Kardinal Burke: Wir befinden uns in einer schweren Krise, die das Herz der Kirche trifft

Kardinal Raymond Burke beim Marsch für das Leben in Rom am 10. Mai 2015
Foto: CNA Deutsch / Martha Calderon
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Kardinal Raymond Burke hat gesagt, dass sich die katholische Kirche aufgrund des "schweren Versagens" einiger Bischöfe in einer "sehr schweren Krise" befindet.

Die Skandale um sexuellen Missbrauch und Vertuschung durch Priester und Bischöfe sind "ein schwerer Vertrauensverlust in unsere Hirten", so Burke weiter.

"Wir befinden uns in einer sehr schweren Krise, die das Herz der Kirche trifft, denn unser lieber Herrgott handelt im Namen der Herde durch jene Hirten, die dazu bestimmt sind, in Seiner Person zu handeln, zu lehren, die Sakramente zu feiern und die Kirche zu leiten", sagte Burke in einem Interview mit Raymond Arroyo in der EWTN-Sendung "World Over" am 16. August.

Kardinal Burke, 70, ist unter anderem emeritierter Präfekt der Apostolischen Signatur und kehrte kürzlich nach einem fast einmonatigen Besuch in den Vereinigten Staaten nach Rom zurück. Er habe "noch nie so viel Wut, so viel Enttäuschung, so viel Frustration von guten, katholischen Gläubigen" gehört wie während dieses Besuchs in den USA, so Burke.

"Wir haben es hier mit schwersten Sünden zu tun. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit darauf lenken und das tun, was für alle Beteiligten gerecht ist."

Der Kirchenrechtler und Kardinal betonte: "Für den Bischof, der in diesem Bereich schmerzlich versagt hat, sind die Strafrechtsmittel der Kirche auch Sühnemittel für sein Wohl". Als Hirte sei das Wohl der Herde seine Verantwortung.

Burke weiter: "Dass ein Bischof die Herde ausnutzt und Todsünden begeht: Das ist einfach inakzeptabel und muss aufhören".

Der einzige Weg, wie dieses Vertrauen wiederhergestellt werden kann, sei "der ganzen Sache auf den Grund zu gehen und für die Zukunft sicherzustellen, dass dies nicht geschieht", unterstrich Burke: "Dies fällt in die Verantwortung des Heiligen Vaters".

Rolle des Papstes

Dem Papst sei aufgetragen, Anschuldigungen gegen einen Bischof entgegenzunehmen und diese zu untersuchen, betonte er. Dafür sei nicht die Bischofskonferenz verantwortlich, so der Kardinal. 

Der Kanoniker erinnerte daran, dass im Kirchenrecht seit Jahrhunderten bereits Instrumente für den Umgang mit diesen Fällen zur Verfügung stünden. 

Das Problem? "Sie sind einfach, besonders in jüngster Zeit, nicht bekannt und wurden nicht befolgt", so Burke.

"Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten befindet sich möglicherweise in einer der schlimmsten Krisen, die sie je erlebt hat", sagte Burke. "Es muss anerkannt werden, und es muss in einer gründlichen Weise damit umgegangen werden, die dem moralischen Gesetz der Kirche, der Kirche selbst und dem Amt der Bischöfe treu ist."

Burke sagte auch, daß der Untersuchungsbericht der Grand Jury in Pennsylvania sehr sorgfältig ausgewertet werden müsse.

"Es ist einfach eine Angelegenheit, die vernünftig und wahrheitsgetreu angepackt werden muss. Wenn wir feststellen, dass entsprechende Maßnahmen nicht ergriffen wurden, muss der jeweilige Bischof korrigiert werden".

Wo sich herausstelle, dass ein Bischof "sehr schwer gescheitert" sei, so Burke, müsse dieser "einfach entfernt werden".

"Was wir jetzt in der Kirche sehen, zum schweren Schaden so vieler Seelen und wirklich auch zum Skandal der Welt im Allgemeinen, ist, dass die Kirche, die ein Leuchtfeuer des Lichts sein sollte, in eine solche Krise verwickelt ist".

Kardinal Burke sprach auch über die Frage, welche Rolle die Apostasie - der Abfall vom Glauben - letztlich als Ursache für den Missbrauch spielt, aber auch weit darüber hinaus für die Krise der Kirche.

"Ich denke, wir müssen einen Abfall vom Glauben konstatieren. Ich glaube, dass es eine praktische Apostasie in Bezug auf alle Fragen der menschlichen Sexualität gegeben hat; diese beginnt vor allem mit der Vorstellung, dass es legitime sexuelle Aktivitäten außerhalb der Ehe geben kann, was natürlich falsch, völlig falsch ist".

Seines Erachtens sei der Teufel sehr aktiv, so Kardinal Burke, "nicht nur mit Blick auf diese Krise, über die wir hier sprechen, sondern auch mit Blick auf eine Reihe anderer Situationen in der Kirche".

Nun gehe es darum, wirklich alles zu tun, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen und Gerechtigkeit in der Kirche wieder herzustellen - "aber gleichzeitig müssen wir alle immer inniger für die Kirche beten, und fasten, und andere Opfer zum Wohle der Kirche bringen. Wir brauchen wirklich ernsthafte Wiedergutmachungen für das Leid, das den Gläubigen, der Herde unseres Herrn, zugefügt wurde, und das ist unsere Verantwortung", so Burke.

"Ich kann jeden nur auffordern, sich unserem lieben Herrgott, der uns führt und leitet, anzuvertrauen. Er wird uns nie im Stich lassen."

Übersetzt aus dem Englischen von AC Wimmer.

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