"Falschaussagen über unseren Glauben": Interview mit BDKJ-Präses zu umstrittener Kampagne

Pfarrer Norbert Fink
Foto: privat

Mit der Kampagne "katholischkreuz" hat der Kölner Diözesanverband des BDKJ eine innerkirchliche Kontroverse ausgelöst.

Die Kölner Gruppe des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) propagiert auf Spruchbändern – die kostenfrei als Plakate und Aufkleber bestellt werden können, aber auch in Form von Tassen und T-Shirts käuflich zu erwerben sind – mit Slogans, dass man dem "Gender-Stern" folge, fordert eine Weihe von Frauen zu Priestern und verkündet: "Bei uns entscheidet die Demokratie und nicht der Papst".

Auch innerhalb des eigenen Verbandes sorgt die Aktion für Kritik. Pfarrer Norbert Fink, BDKJ-Präses der Stadt Neuss, der ebenfalls zum Kölner Diözesanverband gehört, kommentierte auf Facebook:

"Hier gehts nicht um Geschmäcker, sondern [um] Häresie. Und nur weil ich Teil vom BDKJ bin, heißt das nicht, dass ich allem, was der BDKJ zustimmt, auch zustimme. So wie der BDKJ Teil der Katholischen Kirche ist, aber auch vielem nicht zustimmt, was kirchliche Lehre ist."

Im Gespräch mit CNA Deutsch erklärt er seine Kritik.

Herr Pfarrer Norbert Fink, seit über zehn Jahren engagieren Sie sich beim BDKJ in der Jugendarbeit, dennoch haben Sie sich vor Kurzem öffentlich über den Jugendverband geärgert. Was war der Anlass? 

Ich arbeite gerne mit den zahlreichen katholischen Jugendverbänden zusammen, weil diese wirklich eine tolle und wertvolle Arbeit machen. Aber ich ärgere mich auch schon seit vielen Jahren als BDKJ-Präses – zunächst im Oberbergischen Kreis und seit zwei Jahren in der Stadt Neuss tätig – über so manche provokante Äußerungen des Kölner BDKJ-Diözesanvorstandes zu kirchlichen Lehrmeinungen, wie zum Beispiel der Befürwortung von "Ehe für alle", "Gendermainstreaming" oder "Weiheämter für Frauen". Daher ist es nicht das erste Mal, dass ich mich kritisch in einem Facebook-Post zu einem brisanten Thema gemeldet habe, um den Standpunkt der Katholischen Kirche klarzustellen.

Diesmal war der Anlass die aktuelle Kampagne des Kölner BDKJ-Diözesanverbandes. Die Kampagne will zum Gespräch anregen darüber nachzudenken, was es bedeutet heute katholisch zu sein und greift dabei, neben einigen guten Ideen – wie den Einsatz für die Schöpfung, Option für die Armen – meines Erachtens auch zu falschen Mitteln, indem sie Falschaussagen über unseren Glauben verbreitet und diese als "katholisch" darstellt.

Sie haben auf Facebook geschrieben: "Die Einen folgen dem Gender-Stern, die andern dem Sowjet-Stern, manche auch dem Todes-Stern, ich bin Christ und folge nur dem Stern von Bethlehem, denn nur ER führt zu Jesus". Der Spruch bezog sich explizit auf die neue Plakatkampagne des Kölner BDKJ. Was kritisieren Sie am "Gender-Stern"?

Auch wenn ich den "Geschlechtergerechtigkeitsgedanken" hinter dem Genderstern verstehen kann, widerspricht er meinem christlichen Menschenbild, wonach Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat und nicht zusätzlich in diversen Geschlechtern. Nicht umsonst hat selbst Papst Franziskus bereits mehrmals die Gender-Lehre als eine dämonische Ideologie bezeichnet, die die Grundfesten unserer Gesellschaft erschüttern will. 

Haben Sie von der Kampagne gewusst?

Leider nicht im Vorhinein, sonst hätte ich mein Veto eingelegt. Ich habe, wie so viele andere, erst durch die Flyer bei der Diözesanversammlung des BDKJ in Altenberg davon erfahren.

Nach eigenen Angaben will der BDKJ "auch kirchenkritische und kirchenferne Menschen erreichen, sich mit den Themen auseinanderzusetzen". Gelingt dies?

Ich meine: Nein. Was die Kampagne lediglich bewirkt ist, dass kirchenkritische und kirchenferne Menschen sich in ihrem Denken bestätigt fühlen, dass die Amtskirche altmodisch und weltfremd sei.

Sie wurden für Ihren kritischen Facebook-Beitrag auch von den eigenen Leuten kritisiert. Ihnen wurde unter anderem vorgehalten, dass es doch lediglich eine Geschmacksfrage sei.  

