Analyse: Wachsende Sorge – und schärferer Tonfall – über Forderungen deutscher Bischöfe?

Bischöfe in bei einer Messe im Petersdom
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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Es ist kein Geheimnis: Katholiken in anderen Ländern – darunter nicht wenige Bischöfe – verfolgen mit großem Interesse den "Synodalen Weg" und Äußerungen prominenter deutscher Bischöfe zu Kirche, Lehre und Glaube. Manche Beobachter verfolgen bekanntlich die Entwicklungen auch mit kritischen Augen. Doch seit einiger Zeit verschärft sich im Ausland – auch im Vatikan – offenbar nicht nur die Sorge, sondern auch der Tonfall angesichts der Vorschläge und zunehmend forsch formulierten "Reform"-Forderungen deutscher Bischöfe und Gremien-Vertreter.

So hat der katholische Publizist und Autor George Weigel in einem Beitrag des Magazins "First Things" zu einer "brüderlichen Zurechtweisung" von Bischof Georg Bätzing von Limburg aufgerufen. Die katholische Zeitung "Die Tagespost" hat den Artikel in deutscher Sprache veröffentlicht.

Gleichzeitig meldete diese Woche das US-amerikanische Portal "The Pillar", dass führende Kurienvertreter im Vatikan darauf warteten, dass Papst Franziskus persönlich eine Entscheidung zu vorliegenden Forderungen des "Synodalen Wegs" und deutschen Bischöfen trifft. 

Unter der Überschrift "Das Welt-Episkopat und die deutsche Apostasie" rief Weigel (69) am 10. März die Bischöfe der Weltkirche auf, die alte Praxis der Kirchenväter wiederzubeleben, einander brüderlich zu korrigieren – mit anderen Worten: Den bewährten Brauch der correctio fraterna wieder herzustellen.

"Diese Wiederherstellung ist jetzt erforderlich, da die Kirche in Deutschland tiefer in die Apostasie verfällt - die Verleugnung der Wahrheiten des katholischen Glaubens". Durch diesen Abfall vom Glauben drohe nämlich ein Schisma, so Weigel weiter. Der Publizist beschreibt den "Synodalen Weg" in seinem am 10. März veröffentlichten Aufsatz polemisch als "Prozess, der darauf abzielt, das Glaubensgut in Fragen der Lehre, der kirchlichen Ordnung und des moralischen Lebens wesentlich zu verändern und damit die Intention von Papst Johannes XXIII. für das Zweite Vatikanum zu verraten".

Die bislang veröffentlichten Texte des "Synodalen Wegs" bezeichnet Weigel wörtlich als "nicht nur ein Wortsalat, der von ideologisch verbohrten Akademikern und machtgetriebenen Kirchenbürokraten zusammengebraut wurde". 

"Es ist Apostasie, und zwar Apostasie im Dienste des postmodernen Glaubensbekenntnisses, dass es zwar 'deine Wahrheit' und 'meine Wahrheit' geben mag, aber nichts, was man wirklich als die Wahrheit bezeichnen könnte", warnt Weigel. Der Biograf des heiligen Johannes Paul II. schreibt, dass Bischof Georg Bätzing von Limburg behauptet habe, der deutsche "Synodale Weg" werde anderswo in der Weltkirche mit Begeisterung verfolgt. Wenn überhaupt, dann nur von Anhängern eines  "Katholizismus Light", so Weigel weiter. Es sei daher "zwingend notwendig, dass die Mitbischöfe Bischof Bätzing von der Illusion befreien, dass er, die große Mehrheit des deutschen Episkopats und die aufgeblähte deutsche Kirchenbürokratie die mutigen Pioniere eines tapferen neuen Katholizismus sind". Die erste Verantwortung liege hier beim Bischof von Rom, Papst Franziskus, so der Publizist. Dieser sei aufgerufen, die "deutschen Bischöfe zurückrufen zum 'überlieferten Glauben, der den Heiligen ein für allemal anvertraut ist.' (Judas 1,3)."

Tatsächlich hat Papst Franziskus bereits in seinem Brief an die deutschen Katholiken gewarnt vor der "Versuchung durch den Vater der Lüge und der Trennung, den Meister der Spaltung, der beim Antreiben der Suche nach einem scheinbaren Gut oder einer Antwort auf eine bestimmte Situation letztendlich den Leib des heiligen und treuen Volkes Gottes zerstückelt" (hier der volle Wortlaut).

Die Initiatoren des ursprünglich als "verbindlich" konzipierten "Synodalen Wegs", Kardinal Reinhard Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg, hatten das Schreiben des Papstes damals als "Ermutigung" bezeichnet – und George Weigel hatte bereits damals kritisch deren Ansatz hinterfragt. Mittlerweile hat der Vatikan mit einer Reihe dramatischer Interventionen erklärt, dass der von Marx wiederholt als "verbindlich" beschriebene Prozess kirchenrechtlich unverbindlich ist – und nun als Debatten-Veranstaltung abgehalten wird, wie CNA Deutsch ausführlich berichtete. Was nichts daran ändert, dass der Nachfolger von Kardinal Marx, Bischof Georg Bätzing, den Prozess grosso modo so weiterführt, wie er ursprünglich konzipiert wurde.

Über einen deutschen "Brexit" aus der Kirche sind sowohl im Vatikan als auch in der Weltkirche Bischöfe zunehmend öffentlich besorgt. 

Der Vatikan hat bereits mehrfach interveniert, den Prozess zudem in einer forensischen Analyse als "ekklesiologisch ungültig" bezeichnet. Wie CNA Deutsch bereits 2019 prognostizierte – und Bischof Georg Bätzing mittlerweile öffentlich fordert – sehen die Betreiber des Prozesses darin keine Gefahr eines Schisma, sondern eher eine Zukunftsformel für die ganze Kirche. Ob Papst Franziskus, der mittlerweile zunehmend deutlich den "Synodalen Weg" kritisiert hat, allerdings das auch so sieht – oder im Gegenteil eher eine "Notbremse" zieht, zumindest manche der Forderungen deutscher Bischöfe und Synodentexte kassiert: Das ist noch unklar.

Im Vatikan mehrten sich zumindest dafür die Anzeichen, analysierte das Portal "The Pillar" am 10. März. Eine Quelle aus dem Umfeld der Glaubenskongregation sagte gegenüber dem "Pillar", dass die deutschen Vorschläge für eine "Mahlgemeinschaft" und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im Vatikan "bekannt seien und als unvereinbar mit der Lehre und Disziplin der Kirche angesehen würden". Zum Thema der Interkommunion mit Protestanten habe der "Ökumene-Minister" des Papstes, Kardinal Kurt Koch, bereits mehrfach interveniert.

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