"Ich möchte nicht sterben": Augenzeugen des Pfingstmassakers in Nigeria berichten

"Ich bin dem Tod knapp entkommen. Ich möchte lange leben, meine Träume verwirklichen und meine Eltern stolz machen. Ich danke Gott, dass Er mein Leben verschont hat." – Okorie Faith (9)
Foto: Kirche in Not / Aid to the Church in Need (ACN)

Nach dem tödlichen Anschlag auf die Kirche St. Franz Xaver in Owo im Bundesstaat Ondo, Nigeria am Pfingstsonntag besuchte das katholische Hilfswerk Kirche in Not – Aid to the Church in Need (ACN) Überlebende im St. Louis-Krankenhaus und im bundesstaatlichen medizinischen Zentrum. Hinter diesen Nachrichten stehen Geschichten, Gesichter, Schicksale. ACN hat sie dokumentiert. Allein 39 Menschen starben bei diesem Blutbad. Seitdem wurden mindestens zwei weitere Massaker an Christen verübt.

„Es war wirklich ein furchtbares Erlebnis, das ich nicht mal meinem schlimmsten Feind durchzumachen wünschen würde. Der Priester war dabei, die Messe zu beenden, und ich saß im mittleren Kirchenschiff. Als ich die ersten Schreie hörte, die näher kamen, dachte ich zuerst, es sei die Sirene eines vorbeifahrenden Polizeiwagens. Gemeindemitglieder begannen, auf den Altar zuzulaufen, um in die Sakristei zu kommen, doch ich konnte nicht bis dorthin rennen, weil ich im 7. Monat schwanger bin. Ich beschloss, zur Barmherzigkeitskapelle zu gehen, doch viele Menschen rannten in die Richtung. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, also legte ich mich auf Gemeindemitglieder, die schon am Boden lagen. Als ich da lag, kam einer der Bewaffneten und warf ein winziges Licht in meine Nähe. In meinem Kopf registrierte ich sofort, dass es Dynamit sein könnte, und so begann ich, mich von dort in Sicherheit zu schleppen, doch bevor ich weit genug weg war, explodierte das Dynamit und verbrannte meinen Rücken und mein linkes Bein. Ich konnte in dem Moment weder weinen noch verspürte ich Schmerz, doch Blut strömte aus meinen Wunden. Ich öffnete meinen Mund und sagte: „Vater, ich bin in Deinen Tempel gekommen, um Dich anzubeten, und dies ist passiert. Sollte ich sterben, sterbe ich, doch bitte, Gott, erinnere Dich an mich und meine kleine Tochter in Deinem Reich.“ Ich bin froh, am Leben zu sein, und dass mein ungeborenes Kind lebt und gesund ist. Mir wurde auch gesagt, dass meine dreijährige Tochter, von der ich glaubte, dass sie ums Leben gekommen sei, auch lebt, obwohl sie bei dem Anschlag schwer verletzt wurde und im staatlichen medizinischen Zentrum liegt. Bitte betet für uns, dass wir schnell gesund werden, so dass ich bald wieder mit meiner Tochter und meiner Familie zusammen sein kann.“ Frau Blessing John, 36

 

 

„Ich war in der Kirche als sich der schlimme Vorfall ereignete, doch bevor ich weiter berichte, möchte ich Gott dafür danken, dass nicht noch Schlimmeres geschehen ist, dass einige von uns gerettet wurden, auch wenn andere schwer verletzt wurden. Mögen die Seelen derer, die ums Leben gekommen sind, in Frieden ruhen, und möge Gott uns als Kirche und all ihren Familien Trost schenken. Die Absicht der Bewaffneten war es, in die Kirche einzudringen und keinen entkommen zu lassen. Sie wollten still und heimlich kommen und ihr böses Vorhaben in die Tat umsetzen, doch ich danke Gott für sein Eingreifen zu unseren Gunsten. Wir hatten schon den Schlusssegen erhalten und warteten auf die Prozession des Priesters und der Messdiener, als wir den ersten Schuss hörten.  Ich ging nach draußen vor die Kirche und dachte, es handle sich um einen Kampf bei einem bewaffneten Raubüberfall oder zwischen Dieben und Soldaten, doch als ich sie auf die Kirche zulaufen sah, wusste ich, dass es etwas anderes war. Ich rannte schnell zur Kirche zurück und sagte den Gemeindemitgliedern, sie sollten zurück in die Kirche gehen und sich flach auf den Boden legen. Zunächst wollte ich die Kirche durch eine andere Tür verlassen, doch ich sah, dass dort schon viele Menschen getötet worden waren. Ich hatte Angst und war verwirrt und müde, zu rennen. Also legte ich mich auch auf den Boden, und als ich dabei war, wieder aufzustehen, schmissen sie die erste Dynamitstange und alles bebte. Die zweite Stange wurde ganz in meine Nähe geworfen. Viele Menschen starben um mich herum, doch Gott gab mir eine zweite Chance. Dieses Ereignis hat mich sehr erschüttert; ich bin in meinem Inneren wütend, doch dann frage ich mich: Wer bin ich, Gott in Frage zu stellen? Diese Attacke stärkt mich in meinem Glauben, sie bringt mich näher zu Gott. Ich lebe, und keines meiner Familienmitglieder wurde getötet. Gott sei dafür Dank.” Emmanuel Igwe, 35 

