Kardinal Schönborn über Corona-Krise: "Kirchliche Maßnahmen kein Kniefall vor Regierung"

Weitere Lockerungen ab 29. Mai in Aussicht

Kardinal Christoph Schönborn OP im Pressesaal des Vatikans am 24. Oktober 2015.
Foto: CNA/Daniel Ibanez

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, hat die kirchlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verteidigt.

In einem Interview mit der österreichischen Nachrichtenagentur "Kathpress" sagte der Wiener Erzbischof, dass die Reaktion der Kirche "kein Kniefall vor der Regierung" gewesen sei, sondern Ausdruck der "gemeinsamen Verantwortung für das Wohl unseres Landes".

Wie CNA Deutsch berichtete, sind in Österreich seit dem 15. Mai 2020 wieder öffentliche Gottesdienste möglich - allerdings unter Auflagen. Demnach müssen Gläubige den Mindestabstand von zwei Metern einhalten und einen Nasen-Mund-Schutz tragen.

Damit ausreichender Schutz gewährleistet sei, mussten nach den Regelungen bislang insgesamt 10 Quadratmeter der Gesamtfläche des Gottesdienstrauems pro Person zur Verfügung stehen. Diese Maßnahmen sollen nun weiter gelockert werden, wie die Bischofskonferenz am Donnerstag mitteilte.

So soll bereits ab dem 29. Mai die 10-Quadratmeter-Regelung wegfallen. An kirchlichen Trauungen, bei denen die Teilnehmerzahl die bisher auf den "engsten Familienkreis" beschränkt war, dürfen nun bis zu 100 Personen teilnehmen. Diesselbe Regelung gilt auch bei Bestattungen.

"Es gibt natürlich Gruppen, die finden, die Maßnahmen waren übertrieben, es war alles nicht so schlimm, es hätte alles nicht so drastisch zurückgefahren werden müssen", zitiert "Kathpress" den scheidenden ÖBK-Vorsitzenden.

Diese Vorwürfe entsprächen jedoch nicht dem "Geist der Dankbarkeit und auch nicht der Achtsamkeit und der Wertschätzung", so Schönborn. Insgesamt zeigt sich die Bischofskonferenz jedoch selbstkritisch. In einem gemeinsamen Hirtenwort zu Pfingsten bekräftigten Österreichs Bischöfe den Wunsch nach "konstruktive politische Debatten" und brachten ihre Sorge zum Ausdruck, dass es neue Versuche gebe, die Sterbehilfe gesellschaftsfähig zu machen. Die Wucht der Corona-Pandemie habe die Kirche zunächst "überrascht und überfordert".

Auch Pater Karl Wallner OCist, Nationaldirektor des päpstlichen Missionswerks Missio in Österreich, verteidigte die kirchlichen Schutzkonzepte. Im Exklusiv-Interview mit CNA Deutsch beklagte Wallner Ende April unter anderem, dass ein falsches Verständnis der Sakramententheologie dazu führe, dass manche Gläubige die Sakramente als "magische Zaubermittel" auffassten.

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