Christmette mit Papst Franziskus: "Gott kommt in Kleinheit in die Welt"

Papst Franziskus küsst das Jesuskind am Hochfest der Geburt des Erlösers
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Papst Franziskus hat in der Christmette aufgerufen, "jenseits der Lichter und der Dekoration das Kind zu betrachten, in dessen Kleinheit Gott ganz da ist". 

Im Petersdom predigte der 85 Jahre alte Pontifex am 24. Dezember zur Hochfest der Geburt des Heilands – Sollemnitas Nativitatis Domini.

"Das bekennen wir: 'Kind, du bist Gott, Gott-Kind'", so Franziskus wörtlich. "Lasst uns über dieses Unvorstellbare in Staunen geraten. Derjenige, der das Universum umspannt, muss im Arm getragen werden. Er, der die Sonne gemacht hat, muss gewärmt werden. Der die Zärtlichkeit selbst ist, muss liebkost werden. Die unendliche Liebe hat ein kleines schwach schlagendes Herz. Das ewige Wort ist ein Baby, unfähig zu sprechen. Das Brot des Lebens muss gefüttert werden".

Gott komme klein in die Welt. Seine Größe schenke sich in der Kleinheit, betonte Papst Franziskus in seiner Predigt - hier der volle Wortlaut.

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Offiziellen Angaben zufolge bis zu 1500 Menschen waren im Petersdom zugegen, als Papst Franziskus dazu aufrief, sich nicht mehr nach Größe zu sehnen und in dieser Weihnachtszeit Klagen und Gier zurückzustellen.

Dabei zitierte der Papst die US-amerikanische Dichterin Emily Dickinson: "Wer den Himmel hier unten nicht gefunden hat, wird ihn dort oben vermissen".

Franziskus rief seine Zuhörer auf, mit ihm noch einmal auf die Krippe zu schauen. Nicht nur das Kind in der Krippe sei klein, so der Papst, sondern auch die Menschen um ihn herum.

"Jesus kam nicht zu den gebildeten Menschen"

Wer sind diese? Es sind Hirten. Sie waren die einfachsten Menschen und dem Herrn am nächsten. Sie fanden ihn, denn sie lagerten "auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde". Sie waren dort, um zu arbeiten, denn sie waren arm und ihr Leben kannte keine festen Zeiten, sondern alles hing von der Herde ab", so der Papst.

"Sie konnten nicht leben, wie und wo sie wollten, sondern sie richteten sich nach den Bedürfnissen der Schafe, die sie betreuten. Und Jesus kommt dort zur Welt, in ihrer Nähe, in der Nähe der Vergessenen der Peripherien. Er kommt dorthin, wo die Menschenwürde auf die Probe gestellt wird. Er kommt, um die Ausgeschlossenen zu adeln, und offenbart sich vor allem ihnen: nicht den gebildeten und bedeutenden Menschen, sondern der armen arbeitenden Bevölkerung". 

Der Papst schloss mit den Worten: "Es tut uns gut, wenn wir uns dorthin begeben und vom Weihnachtsevangelium lernen, das uns die Heilige Familie, die Hirten und die Sterndeuter vor Augen stellt: alle sind sie Menschen auf dem Weg. Brüder und Schwestern, machen wir uns auf den Weg, denn das Leben ist eine Pilgerreise. Lasst uns aufstehen, lasst uns aufwachen, denn heute Nacht ist ein Licht erschienen. Es ist ein sanftes Licht und erinnert uns daran, dass wir in unserer Kleinheit geliebte Kinder sind, Kinder des Lichts. Freuen wir uns gemeinsam, denn niemand wird dieses Licht je auslöschen, das Licht Jesu, das seit dieser Nacht in der Welt erstrahlt."

Am heutigen Samstag spendet der Papst zur Mittagstunde den Segen der Stadt und des Weltkreises – Urbi et Orbi. 

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