Ehemaliger Priester zieht Geständnis sexuellen Kindesmissbrauchs zurück

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Der ehemalige Priester und überführte Sexualverbrecher Gary B. hat sein Schuldbekenntnis zurückgezogen, nachdem er zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren verurteilt worden war, weil er mindestens drei Jungen sexuell missbraucht hat.

Der Bezirksrichter von Oakland County, Daniel O'Brien, lehnte seine frühere Vereinbarung zur Verurteilung ab, nachdem er die Einzelheiten von B.s Verbrechen erfahren hatte.

Am 21. November 2021 hatte sich Gary B. noch in zwei Fällen sexueller Gewalt "zweiten Grades" und in einem Fall von "grober Unanständigkeit" für schuldig erklärt.

Der Richter war ob der Schwere der Verbrechen des geweihten Geistlichen wie folgt vorgegangen: Er entschied, dass das von der Generalstaatsanwaltschaft von Michigan angebotene Strafmaß von einem Jahr und einem Tag unangemessen ist angesichts der Aussagen der Opfer, die schilderten, was der Priester ihnen angetan hatte.

Richter O'Brien verurteilte Gary B. – der mittlerweile 80 Jahre alt ist – am 11. Januar in einem Urteil zu einer Haftstrafe, deren Dauer zwischen 20 Monaten bis 15 Jahren liegen könnte. 

Wie der verurteilte Sexualverbrecher nun sein Geständnis zurückziehen konnte? Das liegt an der Justiz: In Michigan kann ein Angeklagter ein "Killebrew-Geständnis" ablegen, bei dem es sich im Wesentlichen um ein bedingtes Schuldbekenntnis im Austausch gegen eine mildere Strafe handelt. Dieses Geständnis kann zurückgezogen werden, wenn der Richter den Angeklagten zu einer härteren Strafe als der vereinbarten verurteilt.

Nachdem er die Aussagen der Opfer gehört hatte, entschied O'Brien, dass B. mehr als 366 Tage Gefängnis verdiente. B. zog daraufhin, wie in der Killebrew-Vereinbarung vorgesehen, sein Geständnis zurück.

Bevor er seine Schuldbekenntnisse zurückzog, hatte B. zugegeben, in den Jahren 1976 und 1977 zwei Teenager im Pfarrhaus seiner Gemeinde in Farmington, Michigan, sexuell genötigt zu haben. Er sagte, dass er die beiden Jungen kannte und sie zum Missbrauch "gezwungen" habe.

Weitere Vorwürfe, dene zufolge er als Priester auch den jugendlichen Bruder eines seiner anderen Opfers Anfang der 1970er Jahre in einem Sauna-Klub sexuell belästigte, kommentierte der Mann, indem er behauptete, sich nicht an sein Verhalten erinnern könne. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass es "vielleicht passiert ist".

Der ehemalige Priester der Erzdiözese Detroit, der 1968 geweiht wurde, wurde 2007 aus dem Klerikerstand entlassen. Zuvor war er 1978 wegen des Missbrauchs von zwei Minderjährigen verurteilt worden.

Nachdem B. eine sechsmonatige Haftstrafe verbüßt hatte, wurde er in die Diözese Cleveland versetzt, und konnte offenbar weiter junge Buben belästigen und missbrauchen: Während seines Dienstes in der Diözese Cleveland soll B. mindestens einen weiteren Minderjährigen missbraucht haben und wurde 1983 von einem mutmaßlichen Opfer aus der Erzdiözese Detroit in einem Zivilprozess verklagt.

Im Jahr 1987 wurde er noch einmal versetzt, diesmal in die Diözese Joliet, wo er in einem Exerzitienhaus und als Krankenhausseelsorger arbeitete. Im Jahr 1999 wurde er erneut von einem Opfer aus den 1980er Jahren verklagt.

Erst im Jahr 2002 wurde der Kinderschänder von der Diözese Cleveland aus dem Dienst entfernt.

Die Verbrechen gingen jedoch weiter: B. wurde im September 2020 wegen des Missbrauchs eines Jungen in Farmington verhaftet. Im Juni 2021 wurde er zusätzlich wegen des Missbrauchs eines anderen Jungen in Farmington und des Tatbestands der groben Unzucht angeklagt.

Vor Gericht sagte B., bevor er sein Geständnis zurückzog, dass er während seiner Zeit als Seminarist von einem Priester missbraucht worden sei und dass er "wahrscheinlich nie hätte geweiht werden dürfen".

"Ich war krank von dem, was mir widerfahren ist", sagte er. "Das Opfer wurde zum Täter." B. fügte hinzu, dass er sich wünschte, er wäre tot und dass er für die Heilung der Menschen betet, die er sexuell missbraucht hat.

Die stellvertretende Generalstaatsanwältin Danielle Russo las dem Gericht die Aussagen der Opfer vor. In einer beschrieb ein Mann, was er als eine "Pay to play"-Situation bezeichnete, und sagte, dass B. ihm Geschenke machte, ihn auf Campingausflüge und zu professionellen Sportveranstaltungen mitnahm. B., so das mutmaßliche Opfer, habe ihn gezielt als Messdiener für Messen ausgewählt, bei denen er wusste, dass die Familien ihm Geld geben würden.

Die meisten Jungen, auf die B. es abgesehen hatte, stammten aus finanziell schwachen Familien, heißt es in der Erklärung des Opfers.

Ein mutmaßliches Opfer nannte den Täter "einen Dämon, der sich als Mann Gottes verkleidet hatte".

Gary B. ist weiterhin auf freiem Fuß: Der mutmaßliche Kinderschänder wurde auf Kaution freigelassen und erwartet seinen nächsten Gerichtstermin. Da er seine Geständnisse zurückgezogen hat, kann er nun in zwei weiteren Anklagepunkten wegen sexuellen Fehlverhaltens zweiten Grades und in einem weiteren Anklagepunkt wegen grober Unanständigkeit angeklagt werden. Diese Anklagepunkte waren zuvor im Rahmen der ursprünglichen Vereinbarung über das Schuldbekenntnis fallen gelassen worden.

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.