Argentinischer Bischof Zanchetta beendet Tätigkeit bei vatikanischer Finanzbehörde

Bischof Gustavo Zanchetta
Foto: Diözese Oran

Bischof Gustavo Zanchetta arbeitet nicht mehr als Assessor bei der vatikanischen Verwaltung des Vermögens des Heiligen Stuhls (APSA), wie die Catholic News Agency (CNA) berichtet.

Laut einer Quelle, die bei der APSA arbeitet, beendete der argentinische Bischof seinen Dienst bei der vatikanischen Zentralbank bereits vor etwa zehn Tagen.

Die Quelle wusste nicht, wo Zanchetta jetzt ist, spekulierte aber, dass er in Argentinien sein könnte, wo er sich vor der Justiz wegen des Verdachts auf sexuelles und finanzielles Fehlverhalten verantworten muss.

CNA hatte die Pressestelle des Heiligen Stuhls um einen Kommentar gebeten, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Antwort erhalten.

Zanchetta, der 57-jährige ehemalige Bischof von Orán, Argentinien, wird des "schweren fortgesetzten sexuellen Missbrauchs" von zwei erwachsenen Seminaristen sowie des Betrugs und der Misswirtschaft von Geldern beschuldigt. Er streitet die Vorwürfe ab.

Der beschuldigte Bischof wurde inmitten einer kanonischen Untersuchung, die im Januar 2019 angekündigt wurde, von seiner Rolle als Assessor bei der APSA suspendiert.

Im Juni 2020 bestätigte der Vatikan, dass Zanchetta seine Arbeit bei der APSA wieder aufgenommen habe, während er "für die argentinischen Justizbehörden verfügbar bleibt".

Die APSA beaufsichtigt den Immobilienbesitz des Vatikans und andere staatliche Vermögenswerte.

Zanchetta war eine der ersten bischöflichen Ernennungen von Papst Franziskus in Argentinien, wo er von Juli 2013 bis 2017 die Diözese Orán leitete.

Nachdem er 2017 aus "gesundheitlichen Gründen" als Bischof von Orán zurücktreten durfte, wurde Zanchetta von Papst Franziskus auf die eigens geschaffene Position eines Assessors bei der APSA berufen.

Argentinische Medien haben inzwischen berichtet, dem Bischof sei bereits 2015 erstmals sexuell unangemessenes Verhalten gegenüber jungen Männern vorgeworfen worden.

Nach einem Bericht von El Tribuno informierte eine von Zanchettas Sekretärinnen die Behörden, nachdem sie zufällig auf sexuell explizite Bilder gestoßen war, die 2015 auf Zanchetta Handy gesendet und empfangen wurden. Die Beschwerde sagte, dass einige der Bilder "junge Männer" beim Sex zeigten, zusätzlich zu unsittlichen Bildern von Zanchetta selbst.

Papst Franziskus berief Zanchetta im Oktober 2015 für fünf Tage nach Rom. Der Bischof behauptete, sein Telefon und sein Computer seien gehackt worden, und dass die Anschuldigungen durch Missgunst gegenüber dem Papst motiviert seien. Franziskus akzeptierte Berichten zufolge die Erklärung des Bischofs, dass sein Handy gehackt worden war, und unternahm keine weiteren Schritte.

Der Vatikan hat wiederholt trotz gegenteiliger Aussagen bestritten, vor seiner Ernennung zu einem vatikanischen Amt im Dezember 2017 Kenntnis von den sexuellen Missbrauchsvorwürfen gegen Zanchetta gehabt zu haben. 

Nachdem Zanchetta im Juni 2019 angeklagt wurde, zwei Seminaristen sexuell genötigt und missbraucht zu haben, führte die Einheit für Wirtschaftskriminalität des Vatikans im November 2019 eine Razzia in den Büros durch, offenbar wegen des Verdachts auf finanzielles Fehlverhalten, so die Zeitung El Oranense.

Zusätzlich zu den Vorwürfen der Misswirtschaft im Zusammenhang mit Kirchengeldern, die von den Gläubigen in der Diözese gespendet wurden, zeigen öffentliche Aufzeichnungen, dass Zanchetta mehr als eine Million argentinische Pesos (etwa 8800 Euro) von der Provinz Salta erhalten hat, um ein Pfarrhaus zu restaurieren, sowie für Vorlesungen im Priesterseminar, die nie stattgefunden haben sollen.

Der spanische Priester Javier Belda Iniesta, der während des Prozesses in Argentinien an der Seite von Zanchetta gesehen wurde, bestätigte im November 2019, dass der Bischof immer noch in der Casa Santa Marta in der Vatikanstadt lebt, wo er zwei Jahre lang residiert hatte. In diesem Gebäude residiert auch Papst Franziskus.

Laut der spanischen Zeitung La Verdad wurde Belda Iniesta im Mai von seiner Position als Dekan der Fakultät für Geistes- und Religionswissenschaften an der Katholischen Universität St. Antonius von Murcia (UCAM) entlassen, nachdem entdeckt wurde, dass er nicht in der Lage war, zwei Abschlüsse nachzuweisen, die in seinem Lebenslauf aufgeführt waren.

Medienberichten zufolge wurde Zanchetta im Jahr 2018 die vatikanische Staatsbürgerschaft verliehen.

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