Vatikan verurteilt Gender-Ideologie als "kulturelle und ideologische Revolution"

"Das gängige Konzept der 'Nichtdiskriminierung' verbirgt oft eine Ideologie, welche die Differenz sowie die natürliche Gegenseitigkeit, die zwischen Männern und Frauen besteht, leugnet."

Regenbogenflaggen (Referenzbild)
Foto: Jasmin Sessler / Pixabay (CC0)
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In einem ausführlichen neuen Schreiben verurteilt die Bildungskongregation des Vatikans die Gender-Ideologie und bekräftigt die Grundlagen menschlicher Würde, der Unterschiedlichkeit der Geschlechter und der christlichen Freiheit. Es trägt den Titel "Als Mann und Frau schuf er sie" – ein Zitat aus Genesis (Gen 1, 26-27) – und plädiert für einen "Weg des Dialogs zur Genderfrage in der Bildung".

Der Vatikan erteilt jedem ideologischen Ansatz, "der die Unterschiedlichkeit und die Komplementarität von Mann und Frau leugnet", eine deutliche Absage und warnt erneut vor deren Einführung in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Die Einführung von Gender im Klassenzimmer führe unter anderem zu einem Bildungsnotstand beim Thema Gefühlsleben und Sexualität.

"Der Effekt dieses Schrittes ist vor allem die Schaffung einer kulturellen und ideologischen Revolution, die vom Relativismus angetrieben wird, und zweitens einer juristischen Revolution, da solche Überzeugungen spezifische Rechte für den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft beanspruchen."

Das Schreiben der Bildungskongregation erinnert an die Gottes-Ebenbildlichkeit des Menschen ebenso wie die biologische Realität der Geschlechter. Es unterstreicht die wechselseitige Entsprechung von Mann und Frau, wie sie im Naturrecht beschrieben ist. Und es betont, dass diese Komplementarität auch Voraussetzung für Ehe und Familie ist, und damit Grundlage jeder Gesellschaft.

Dabei unterscheidet das von Kardinal Giuseppe Versaldi unterschriebene Dokument – hier das Schreiben als PDF-Datei im italienischen Original – zwischen der Ideologie und der Erforschung gesellschaftlicher Rollen.

Die Forschung sei sinnvoll, wo sie etwa die "Werte des Weiblichen" besser herausarbeite oder dazu einen Beitrag leiste, "gegen jede ungerechte Diskriminierung zu helfen".

Gleichzeitig beschreibt die Bildungskongregation die intellektuelle Verkürzung dieser Forschung, die zum Aufkommen der Ideologie geführt habe, und konstatiert ein falsches Verständnis von Freiheit – etwa die "Wahl" eines Geschlechts – was auch in Klassenzimmern junge Menschen bedrohe.

"Es ist notwendig, die metaphysischen Wurzeln der sexuellen Differenz zu bekräftigen, als anthropologische Widerlegung von Versuchen, die männlich-weibliche Dualität der menschlichen Natur, aus der die Familie hervorgeht, zu negieren ", heißt es in dem auf den 2. Februar – das Fest der Darstellung Jesu im Tempel – datierte Schreiben, das nun Anfang Juni veröffentlicht wurde: Ein Monat, der vielerorts im Westen als "Pride Month" begangen wird, einer von vielen Kommunen und Konzernen unterstützten Feier der LGBTQI-Bewegung.

"Die Leugnung dieser Dualität löscht nicht nur die Vision des Menschen als Frucht eines Schöpfungsaktes, sondern schafft auch die Idee des Menschen als eine Art Abstraktion, der "selbst entscheidet, was seine Natur sein soll".

Die Kongregation erklärt, dass ab Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts eine Reihe von Studien veröffentlicht wurden, die vorschlugen, dass die äußere Konditionierung den primären und entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeit eines Menschen habe. Solche Studien wurden auch auf die menschliche Sexualität angewendet, mit dem Ziel, zu behaupten – so das Dokument – dass die Identität der Sexualität eher ein soziales Konstrukt als eine natürliche oder biologische Tatsache sei.

"Im Laufe der Zeit hat die Gender-Theorie ihr Anwendungsgebiet erweitert. Anfang der 1990er Jahre lag der Schwerpunkt auf der Möglichkeit, dass der Einzelne seine eigenen sexuellen Tendenzen bestimmt, ohne die Gegenseitigkeit und Komplementarität der männlich-weiblichen Beziehungen oder das reproduktive Ende der Sexualität berücksichtigen zu müssen", heißt es im Dokument.

Mit der "fiktiven Konstruktion eines neutralen oder dritten Geschlechts" werde mittlerweile bei manchen jungen Menschen die Entwicklung einer reifen Persönlichkeit gehemmt.

Auch die für Ideologien typische Tendenz, nicht der eigenen Haltung konforme Sichtweisen anzugreifen und auszugrenzen, beschreibt die Bildungskongregation.

"Das gängige Konzept der 'Nichtdiskriminierung' verbirgt oft eine Ideologie, welche die Differenz sowie die natürliche Gegenseitigkeit, die zwischen Männern und Frauen besteht, leugnet."

Zudem führten Intersexualität und Transgender "zu einer männlich-weiblichen Zweideutigkeit, die auf widersprüchliche Weise diesen sexuellen Unterschied voraussetzt, den sie zu leugnen oder zu überwinden trachtet".

"Dieses Oszillieren zwischen männlich und weiblich endet als bloße Provokation gegen die sogenannten traditionellen Vorstellungen", heißt es in dem Schreiben. Für Betroffene empfiehlt die Bildungskongregation "therapeutische Maßnahmen".

Unter Bezugnahme der klassischen Philosophie, der unveränderbaren Lehre der Kirche, Dokumenten des Zweiten Vatikanische Konzils sowie der Schriften mehrerer Päpste erklärt das Dokument das Verständnis der Kirche von einer christlichen Anthropologie und betont, dass sie im Mittelpunkt der menschlichen Bildung stehe: Ohne christliches Menschenbild keine christlichen Werte.

Auch Papst Franziskus hat wiederholt vor der Gender-Ideologie gewarnt. So bezeichnete er die Gender-Theorie bei der Generalaudienz am 15. April 2015 als Ausdruck einer Frustration und Resignation, die den Unterschied der Geschlechter auslöschen wolle, weil sie nicht fähig sei, sich damit auseinanderzusetzen. Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen der allgemeinen Krise des Gottesvertrauens und der Krise der Verbindung von Mann und Frau. Der Verlust des Vertrauens in Gott führe auch zu Konflikten zwischen Mann und Frau. Von daher sei es wichtig, die Schönheit des Schöpfungsplans, der die Gottesebenbildlichkeit auch in den Bund von Mann und Frau einschreibe, wiederzuentdecken, so der Papst.

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