"Es fehlt die Leidenschaft an Gott": Kardinal Koch über die Lösung der Glaubensnot

Es ist die Frage nach Gott, die auch für jede "Kirchenreform" entscheidend ist: Predigt zum Abschluss des Symposiums der Ratzinger-Schülerkreise in Rom

Kardinal Kurt Koch in Manoppello am 19. Januar 2020
Foto: Alexey Gotovskiy / CNA Deutsch

"Die eigentliche Glaubenskrise, die wir in der heutigen Zeit bis in die Kirche hinein erleben, kann man wohl am besten in der Kurzformel festmachen: 'Religion ja – ein persönlicher Gott nein'. Damit kommt an den Tag, dass sich der seit der europäischen Aufklärung aufgekommene Deismus faktisch im allgemeinen Bewusstsein festgesetzt hat".

Das hat Kardinal Kurt Koch in seiner Predigt in der Eucharistiefeier zum Abschluss des Symposiums der Ratzinger-Schülerkreise am 27. September in Rom gesagt. Den vollen Wortlaut der Predigt lesen Sie hier.

Ein deistisch verstandener Gott ist weder zum Fürchten noch zum Lieben, warnte der prominente Prälat und Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.

"Es fehlt die Leidenschaft an Gott; und darin liegt die tiefste Glaubensnot in der heutigen Zeit".

Was heute in der Kirche wirklich nottut ist die entschiedene Konzentration allen theologischen und pastoralen Bemühens auf die Frage nach Gott, erklärte der Schweizer Kurienkardinal.

"Denn der christliche Glaube ist, wie das Apostolische Credo zeigt, Glaube an Gott oder er ist nicht. Der christliche Glaube ist Bekenntnis zum lebendigen Gott und Leben in seiner Gegenwart; alles Andere folgt daraus".

Die Kirche habe deshalb heute keine wichtigere Aufgabe als die, in den weithin säkularisierten Gesellschaften die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen. 

"Eine Erneuerung des Christusglaubens muss von daher in einer heutigen Kirchenreform den Primat haben", betonte Koch.

Auch heute lebt in einem jeden Menschen, "wenn er ehrlich zu sich selbst ist" – so der Kardinal mit Verweis auf den heiligen Augustinus – "ein nicht anders stillbarer Durst nach dem Unendlichen und damit nach Gott."

Auch und gerade heute muss der christliche Glaube "praktisch werden im Eintreten für den Menschen, den Gott als sein Ebenbild gewollt und geschaffen hat", so Koch.

"Dies ist aber nur möglich, wenn die Kirche ihre Glaubensüberzeugung vertieft, dass Gott ein im Leben der Menschen gegenwärtiger und handelnder Gott ist".

Damit öffne sich freilich nochmals ein Blick in die Abgründe der heutigen Glaubenskrise, die zutiefst eine Krise des Christusglaubens sei: "Denn viele Menschen und selbst Christen lassen sich auch heute zwar durchaus berühren von allen menschlichen und geschichtlichen Dimensionen an Jesus von Nazareth". Ihnen bereite aber das Bekenntnis, dass dieser Jesus der eingeborene Sohn Gottes ist, der als der Auferweckte unter uns lebt und gegenwärtig ist, enorme Mühe.

"Selbst in der Kirche will es heute oft nicht mehr gelingen, im Menschen Jesus das Antlitz des Sohnes Gottes selbst wahrzunehmen und nicht einfach einen – wenn auch hervorragenden und besonders guten – Menschen zu sehen".

Abschliessend erklärte Koch: "Wir können über Gott nicht besser reden als dadurch, dass wir ihn loben und anbeten, dass wir ihm in der Eucharistie zurückschenken, was er uns gegeben hat, dass wir ihn, mit einem Wort, eucharistieren. Bitten wir den Heiligen Geist, dass in seiner Kraft solche Anbetung des lebendigen Gottes in der Feier der Eucharistie geschehen möge". 

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV hat das vollständige Symposium aufgezeichnet:  

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