Bistum Eichstätt verzeichnet Minus von 3,8 Millionen Euro

Blick auf den Dom von Eichstätt
Foto: Wikimedia / Unteroktav (CC BY-SA 3.0)

Kirchenaustritte und weniger Einnahmen durch die Coronavirus-Krise: Ein negatives Jahresergebnis von 3,8 Millionen Euro meldet das bayerische Bistum Eichstätt für das Jahr 2020 – und rechnet mit weiteren Einbußen in den kommenden Jahren. Für das Jahr 2021 plant das Bistum bereits mit einem Minus von 18,7 Millionen Euro.

Die Kirchensteuerzahler der Diözese gaben 2020 immer noch 117,7 Millionen Euro von ihrem Einkommen an die Kirche ab. Im Jahr 2019 waren es noch 8,4 Millionen Euro mehr.

Neben den Austritten angesichts der Kirchenkrise sei der Rückgang auf den wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Krise, darunter Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit zurückzuführen.

Die Kirchensteuer ist mit Abstand wichtigste Einnahmequelle, aber nicht die einzige.

Insgesamt nahm die Diözese 184,8 Millionen Euro ein, und damit um 4,4 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. 

Diesen knapp 185 Millionen Euro stehen Ausgaben in Höhe von 189,7 Millionen Euro gegenüber. Größter Kostenpunkt sind die kirchlichen Mitarbeiter: Mit 89,8 Millionen Euro stellt der Personalaufwand den größten Betrag dar.

Im Vergleich zum vergangen Jahr zeige sich damit ein deutlicher Rückgang von rund 47 Millionen Euro, so das Bistum. Dieser resultiere "aus dem einmaligen Effekt, dass 2019 Mehrerträge durch stille Reserven aus Wertpapieren gehoben werden konnten". Diese flossen 2019 in Zuschüsse an die Emeritenanstalt. Insgesamt gewährte die Diözese 2020 deshalb mit 58,3 Millionen Euro auch geringere Zuschüsse als im Vorjahr. 

"Die im vergangenen Frühjahr vorausschauend getroffenen Maßnahmen zur Haushaltssicherung angesichts der Corona-Pandemie wie beispielsweise die Einschränkung des Bau-Etats haben ein größeres Minus verhindert", erläuterte Amtschef Thomas Schäfers.

Im Jahr 2020 haben sich auch das Eigenkapital der Diözese und damit seine Rücklagen für die Zukunft verändert: Insgesamt standen der Diözese 357,7 Millionen Euro an Eigenkapital im Jahr 2020 zur Verfügung. Das sind rund 38,6 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Das Abschmelzen der Rücklagen habe drei Gründe: die Sicherung der Altersvorsorge der Geistlichen, Verpflichtungen zu Rückstellungen und ein negatives Jahresergebnis im Jahr 2020.

Der Ruhestandsversorgung ihrer Priester wird die Diözese durch die Emeritenanstalt gerecht. Um die errechneten Pensionsansprüche der Geistlichen zu sichern, muss das Bistum die Emeritenanstalt regelmäßig mit Zuschüssen versorgen. Im Jahr 2020 betragen diese Zuschüsse 19,7 Millionen Euro, die die Diözese der dafür vorgesehenen Rücklage entnommen hat. Diese Rücklage für Pensionen und Altersvorsorge sank deshalb auf 10,2 Millionen Euro.

Außerdem ergab sich im Rahmen der Jahresabschlussprüfung für das Jahr 2020, dass das Bistum für Priester sowie für die Lehrer im kirchlichen Dienst sowie deren Familien Rückstellungen für Beihilfeversicherungsbeiträge im Ruhestand bilden muss. Die seitens der Diözese tarifrechtlich zugesagte Beihilfe deckt dabei teilweise Gesundheitskosten in unterschiedlichem Umfang ähnlich wie im Beamtensystem. Insgesamt waren hierfür für Vorjahre 34,8 Millionen Euro zu reservieren. Dieser Betrag wurde unmittelbar aus den freien Rücklagen finanziert.

Zudem entnahm die Diözese den Jahresfehlbetrag von 3,8 Millionen Euro aus der freien Rücklage. Unter Berücksichtigung der teilweisen Auflösung der Rücklage für Pensionen und Altersversorgung, dem Jahresfehlbetrag und der Beihilfeverpflichtung für Vorjahre sinkt die freie Rücklage auf 56,5 Millionen Euro. Vor allem durch diesen Effekt wachsen die Rückstellungen im Jahr 2020 von 60,7 auf rund 106,0 Millionen Euro.

Unverändert bleiben die Rücklagen für den Unterhalt kirchlicher Immobilien mit 151 Millionen Euro sowie diejenigen für drei weitere Bereiche: Jeweils 30 Millionen Euro hat die Diözese dafür vorgesehen pastorale Projekte zu entwickeln, ihre Organisationsstrukturen zu erneuern sowie in Zuwendungen oder Neugründungen von Stiftungen zu investieren.

Als Kapital im engeren Sinne, mit dem die Diözese gegenüber ihren Gläubigern haftet, sind 50 Millionen Euro vorgesehen.

"Mit Blick auf die bereits 2017 in der Bilanz wertbereinigten Darlehen an US-amerikanische Projektgesellschaften in der Immobilienentwicklung hat die Bischöfliche Finanzkammer im Jahr 2020 durch Verhandlungen rund sechs Millionen US-Dollar als Rückzahlung erhalten. Diese Summe kann als Einnahme verbucht werden, da die ausstehenden Darlehen bereits wertberichtigt waren", so die Diözese. Insgesamt konnten bisher rund 18 Millionen US-Dollar zurückgewonnen werden.

Auch aufgrund der schwierigen finanziellen Perspektive für die kommenden Jahre hat die Diözese einen Strategieprozess initiiert. 2021 fanden bereits drei digitale Workshops statt. Die Schwerpunktthemen sind "Wachstum", "Nachhaltigkeit/Solidarischer Lebensstil" und "Digitalisierung".

"Insgesamt wird es auf dem weiteren Weg darum gehen, Jesu Botschaft auf bewährten aber auch auf neuen Wegen zu verkünden. Dabei müssen wir gemeinsam Wege in die Zukunft aufzeigen, notwendige – zum Teil wohl auch schmerzhafte – Veränderungen erkennen, und in Verantwortung für kommende Generationen die besten Lösungen finden", sagte Amtschef Thomas Schäfers, der den Strategieprozess leitet.

Der komplette Finanzbericht 2020 der Diözese Eichstätt und weiteren Rechtsträger im Bistum sind auf www.bistum-eichstaett.de/finanzberichte abrufbar.

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