 

„Ich war in der Kirche, als sich die Tat ereignete. Ich lag auf dem Boden bis einer der Bewaffneten mich zwang, mich mit neun anderen Gemeindemitgliedern aufzustellen, darunter meine geliebte Tochter. Sie schossen auf alle von uns, auf einen nach dem anderen. Ich war der letzte, auf den geschossen wurde, und sie trafen mich in die Backe. Ich war der Einzige unter den zehn Personen, der überlebte. Das ist in der Tat etwas, dass ich nie vergessen werde. Es ist ein solcher Schmerz, dass ich meine geliebte Tochter bei dem Anschlag verloren habe — doch mein Glaube ist dadurch nicht erschüttert. Dieser Anschlag hat meinen Glauben an Gott gestärkt. Ich bin froh, noch am Leben zu sein, und rufe die internationale Gemeinschaft auf, für uns zu beten, dass wir schnell gesund werden, und uns auf materielle und finanzielle Weise zu helfen.“ Thaddeus Bade Salau, 52

 

„Ich war in der Kirche, als sich der Angriff ereignete. Als ich den ersten Schuss hörte, dachte ich, er käme von einer Spielzeugpistole. Ich drehte mich um und sah Menschen rennen. Ich wusste nicht, wo ich hinrennen sollte, also legte ich mich auf Menschen, die bereits tot waren, und tat so, als sei auch ich tot. Ich lag immer noch auf dem Boden als sie die erste Dynamitstange ganz in die Nähe meiner Beine schmissen. Darum wurde das Fleisch meiner Beine zerfetzt und man sah meine Knochen. In diesem Zustand der Aufruhr und der großen Schmerzen sah ich einen der Bewaffneten auf mich zukommen. Ich schleppte mich aus der Kirche und sprang durch den Zaun. Auf diese Weise wurde ich gerettet. Ich sah ein paar der Bewaffneten. Einer trug ein gelbes Shirt, blaue Jeans und eine schwarze Gesichtsmaske, ein anderer ein rotes Oberteil, schwarze Jeans und eine rote Gesichtsmaske. Das waren diejenigen, die die Dynamitstangen warfen. Ich möchte nur Gott danken, dass er mein Leben verschont hat und das meiner Familie. Ich rufe die internationale Gemeinschaft dazu auf, immer an uns in ihren Gebeten zu denken, und möchte ihnen sagen, dass wir dringend finanzielle Unterstützung brauchen. Ich bin traurig und wütend, dass unschuldige Seelen getötet wurden. Ehrlich gesagt, wird es für mich sehr furchterregend sein, wieder in die Kirche zu gehen. Dieser Angriff war auch für meinen GIauben ein Schock, doch ich bete für mehr Gnade und Kraft, um standhaft zu sein.“ Josephine Ejelonu, 50



 „Ich bin nur ein kleines Mädchen mit dem Traum, Ordensschwester zu werden. Alles, um was ich bitte, ist es, am Leben zu sein und meine Träume zu verwirklichen. Ist das zu viel verlangt? Doch ich bin nicht sicher, ob ich im Moment wieder in die Kirche gehen kann, denn ich bin, als ich in der Kirche war, um Gott anzubeten, angeschossen worden. Ich möchte nicht sterben. Ich bin dem Tod knapp entkommen. Ich möchte lange leben, meine Träume verwirklichen und meine Eltern stolz machen. Ich danke Gott, dass Er mein Leben verschont hat. Bewahrt uns immer in Eurem Gebet.“ Okorie Faith, 9



„Ich war mit meinen Eltern in der Kirche, als sich der Angriff ereignete. Ich war verwirrt, verängstigt und weinte während der Attacke. Ich dachte, meine Mama und mein Papa seien tot, doch als ich im Krankenhaus war, sah ich sie lebendig und das machte mich so glücklich. Ich möchte nicht wieder in die Kirche gehen, denn wenn ich dort hingehe, könnte ich getötet werden.“  Sunday Vincent, 5

Alle Bilder (C) Kirche in Not / Aid to the Church in Need (ACN)  

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