu verstehen, ist es wichtig, einen Blick auf das außerordentliche Konsistorium von 2015 zu werfen, an dem 164 Kardinäle aus der ganzen Welt teilnahmen.

Das außerordentliche Konsistorium 2015

Pater Federico Lombardi, der damalige Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, berichtete, dass das außerordentliche Konsistorium 2015 mit einem "sehr breit angelegten, vielstimmigen Bericht" zu wirtschaftlichen Fragen begann. Kardinal George Pell, der damalige Präfekt des Sekretariats für Wirtschaft, sprach ebenso wie Kardinal Reinhard Marx, der Präsident des Rates für Wirtschaft, und andere Persönlichkeiten, die an der vatikanischen Finanzreform beteiligt sind.

Am nächsten Tag gab es einen Bericht des Kardinalsrates (damals "K9" genannt, und auch als Beraterstab bezeichnet) über die "Kurienreform" sowie eine Ansprache über die interne Koordination der Kurie. Anschließend sprach Kardinal Seán O'Malley über die Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen, die gerade eingerichtet worden war.

In den darauffolgenden Jahren hat die Finanzreform des von massiver Korruptionsvorwürfen belasteten Vatikans Schritte nach vorne und zurück gemacht, die Diskussion beim Konsistorium 2015 widerspiegeln. Damals wurde über die finanzielle Autonomie der vatikanischen Abteilungen diskutiert und darüber, welche Abteilungen aufgrund ihrer "Einzigartigkeit" ein gewisses Maß an Unabhängigkeit behalten sollten, wie etwa das unter Kardinal Pietro Parolin stehende Staatssekretariat.

Letztlich hat Papst Franziskus mit vielen Irrungen und Wirrungen die ihm vorschwebenden Reformen verfolgt.

Und vielleicht waren es gerade die Diskussionen jener Tage, die mancher nicht zögerte, als "Widerstand" zu bezeichnen, die ihn von der Notwendigkeit überzeugten, die Reformen ohne Rücksprache mit dem größeren Kardinalskollegium durchzuführen.

Pater Lombardi sagte, es habe "einen gewissen Konsens" über die Möglichkeit einer teilweisen Umsetzung einiger spezifischer Aspekte der Reform gegeben, "ohne die Vollendung des gesamten Werkes abzuwarten".

Genau das ist geschehen. Aber die Nutzung des Konsistoriums als eine Art "päpstliches Beratungsgremium", wie es der Papst zu Beginn seines Pontifikats angestrebt hatte, wurde ausgesetzt.

Die Entwicklung der Konsistorien

Konsistorien hatten im Mittelalter eine besondere Bedeutung – gemäß ihrer Herkunft aus der Zeit des Römischen Reichs. Sie fungierten zeitweise sowohl als Leitungsorgan als auch als Gericht. Papst Innozenz III. berief sogar drei Kardinalsversammlungen pro Woche ein.

Nach der Reform der Kurie durch Papst Sixtus V. im 16. Jahrhundert verloren die Konsistorien an Gewicht als Regierungsorgan. Stattdessen unterstützten die Kardinäle den Papst bei der Leitung der Kirche durch ihre Arbeit in den vatikanischen Kongregationen, während die Konsistorien einberufen wurden, um wichtigen Momenten im Leben der Kirche einen feierlichen Rahmen zu geben.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewann das Konsistorium erneut an Bedeutung. In dem Buch "Paul VI. Ich sah, ich glaubte" schreibt Pater Gianfranco Grieco, dass der Papst immer wollte, dass die im Konsistorium versammelten Kardinäle bei seiner Rückkehr von einer internationalen Reise auf ihn warteten, um mit ihnen die ersten Eindrücke des Besuchs auszutauschen.

Johannes Paul II. hat während seines fast 27-jährigen Pontifikats sechs außerordentliche Konsistorien einberufen, in denen Themen wie die Erneuerung der Kurie, der Kirche und der Kultur, die Bedrohungen des Lebens und die Herausforderung durch die Sekten diskutiert wurden.

Bei diesen Treffen nutzten die Kardinäle die Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen, miteinander zu sprechen und die Denkweise des anderen zu verstehen. Die Zusammenkünfte boten Gelegenheit zum Austausch, nicht nur zur Diskussion. Daran hat es in den letzten sieben Jahren gemangelt.

Das außerordentliche Konsistorium im August wird daher Auswirkungen auf das nächste Konklave haben. Doch was die Kardinäle bei den formellen Gesprächen zu sagen haben, dürfte kaum ins Gewicht fallen. Die Kurienreform ist bereits abgeschlossen und verkündet, die Kardinäle können sie lediglich zur Kenntnis nehmen.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur. 

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