"Die zwei Päpste": Ein faires Porträt von Benedikt und Franziskus? Kritiker sagen "Nein"

Regisseur Fernando Meirelles spricht mit Jonathan Pryce (rechts) bei den Dreharbeiten zu "Die zwei Päpste"
Foto: Mit freundlicher Genehmigung

Ein neuer Film widmet sich mehreren – frei erfundenen – Treffen zwischen Papst Benedikt XVI und Kardinal Jorge Bergoglio in den Jahren zwischen den Konklaven 2005 und 2013, in denen einmal Benedikt und dann Franziskus zum Papst gewählt wurde.

Benedikt wird von Anthony Hopkins gespielt, und der zukünftige Franziskus von Jonathan Pryce.

Einerseits wird der Film als fiktive Handlung mit Flashbacks dargestellt, der sich aber auch historischer Aufnahmen bedient, um "echt" zu wirken. Zugleich sagte sein Regisseur gegenüber CNA, er stelle sein persönliches Verständnis der Agenda und Werte von Papst Franziskus dar.

Kritiker dagegen sehen in dem Werk eine ideologische Verzerrung der beiden Päpste, die weder Franziskus noch Benedikt XVI. gerecht werde.

"Die krude Darstellung eines Papst Benedikt XVI. als starren Reaktionär und eines zukünftigen Papst Franziskus als reformorientierten Revolutionär hat weniger mit der Wirklichkeit dieser beiden Personen zu tun als mit dem Wunsch des Erzählers nach Konflikt sowie einer ideologischen Präferenz für eine Story über progressive Liberalisierung, die über engstirnigen Traditionalismus triumphiert", so Diakon Steven Greydanus, Filmkritiker und Gründer von decentfilms.com, gegenüber CNA.

Der Ansatz von "Die zwei Päpste", sagte Greydanus, "ist, dass Benedikt alles repräsentiert, was mit der Kirche in der Vergangenheit falsch war, während Franziskus alles ist, was wir für die Kirche von morgen brauchen. Benedikt ist der eitle, ehrgeizige Papst, der von Gott verworfen wird, während Franziskus der bodenständige, befreite Pastor ist, der von Gott auserwählt wird, um uns in die Zukunft zu führen."

"Wir sollten über die Spannung zwischen Korruption und echter Reform sprechen, zwischen Geheimhaltung und Kommunikation, zwischen Privileg und Verantwortlichkeit, zwischen Lagerdenken und Solidarität", fuhr er fort.

"Ein Gegensatz von Konservatismus und Liberalismus ist ein so abgehalfterter und kleinkarierter Ansatz im Umgang mit den sehr ernsten Herausforderungen, vor denen die Kirche heute steht", sagte Greydanus.

Der Regisseur des Films, Fernando Meirelles, räumte gegenüber CNA ein, dass er einen Zwiespalt zwischen Benedikt und Franziskus schaffen wollte.

"Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, war mir klar: Hier hatte ich den guten Papst und dort den schlechten Papst", sagte der Regisseur.

"Ich hatte viel mehr Sympathien für Papst Franziskus, vor allem, weil ich nicht viel über Papst Benedikt wusste."

Auf politischer Ebene, fuhr der Regisseur fort, präsentiere sein Film die "Agenda" des Pontifikats von Papst Franziskus. Dazu gehören, so Meirelles weiter, die Armen, das "Brücken bauen", die "Klimakrise" und die zunehmende wirtschaftliche Ungerechtigkeit.

"Dafür bewundere ich ihn sehr", so der Regisseur.

Aber Gelehrte wie Filmkritiker monieren, dass der Film selbst diesem Anliegen des Regisseurs nicht gerecht wird, weil dessen Verständnis der Anliegen des Papstes grob vereinfachend und unrealistisch sei.

Jorge Milan, Professor für audiovisuelle Kommunikation an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom sagte gegenüber CNA, der Film versuche zu polarisieren zwischen einem "rechten" und "linken" Papst, indem "offensichtlich" Ratzinger als "langweilig, immer sehr streng, manchmal sogar wütend" gezeigt werde, während Franziskus als dynamisch-progressiver und sympathischer Charakter zu sehen sei.

Vor allem Papst Benedikt XVI. werde der Film nicht gerecht mit seiner platten Gegenüberstellung von "guter Papst Franziskus" und "nicht so guter Papst" Benedikt, monierte Enrique Fuster, der auch an der Päpstlichen Universität des Heiligen Kreuzes Kommunikationswissenschaften lehrt.

