In Nigeria geschieht ein Völkermord, sagt Bischof nach Ermordung von Entwicklungshelfern

Bischof Matthew Kukah
Foto: ACN / James Nicholls
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Die Gewalt durch islamistische Milizen und extremistische Fulani-Hirten gegen Christen in Nigeria stellt einen Völkermord dar. Das hat Bischof Matthew Hassan Kukah aus Sokoto im Nordwesten Nigerias gesagt.

Im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" betonte Kukah, dass auch zahlreiche Muslime der Gewalt zu Opfer fielen. 

Der Bischof äußerte sich zum Mordanschlag auf fünf Entwicklungshelfer im nordnigerianischen Bundesstaat Borno Ende Juli. Die Terrormiliz "Islamic State West African Province" (ISWAP), eine Splittergruppe von Boko Haram, hatte ein Video veröffentlicht, dass die Ermordung der Entwicklungshelfer zeigt. Lokale Berichten zufolge seien drei von ihnen Christen gewesen. Der ISWAP hatte erklärt, das Video solle als Warnung gelten "für all jene, die von Ungläubigen benutzt werden, um Muslime zum Christentum zu bekehren".

 Seit 2015 rund 6000 Christen getötet

Im sogenannten "Middle Belt", der Zentralregion Nigerias, halten derweil die Übergriffe militanter Fulani-Hirten an. Bei den Attacken handelt es sich um eine Mischung aus Landkonflikten aufgrund der klimatischen Veränderungen und religiösen Auseinandersetzungen. Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) hatte laut "Vatican News" im Mai dieses Jahres mitgeteilt, dass in Nigeria seit 2015 rund 6000 Christen getötet worden seien, "vor allem durch Boko Haram und militante Fulani-Hirten, die Terroranschläge gegen christliche Bauern verübt haben". 

Auf die Frage, ob die Tötung von Christen durch Fulani nach internationalem Recht als Völkermord eingeordnet werden könne, sagte Kukah: "Das denke ich, ja." Er wies darauf hin, dass Morde wie diese nicht nur auf Christen eingegrenzt werden dürften. Muslime seien gleichfalls betroffen – oft sogar noch mehr: "Diese Tötungen waren im vorwiegend muslimischen Norden von Nigeria noch weit schlimmer, etwa in den Bundesstaaten Katsina, Sokoto und Zamfara." 

"Versprechungen von USA und Europa im Sande verlaufen"

Bischof Kukah deutete an, dass die nigerianische Regierung am Aufstieg der terroristischen Gruppen Mitverantwortung trage: "Es ist zu befürchten, dass die Regierung diese Gruppen unbeabsichtigt mitfinanziert – vor allem weil sie die Sicherheitsbehörden infiltriert haben. Die Ineffizienz des Militärs hat die Terroristen mutiger gemacht, und es gibt auch Probleme der Komplizenschaft auf verschiedenen Ebenen des Militärs."

Kukah zufolge könne es "überhaupt keine Diskussion darüber" geben, dass Nigeria ein sogenannter "failed state" sei – ein gescheiterter Staat, der seine grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen könne. "Nigeria lässt seine Leute im Stich. Aber die Ölfirmen machen auch noch Gewinne mit dem, was vom Land übrig ist." Der Bischof kritisierte auch die westlichen Staaten. Sie hätten keine weiteren Anstrengungen unternommen, um Nigeria zu helfen: "Wir hören Versprechungen von den USA und Europa, doch sie verlaufen alle im Sande."

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