Ehemaliger führender Nuntiatur-Beamter: 'Vigano sagt die Wahrheit'

Die Flagge des Vatikanstaates weht vor der Fassade des Petersdoms.
Foto: CNA/Petrik Bohumil
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Der ehemalige erste Berater der Apostolischen Nuntiatur in Washington D.C., Monsignore Jean-François Lantheaume, hat gesagt, dass Erzbischof Carlo Maria Viganò "die Wahrheit" in seiner am 25. August im der Presse veröffentlichten explosiven Erklärung sage.

Das elfseitige Dokument Viganòs — der von 2006 bis 2011 Apostolischer Nuntius in Washington war — erhebt spezifische Vorwürfe gege ältere Bischöfe und Kardinäle: Sie sollen um den Vorwurf sexuellen Fehlverhaltens durch Erzbischof Theodore McCarrick seit mehr als einem Jahrzehnt gewusst haben. Erzbischof Viganò erklärt auch, dass Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 oder 2010 Sanktionen gegen McCarrick verhängt hat. Diese seien denen vergleichbar, "die ihm jetzt von Papst Franziskus auferlegt wurden"; McCarrick sei es unter anderem verboten gewesen, zu reisen und öffentliche Vorträge zu halten.

Dies sei McCarrick in einem "stürmischen" Treffen in der Nuntiatur Washingtons vom damaligen Nuntius Pietro Sambri mitgeteilt worden, so Viganò, der in diesem Zusammenhang erklärt, Msgr. Lantheaume habe ihm nach seiner Ankunft in Washington im Jahr 2011 davon erzählt.

"Monsignore Jean-François Lantheaume, damals erster Berater der Nuntiatur in Washington und Chargé d'Affaires ad interim nach dem unerwarteten Tod von Nuntius Sambi in Baltimore, erzählte mir bei meiner Ankunft in Washington — und er ist bereit, dies zu bezeugen — von einem stürmischen, über eine Stunde dauernden Gespräch, das Nuntius Sambi mit dem einbestellten Kardinal McCarrick führte", so Viganò. "Monsignore Lantheaume sagte mir, ‚man konnte die Stimme des Nuntius auf dem Flur hören'".

CNA kontaktierte Msgr. Lantheaume und bat um ein Interview mit ihm, um die ihm von Erzbischof Viganò zugeschriebene Schilderung zu besprechen. Lantheaume, der mittlerweile aus dem diplomatischen Korps des Vatikans ausgeschieden ist und als Seeelsorger in Frankreich arbeitet, lehnte es ab, ein Interview zu geben, und sagte, er habe nicht die Absicht, weiter darüber zu sprechen.

"Viganò sagte die Wahrheit. Das ist alles", schrieb er CNA.

Der vollständige Text der Erklärung von Viganò nennt zahlreiche hochrangige Kardinäle der letzten drei Pontifikate beim Namen, die um das mutmaßliche Verhalten McCarricks wussten, aber entweder nichts unternahmen oder in einigen Fällen absichtlich handelten, um McCarricks mutmaßliche Verbrechen zu vertuschen.

Der ehemalige Nuntius nennt drei verschiedene Staatssekretäre des Vatikans — die Kardinäle Angelo Sodano, Tarcisio Bertone und Pietro Parolin —, die es versäumt haben sollen, angesichts McCarricks Verhalten einzuschreiten oder in manchen Fällen sogar gezielt die mutmaßlichen Verbrechen McCarricks gedeckt haben sollen.

"Kardinal Pietro Parolin, der jetzige Staatssekretär, war auch an der Vertuschung der Missetaten von McCarrick beteiligt, der sich nach der Wahl von Papst Franziskus offen mit seinen Reisen und Missionen auf verschiedenen Kontinenten brüstete", so Viganò.

Erzbischof Viganò behauptet weiter, dass Papst Franziskus kurz nach seiner Wahl zum Papst im Jahr 2013 die Sanktionen gegen McCarrick aufgehoben habe.

Viganò sagt, dass er McCarrick im Juni 2013 getroffen habe und ihm vom damaligen Kardinal gesagt wurde: "Der Papst hat mich gestern empfangen, morgen fliege ich nach China." Bei einem anschließenden Treffen mit Franziskus sagt Viganò, er habe den Papst auf die lange Liste von Anschuldigungen gegen McCarrick hingewiesen, aber der Pontifex habe nicht geantwortet.

Erzbischof McCarrick soll heute noch immer in der Erzdiözese von Washington, D.C., unter den Maßgaben des "Gebets, der Buße und Abgeschiedenheit" leben, die ihm von Papst Franziskus auferlegt wurden.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original von AC Wimmer.

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