Indonesien: Katholischer Christ wegen "Blasphemie" in Polizei-Gewahrsam

Eine katholische Kirche in Rantepao, Süd-Sulawesi, Indonesien
Foto: Sergey / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Weil er in den Sozialen Medien den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt haben soll ist ein 70 Jahre alter Katholik in Indonesien von der Polizei "zu seiner eigenen Sicherheit" in Gewahrsam genommen worden, nachdem ihn ein wütender Mob bestrafen wollte. 

Das berichtet "UCA News".

Apollinaris Darmawan aus Bandung (Provinz West Java) habe beleidigende Aussagen auf Twitter und ein islamkritisches Video auf YouTube veröffentlicht, so der Vorwurf. 

Die Äußerungen erregten den Zorn der örtlichen Muslime auf sich, die am 8. August sein Haus stürmten, ihn auf die Straße zerrten und ihm die Kleider auszogen, bevor die Polizei eingriff und in Gewahrsam nahm.
"Er wird zu seiner eigenen Sicherheit in Gewahrsam gehalten", sagte Galih Indragiri, Leiter der örtlichen Kriminalpolizei, laut UCA News.

Darmawan war Muslim, konvertierte aber mit seiner Familie zum Katholizismus. Im Jahr 2015 wurde er wegen Beleidigung des Islam zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und im März dieses Jahres freigelassen.

Blasphemie-Gesetze in Indonesien

Indonesien ist die weltweit größte Nation mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Neben den 87 Prozent der Bevölkerung, die Muslime sind, sind 10 Prozent der Einwohner Christen und 2 Prozent Hindu. Aufgrund der auch in Indonesien zunehmenden Radikalisierung vieler Muslime kommt es Beobachtern zufolge zunehmend zu Diskriminierung gegen "Andersgläubige" und zu tätlichen Angriffen auf religiöse Minderheiten.

Die Verfassung des Landes beruft sich offiziell auf den "Glauben an den einen und einzigen Gott" und garantiert Religionsfreiheit, aber Menschenrechtler kritisieren die strengen Blasphemiegesetze, die im Strafgesetzbuch verankert sind. Fast alle Verfahren wegen "Blasphemie" in Indonesien führten zu einem Schuldspruch.

Auch Basuki Tjahaja Purnama, ein Christ und ehemaliger Gouverneur von Jakarta, verbüßte im Januar 2019 eine zweijährige Haftstrafe wegen "Beleidigung des Qurans".

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