Ich werde bei strittigen Themen viel kritisiert. Für die Wahrheit wird halt selten geklatscht, vielmehr bekommt man eine geklatscht. Aber warum sollte es mir anders ergehen, als es dem ergangen ist, dem ich nachfolge.

Der Kölner Diözesanverband begründet die Aktion so: "Damit sich keiner schämt für das, was er glaubt". Wie möchte der BDKJ den Glauben in der Gesellschaft attraktiver machen? Ist die Neuevangelisierung ein Thema?

Die Frage ist: Welchen Glauben möchte er attraktiver machen? Einen subjektiven Glauben, der sich der jeweiligen Zeit anpasst, der sich nur das aus dem Glaubensschatz aussucht, was ihm passt? Oder den Glauben der Kirche, der auch mal unbequem sein kann und mich zur ständigen Umkehr aufruft?

Die Neuevangelisierung spielt dabei nach meinem Eindruck keine Rolle, viel mehr soll jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden, ganz gleich woran jemand glaubt.

Besonders in der Kritik stehen die Plakatsprüche, die man unter anderem auf der Homepage auch aufgedruckt auf Tassen und T-Shirts erwerben kann. Einer dieser Sprüche lautet: "Ausschlafen ist meine Sonntagspflicht".

Ich finde den Spruch sehr unglücklich gewählt, weil er suggeriert, dass das Ausschlafen wichtiger ist als sonntags in die Kirche zu gehen und somit das Schwänzen der Heiligen Messe quasi legitimiert. Damit verstößt er gegen das Dritte Gebot, den Sonntag zu heiligen.

Ja, der Sonntag sollte ein Ruhetag sein und zwar vor allem, damit man in Ruhe zur Kirche gehen kann. Ja, das Ausruhen am Sonntag sollte man sich wirklich zu einer Pflichtaufgabe machen, denn selbst Gott ruhte am siebten Tag. Da wäre es vermessen von uns Menschen, wenn wir mehr arbeiten würden als Gott, wenn wir uns nicht von unserer Arbeit ausruhen. Und ja, wir sollten den Messbesuch nie als eine bloße Sonntagspflicht ansehen, sondern uns immer wieder neu auf die Begegnung mit Jesus Christus in der Eucharistie freuen und die Heilige Messe als ein großes Geschenk ansehen.

Außerdem verstehe ich die Polarisierung zwischen Gottesdienstbesuch versus Ausschlafen nicht ganz. Als katholischer Christ kann man doch beides haben: Samstags in eine Vorabendmesse gehen oder Sonntagabends eine besuchen und dafür Sonntagmorgens mal ausschlafen, wenn man das Bedürfnis danach hat.

Ein weiteres Beispiel ist der Spruch: "Bei uns entscheidet die Demokratie und nicht der Papst". Wie ist denn die Beziehung des BDKJ zum Heiligen Vater?

Papst Franziskus wird gerne vom BDKJ zitiert, wenn es um soziale oder ökologische Themen geht, in denen man einer Meinung mit ihm ist. Doch sein Wort wird gemieden, wo er andere Positionen einnimmt, zum Beispiel in der Gender-Frage. Der BDKJ sagt sich nicht vom Papst los, da er ihn ab und zu auch mal braucht. 

Auf der Homepage des BDKJ in Köln wird festgehalten: "Wir nehmen uns die Freiheit zu denken und zu fordern, was wir aus unserem christlichen Glauben heraus für richtig halten". Wie gehen Sie innerhalb des Verbandes damit um, wenn die Vorstellungen der Jugendlichen mit dem katholischen Glauben und der Lehre der Kirche kollidieren?

Ich versuche zunächst immer Verständnis für strittige kirchliche Positionen und Lehrmeinungen zu gewinnen, indem ich den Jugendlichen im Diskurs versuche klarzumachen, dass die Kirche keinem das Leben vermiesen will, sondern immer ihre guten Gründe hat eine Lehrmeinung zu vertreten und oftmals auch nicht anders handeln kann, weil sie an das Wort Jesu gebunden ist oder auch an die eigene Tradition.

Letzte Frage: Der Diözesanverband des BDKJ in Köln hat im Zuge der Kampagne nun eine offizielle Presseinfo herausgegeben, in der er über sich selbst sagt: "Jugendliche im Erzbistum Köln zeigen sich modern und zugleich als Teil der Kirche".

Hier bedient der BDKJ wohl ein in der Gesellschaft weitverbreitetes Klischee, dass Kirche und Glaube für Jugendliche altmodisch und uncool sind und will zeigen, dass es so nicht sein muss, wenn man den Glauben "modern", also an den Zeitgeist angepasst lebt. Aber wer mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das ist für mich nicht der richtige Weg.

Modern ist eine Kirche für mich nur dann, wenn sie lebendig ist und den Glauben immer wieder neu und frisch in die Sprache und Lebenswelt der Menschen übersetzt, ohne sich bei ihnen anzubiedern oder ihre eigene Lehre zu verwässern.

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