Damit übertreibe es der Film mit seinen eigenen Klischees, und leiste eine unzureichende Darstellung des Kampfes von Papst Benedikt gegen Missbrauch in der Kirche.

Nur eine kurze Szene im Film behandelt das Thema. Darin ist ein Benedikt XVI. Zu sehen, der Kardinal Bergoglio eine frühere Sünde "beichtet" – so als habe der deutsche Papst von dem sexuellen Missbrauchs überführten Gründers der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado, gewusst, aber entweder nichts unternommen oder zu lange gewartet.

Das ist sowohl "falsch" als auch "ungerecht", so Fuster.

Tatsächlich leitete Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre die kirchenrechtliche Untersuchung von Maciel ein und entfernte ihn 2006 als Papst aus dem Priesteramt – eine der vielen Maßnahmen gegen Missbrauch, die Benedikt ergriff, sowohl vor als auch während seines Pontifikats.

Filmkritiker Greydanus betont, dass Filme dieser Art zwar immer Freiheiten nehmen, was die darstellten Personen betrifft. Ein Drehbuch brauche Konflikte, und Fakten stünden solchen Stories oft im Weg. Auch Überzeichnungen der Persönlichkeiten seien nicht überraschend.

Aber "Die zwei Päpste" überzeichne die Personen und Tatsachen dermaßen, dass letztlich Unwahrheiten entstehen, so der Kritiker.

So wird im Film ein über alle Maßen ambitionierter Kardinal Ratzinger gezeigt, der unbedingt Papst werden wollte. Das entspreche bekanntlich in keiner Weise den Tatsachen, so Greydanus.

Selbst der Autor des Drehbuchs habe in seinem ursprünglichen Werk über "Die zwei Päpste" gezeigt, "dass Papst zu werden das letzte war, was Ratzinger wollte. Er wollte seit einem Jahrzehnt in den Ruhestand und sich der Wissenschaft und Büchern widmen".

Professor Milan stört vor allem die Darstellung eines zornigen, brüllenden Benedikt, der sich entscheidet, vom Papstamt zurückzutreten, nachdem er sich als von Gott getrennt erfährt.

Dieser Kritik stimmt auch Greydanus zu. Wer Ratzinger auch nur einmal gelesen habe, der wisse, wie friedfertig er selbst mit Positionen den Dialog pflegte, die sich diametral gegen seine eigenen richteten. "Die verdrießliche, misstrauische Figur im Film ist eine glanzlose Karikatur, die manchmal durch Hopkins' feinfühlige Schauspielerei akzentuiert wird."

Milan resümierte: "Ich würde nicht sagen, dass ein Katholik sich diesen Film anzusehen braucht".

Der Schauspieler Jonathan Pryce, der Franziskus spielt, sagte gegenüber CNA, dass er die politische Haltung von Papst Franziskus bewundere. "Normalerweise hätte ich ja gesagt, 'will ich wirklich einen Papst spielen?', aber ich wollte diesen Papst mit diesem Drehbuch, mit diesem Regisseur spielen."

Pryce erklärte, er sei als Protestant aufgewachsen.

"Das war der erste Papst, von dem ich dachte, dass er mir politisch zusagte", sagte er. "Offensichtlich auch die religiösen Aspekte, die ich hörte und wahrgenommen habe, aber die waren in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit. Mir gefiel die Vorstellung, dass er ein fortschrittlicher Mensch und Sozialist ist, denn für mich ist der Sozialismus eine Form des Christentums… christliche Lehren sind sozialistische Lehren", sagte Pryce.

Kardinal Peter Turkson, Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, sah den Film bei einer Vorführung am 11. Dezember.

Bei einer Pressekonferenz am darauffolgenden Tag bezeichnete er das Werk als eine "Interpretation", kommentierte dies aber nicht weiter.

Der Schauspieler Pryce habe zwar eine große Ähnlichkeit mit Kardinal Bergoglio und dessen Manierismen gut abgeschaut, so Turkson. Doch Hopkins habe dies mit Papst Benedikt nicht geschafft, weil er ihn als viel zu robust und energisch darstelle.

Der Vatikan selbst hat keine offizielle Stellungnahme zu dem Film abgegeben.

Dieser Artikel ist eine redigierte und gekürzte Übersetzung des englischen Originals.

Das könnte Sie auch interessieren: