Christliche Juristen beklagen Bedingungen für religiöse Minderheiten in Afghanistan

Flüchtlingskinder in Kabul, Afghanistan
Foto: Trent Inness/Shutterstock

Eine christliche Menschenrechtsgruppe hat am Dienstag vor einer Verschlechterung der Bedingungen für die religiösen Minderheiten in Afghanistan gewarnt und eine sofortige internationale Reaktion gefordert.

"Die düsteren Aussichten auf Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, verschärft durch eine sich zuspitzende humanitäre Krise, zwingen Tausende von afghanischen Männern, Frauen und Kindern in die Vertreibung innerhalb des Landes und zwingen viele weitere, vor Verfolgung und Unterdrückung zu fliehen", sagte Giorgio Mazzoli, Rechtsberater bei den Vereinten Nationen für ADF International, in einer Erklärung am 24. August. (Hier der volle Wortlaut).

"Die sich entwickelnde Situation vor Ort erfordert eine sofortige, robuste und koordinierte Reaktion der internationalen Gemeinschaft, wobei die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten als absolute Voraussetzung für einen glaubwürdigen Friedens- und Versöhnungsprozess angesehen wird", erklärte er.

Viele der religiösen Minderheiten des Landes, so Mazzoli, sind Konvertiten aus dem Islam - ein Verbrechen, das nach der Scharia mit dem Tod bestraft wird. Viele Christen waren schon vor der Machtübernahme durch die Taliban Schikanen und Einschüchterungen ausgesetzt; Konvertiten zum Christentum sind häufig das Ziel islamischer Extremistengruppen. 

Mazzoli forderte die Regierungen außerdem auf, Abschiebungen nach Afghanistan vorübergehend auszusetzen und abgelehnte Asylanträge von Afghanen, die "Verfolgung wegen ihres Glaubens oder ihrer Überzeugungen" befürchten, zu überprüfen. 

Die christliche Gemeinschaft ist verschwindend klein in dem islamischen Land, in dem Menschen für ihr Bekenntnis zum christlichen Glauben geächtet oder sogar mit Gewalt und Tod bedroht werden können. Im Jahr 2018 gab es schätzungsweise 200 Katholiken in dem Land.

Es gibt eine einzige katholische Kirche, die sich in der italienischen Botschaft in Kabul befindet und von der katholischen Mission sui juris in Afghanistan betrieben wird.

Nach Angaben des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten waren bis zum 21. Mai etwa 100.000 Menschen in diesem Jahr ausgewandert oder vertrieben worden. Diese Zahl hat sich seitdem Schätzungen zufolge verdoppelt.

Vor der Machtübernahme durch die Taliban setzte Open Doors Afghanistan auf seiner Weltbeobachtungsliste auf Platz zwei, was die Verfolgung anbelangt, die "nur geringfügig weniger repressiv ist als in Nordkorea".

Das Hilfswerk "Kirche in Not" - Aid to the Church in Need (ACN) - äußerte ähnliche Bedenken. Thomas Heine-Geldern, der Exekutivpräsident von ACN, ermutigte die internationale Gemeinschaft, "ihre Stimme zum Schutz der Menschenrechte für alle Bürger Afghanistans zu erheben, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass nach unserer Einschätzung die Religionsfreiheit besonders bedroht sein wird".

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Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.