Bischof Oster kritisiert Frauenbund-Präsidentin: "SheDecides"-Engagement "unvereinbar"

Maria Flachsbarth, MdB und Bischof Stefan Oster.
Foto: Laurence Chaperon / Wikimedia (CC BY-SA 3.0 de) // EWTN.TV
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Mit deutlichen Worten hat der Passauer Bischof Stefan Oster das Engagement der CDU-Politikerin und Frauenbund-Präsidentin Maria Flachsbarth für die umstrittene Initiative "SheDecides" kritisiert.

Die Intiative setzt sich für ein "Recht auf Abtreibung" ein.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Blog-Beitrag bezeichnete der Bischof Flachsbarths Tätigkeit als "Champion" für "She decides" für "unvereinbar mit den herausgehobenen Positionen, die Maria Flachsbarth in der katholischen Kirche in Deutschland einnimmt".

Im Juni ist bekannt geworden, dass die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB), die als Parlamentarische Staatsekretärin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeitet, als "Champion" für die "SheDecides"-Initiative wirbt (CNA Deutsch hat berichtet).

"SheDecides" kämpft nicht nur für ein "Recht auf Abtreibung", sondern steht in enger Verbindung zur Abtreibungsorganisation "International Planned Parenthood Federation" (IPPF). Auf der Homepage der Initiative heißt es dazu:

"We see a world where every girl and woman can exercise her right to privacy, gender identity, choosing partners, pleasure, marriage, children – and integrated services covering contraception, pregnancy, abortion, infertility, STIs, HIV, cancers and violence.

Wir sehen eine Welt, in der jedes Mädchen und jede Frau ihr Recht auf Privatsphäre, geschlechtliche Identität, Partnerwahl, Vergnügen, Ehe, Kinder ausüben kann - ebenso integrierte Dienstleistungen, die die Bereiche Empfängnisverhütung, Schwangerschaft, Abtreibung, Unfruchtbarkeit, Geschlechtskrankheiten, HIV, Krebs und Gewalt abdecken."

Flachsbarth wurde daraufhin von ihrem Parteikollegen Hubert Hüppe (ebenfalls CDU) in einem Interview mit dem Vorwurf konfrontiert, "Lobbyarbeit für Abtreibungsbefürworter" zu betreiben.

Auf Nachfrage von CNA Deutsch hatte Flachsbarth diesen Vorwurf zurückgewiesen; über eine Sprecherin ließ die Politikerin ausrichten, dass sie sich als Parlamentarische Staatssekretärin und als Präsidentin des KDFB "immer für den Schutz des Lebens, insbesondere in den besonders sensiblen Phasen ganz am Anfang und ganz am Ende" eingesetzt habe. Eine Abtreibung sei "nie ein Mittel der Familienplanung", könne jedoch "im Einzelfall ein letzter schrecklicher Ausweg sein".

Daraufhin hatte Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, die Präsidentin des KDFB verteidigt, die ebenfalls dem ZdK angehört. Auch Sternberg ist Mitglied der CDU. Sternberg sagte gegenüber CNA Deutsch wörtlich:

"Wir wissen zugleich, dass eine Abtreibung leider nicht in jedem Schwangerschaftskonfliktfall verhindert werden kann – davon spricht Maria Flachsbarth, wenn sie sagt, eine Abtreibung könne für eine Frau im Einzelfall 'ein letzter schrecklicher Ausweg' sein. Es ist aber für uns völlig klar, dass Abtreibungen keines der Mittel zur Familienplanung sind."

Bischof Stefan Oster: Flachsbarth erweist Lebensrechtsbewegung einen Bärendienst

In seinem Beitrag kritisiert Bischof Oster sowohl Flachsbarth als auch Sternberg. Mit Flachsbarths Engagement für "She decides" vermittle sie den "nicht zu leugnenden Eindruck, dass nun auch herausragende Repräsentanten der Katholischen Kirche das 'Manifest' der She decides-Bewegung voll mittragen". In diesem Manifest, erinnert Oster ist ausdrücklich die Forderung nach "Zugang zu sicherer Abtreibung" festgelegt. 

Die Kritik Sternbergs, Lebensschützer würden Flachsbarth "diffamieren" und damit den Anliegen der Lebensrechtsbewegung einen "Bärendienst" erweisen, weist der Passauer Bischof zurück. Er schreibt:

"Ich meine, Maria Flachsbarth unterhöhlt mit einem undifferenzierten Plädoyer als Champion von 'Shedecides' für 'sexuelle und reproduktive Rechte' gerade dieses Anliegen – und erweist ihm einen Bärendienst. Denn bislang habe ich zum Beispiel keine Antwort bekommen auf die Frage, warum sie diesen Begriff (nämlich 'sexuelle und reproduktive Rechte') gerade auf dieser Internetseite, die für Abtreibung bis zur Geburt wirbt, nicht nach katholischen Verständnis präzisiert hat, nämlich, dass Abtreibung niemals zu rechtfertigen sei. Aus Loyalitätsgründen für die Regierung? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Minister Gerd Müller als ihr Chef oder die Bundeskanzlerin eine solche Präzisierung untersagen würden."

