Chilenischer Prälat verweigert knieenden Gläubigen die heilige Kommunion

Monsignore Celestino Aos
Foto: Pressestelle, Erzbistum Santiago
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Als Apostolischer Administrator - vorübergehender Leiter und Verwalter - des Erzbistums von Santiago hat Celestino Aos keine leichte Aufgabe: Der Prälat ersetzt Kardinal Ricardo Ezzati, gegen den die chilenischen Behörden wegen der Vertuschung sexuellen Missbrauchs ermitteln. 

Doch statt Fingerspitzengefühl zu zeigen, hat es Celestino Aos geschafft, ausgerechnet an Ostern viele Katholiken innerhalb und außerhalb des Landes zu skandalisieren.

Wie mehrere Medien berichten, entschied sich der Prälat, am Gründonnerstag bei der Feier der Chrisammesse mindestens zwei Gläubigen die Kommunion zu verweigern, die sich zum Empfang des Leibes Christi hingekniet hatten.

Die Webseite "Crux" veröffentlichte zwei separate Videos, in denen zu sehen ist, wie Aos das Sakrament den Knieenden verweigert.

(Der Empfang der heiligen Kommunion auf Knien ist Katholiken nicht nur explizit gestattet, sondern wird von vielen empfohlen und angeraten. Auch im Erzbistum Santiago gibt es kein Verbot dagegen.)

Skandalisiert waren an diesem Tag - zum Zeitpunkt der Kommunion - jedoch bereits viele Messbesucher aus einem anderen Grund: Beim Einzug zur Eucharistiefeier in der Kathedrale von Santiago lief der Vorgänger von Aos mit, Kardinal Ricardo Ezzati.

Gegen Ezzati ermittelt nicht nur die Staatsanwaltschaft wegen Vertuschung sexuellen Missbrauchs. Ihm wird vorgeworfen, ausgerechnet ein schweres Verbrechen in eben dieser Kathedrale nicht geahndet zu haben: Die Vergewaltigung eines erwachsenen Mannes in einem Raum des Gotteshauses. (CNA Deutsch berichtete).

Der Täter, Pater Tito Rivera, wurde im August 2018 von der Glaubenskongregation für schuldig befunden, im Jahr 2015 einen 40 Jahre alten Mann in einem Raum der Kathedrale sexuell missbraucht zu haben.

Das Opfer, Daniel Rojas, hat nach eigenen Angaben Kardinal Ezzati in einer Beichte von dem Angriff erzählt. Der Erzbischof habe ihn gebeten, für den Täter zu beten, und ihm 30.000 Pesos (rund 40 Euro) gegeben und gebeten, niemandem zu sagen, was passiert sei, so Rojas.

Ezzati (77) hat bestritten, dass er Rojas kenne. Er beteuert auch seine Unschuld, was weitere Fälle betrifft, in denen die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt: Er soll mehrere notorische Täter gedeckt haben.

Papst Franziskus hat den Rücktritt des Kardinals am 23. März 2019 angenommen – eingereicht hatte er diesen bereits im Mai 2018, als im Zug der Skandale um Bischof Juan Barros und andere –  für die sich der Papst entschuldigt hat – die komplette Bischofs-Riege ihren Rücktritt einreichte. Mit Ezzati sind nun insgesamt acht chilenische Bischöfe aus ihrem Amt entfernt worden.

Seit seinem Amtsantritt hat sich Celestino Aos mit Missbrauchs-Opfern getroffen, darunter auch Priester, die Opfer von notorischen Tätern wie Fernando Karadima waren. Der Prälat traf sich auch in Rom mit Papst Franziskus und den Leitern verschiedener vatikanischer Dienststellen. 

Was die Rolle von Ezzati bei der Chrisammesse betrifft, so sagte Aos laut "Crux" vor chilenischen Journalisten, dass "die Messe immer ein liturgischer Akt ist, eine Begegnung vor dem Altar des Herrn, und wir sind da, um zu feiern, was der Herr uns zu Feiern gesandt hat". Alle seien eingeladen, und alle würden am Anfang das Schuldbekenntnis sprechen.

Warum er selber dann mindestens zwei Katholiken die Eucharistie verweigerte: Dazu hat sich Aos bislang nicht geäußert.

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