„Der Bezugspunkt des Lebens ist Jesus“, sagt Papst Franziskus beim Angelus

Papst Franziskus, Angelus, 8. Januar 2023
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus hat die Gläubigen ermuntert, „wie Johannes die Tugend zu pflegen, uns im richtigen Moment zurückzunehmen und zu bezeugen: Der Bezugspunkt des Lebens ist Jesus.“ Beim Angelusgebet am Sonntagmittag betonte der Pontifex die Wichtigkeit der „Freiheit von Bindungen“.

Johannes der Täufer habe gezeigt, „wie man zur Seite tritt“, nachdem er „seinen Auftrag erfüllt“ hatte. Er habe „dem Volk gepredigt, Jünger gesammelt und sie lange Zeit ausgebildet. Doch er bindet niemanden an sich. Und das ist schwierig, aber es ist das Zeichen des wahren Erziehers: die Menschen nicht an sich zu binden.“

Stattdessen habe Johannes „seine Jünger in die Fußstapfen Jesu“ gestellt, denn es gehe ihm „nicht darum, eine Anhängerschaft für sich zu gewinnen, um Ansehen und Erfolg“. Vielmehr lege er „Zeugnis ab und tritt dann zurück, damit viele die Freude haben, Jesus zu begegnen“.

„Denken wir daran, wie wichtig dies für einen Priester ist, der predigen und zelebrieren soll, nicht aus Selbstgefälligkeit oder Interesse, sondern um andere zu Jesus zu begleiten“, betonte Papst Franziskus. „Denken wir daran, wie wichtig dies für Eltern ist, die ihre Kinder unter vielen Opfern großziehen, sie dann aber auch wieder frei lassen müssen, um ihren eigenen Weg in der Arbeit, in der Ehe, im Leben zu gehen. Es ist gut und richtig, dass die Eltern weiterhin ihre Anwesenheit versichern und ihren Kindern sagen: ‚Wir lassen euch nicht allein‘, aber mit Diskretion, ohne Aufdringlichkeit.“

„Sich von den Bindungen an das eigene Ego zu befreien und zu wissen, wie man zur Seite tritt, hat seinen Preis“, räumte der Pontifex ein. Es sei aber „sehr wichtig“ und „der entscheidende Schritt, um im Geist des Dienens zu wachsen“.

Nach Art einer Gewissenserforschung fragte das Oberhaupt der katholischen Kirche sodann: „Sind wir fähig, anderen Raum zu geben? Ihnen zuzuhören, sie frei zu lassen, sie nicht an uns zu binden und Anerkennung zu fordern? Ziehen wir die anderen zu Jesus oder zu uns selbst? Und darüber hinaus, dem Beispiel des Johannes folgend: Können wir uns darüber freuen, dass Menschen ihren eigenen Weg gehen und ihrer Berufung folgen, auch wenn dies eine gewisse Distanz zu uns mit sich bringt? Freuen wir uns über ihre Leistungen, aufrichtig und ohne Neid?“

Abschließend bat Franziskus die Muttergottes, sie „möge uns helfen, frei von Bindungen zu sein, dem Herrn Platz zu machen und den anderen Raum zu geben“.

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