Bischof Oster unterstreicht, dass er die guten Absichten von Flachsbarth nicht in Abrede stellen wolle. Im persönlichen Gespräch habe ihm die CDU-Politikerin "mehrfach versichter", dass die "Propagierung von Abtreibung kein legitimes Mittel der Familienpolitik sein kann und soll". Flachsbarth habe sich ihm gegenüber gar als "erklärte Gegnerin von Abtreibung" bezeichnet.

Der Hirte aus Passau betont, dass das christliche Zeugnis für den Lebensschutz "klar und unzweideutig" sein müsse, weshalb seiner Ansicht nach das Engagement Flachsbarths als Aushängeschild von "SheDecides" "umso erstaunlicher" sei. Immerhin fordere die Initiative unter dem Begriff der "sexuellen und reproduktiven Rechte" auch ausdrücklich die "Ermöglichung von Abtreibung (...) und zwar ohne Einschränkung und bis zur Geburt des Kindes".

Engagement für Kirche und Abtreibung "unvereinbar"

Oster schreibt weiter, dass er im Handeln von Maria Flachsbarth "Widersprüche" sehe, die diese noch nicht ausräumen könnte. Problematisch sei ihr Handeln auch deshalb, da sie auf der Internetpräsenz von "SheDecides" ausdrücklich als "practicing Roman Catholic" auftrete. "Sie ist also solche nicht nur Mitglied der Bundesregierung, sondern eben auch Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken", so Oster.

Ihm gegenüber habe die Frauenbund-Präsidentin erklärt, dass sie mit "SheDecides" "viele vulnerable Menschen für Gesundheitsanliegen" erreiche, die sonst nicht zu erreichen seien. Oster dazu wörtlich:

"Für mich ist das ein Vorgehen nach der Logik: Der Zweck (das Erreichen der Vulnerablen) heiligt die Mittel (die Inkaufnahme von tausenden im Mutterleib getöteten Kindern). Auch auf diesen Vorhalt habe ich keine Antwort mehr bekommen."

Der Passauer Bischof zitiert in diesem Zusammenhang die Nummer 51 aus der Konstitution "Gaudium et spes", die während des II. Vatikanischen Konzils veröffentlicht wurde. Darin heißt es:

"Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungswürdige Verbrechen."

Auch Papst Johannes Paul II. habe in seiner Enzyklika "Evangelium Vitae" die "sittliche Schwere der vorsätzlichen Abtreibung" verurteilt. Oster erinnert dabei an die Worte des mittlerweile heiliggesprochenen Papstes, der im selben Dokument unter der Nummer 59 schrieb:

"Nicht unterschätzt werden darf schließlich das Netz der Mittäterschaft, das sich bis auf internationale Institutionen, Stiftungen und Vereinigungen ausdehnt, die systematisch für die Legalisierung und Verbreitung der Abtreibung in der Welt kämpfen. Damit übersteigt die Abtreibung die Verantwortung der einzelnen Personen und den ihnen verursachten Schaden und nimmt eine stark soziale Dimension an: sie ist eine sehr schwere Verletzung, die der Gesellschaft und ihrer Kultur von denen zugefügt wird, die sie aufbauen und verteidigen sollten."

In Anbetracht des Interessenkonflikts zwischen der Lobbyarbeit als "praktizierende Katholikin" für Abtreibungs-Organisationen und der Position, die Flachsbarth als äußere Repräsentantin der Katholischen Kirche inne hat, schreibt der Passauer Bischof:

"Weil 'SheDecides' so eng mit der 'International Planned Parenthood Foundation' verbunden ist und zudem für ein Recht auf Abtreibung bis zur Geburt eintritt, verkehrt sich ein Engagement für 'SheDecides' trotz aller guten Absichten zum Lobbyismus für einen der größten Anbieter von Abtreibung weltweit. Ich halte deshalb ihre Entscheidung, dennoch als ein 'Champion' der 'SheDecides'-Bewegung aufzutreten für unvereinbar mit den herausgehobenen Positionen, die Maria Flachsbarth in der katholischen Kirche in Deutschland einnimmt."

Bischof Oster: Unterstützung für den "Marsch für das Leben"

Bischof Stefan Oster hatte bereits in der Vergangenheit wiederholt für das uneingeschränkte Lebensrecht eines jeden Menschen geworben. Beim letztjährigen "Marsch für das Leben" in Berlin trat Oster auch als Redner bei der Kundgebung vor dem Reichstag auf (CNA Deutsch hat berichtet). 

Auch in diesem Jahr unterstützt der Passauer Bischof das Anliegen der Kundgebung und hat bereits ein Grußwort veröffentlicht. In seinem Blogeintrag vom Donnerstag schreibt er:

"Der 'Marsch für das Leben' am kommenden Samstag (19.9.) in Berlin führt Menschen zusammen, denen das Leben vom Moment der Empfängnis bis zum letzten Atemzug ein herausragendes Anliegen ist. Vergangenes Jahr habe ich selbst daran teilgenommen, teile mit voller Überzeugung sein Anliegen und unterstütze die Veranstalter daher sehr gern."

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV überträgt den "Marsch für das Leben" am Samstag ab 12.30 Uhr live.

VIDEO: Marsch fürs Leben 2019 - Live-Interview mit Bischof Oster (ab Minute 14:28)

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