Kardinal Kasper und der Papstbrief an die Katholiken in Deutschland

Kardinal Walter Kasper
Foto: CNA / Bohumil Petrik
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Nicht erst seit den Spannungen über den "verbindlichen Synodalen Weg" hat der Brief von Papst Franziskus an die Katholiken in Deutschland großes Aufsehen erregt.

Kräftig wurde spekuliert: Hat der vielbeschäftigte Papst persönlich das ungewöhnliche, mehrseitige Schreiben – adressiert an das "pilgernde Gottesvolk in Deutschland" – verfasst? Wer half ihm dabei? 

Laut Recherchen von Lucas Wiegelmann von der "Herder Korrespondenz" hat sich Franziskus vor dem Schreiben des Briefs sowohl telefonisch als auch persönlich mit Kardinal Walter Kasper "über die Situation in Deutschland" ausgetauscht. 

Der Kardinal habe sich "gelinde gesagt erstaunt" gezeigt, berichtet die "Herder Korrespondenz" weiter, wie das Papstschreiben danach in Deutschland aufgenommen wurde.

"In Deutschland hat man den Brief des Papstes zwar viel gelobt, ihn dann aber zur Seite gelegt und weitergemacht, wie schon zuvor geplant", wird Kasper zitiert. "Doch ohne Erneuerung aus dem Glauben gehen alle noch so gut gemeinten strukturellen Reformen ins Leere."

Der Initiator des Briefs – so Wiegelmanns Recherche – sei jedoch nicht Kasper gewesen.

Es sei vielmehr die Sorge führender Köpfe der Kurie über den Kurs der Bischöfe in Deutschland, die dazu geführt habe, dass sich führende Kardinäle in gemeinsamer Absprache an den Papst wandten:

"Der Brief ist das Ergebnis eines langen Nachdenkens innerhalb der Kurie, wie man die Deutschen am besten wieder auf die Einheit mit Rom verpflichten könnte."

Sowohl der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Oeullet, als auch die Leiter des Staatssekretariates und der Glaubenskongregation, die Kardinäle Pietro Parolin und Luis Ladaria, seien beteiligt gewesen.

Franziskus habe den Brief dann persönlich in spanischer Sprache aufgesetzt und übersetzen lassen.

Als Kardinal Reinhard Marx und seine Unterstützer sich dann jedoch entschieden, in der Öffentlichkeit den Brief als "Ermutigung" auf dem bereits eingeschlagenen Weg zu bezeichnen, kam Klartext aus der Kurie: Wie CNA Deutsch berichtete, schrieb Ouellet an Marx, sein Vorhaben sei "ekklesiologisch ungültig" und nicht mit dem Kirchenrecht vereinbar.

Herder-Korrespondent Wiegelmann weiter: "Dass ein solcher zweiter Brief ohne Zustimmung von Franziskus und ohne Absprache mit den anderen Kurienbehörden verschickt wird, ist mit Blick auf die oben rekonstruierte Genese des Papstbriefes an die Deutschen, an der Ouellet beteiligt war, schwer vorstellbar."

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