Kardinal Woelki warnt vor Verzerrung des Wortes Gottes beim "Synodalen Weg"

"Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen. Ich bin nicht bereit, das gegen die lebendige Überlieferung der Kirche zu tun", warnt der Kölner Erzbischof bei Tagung der Ratzinger-Schülerkreise in Rom

Kardinal Rainer Maria Woelki
Foto: Erzbistum Köln

Der "Synodale Weg" scheint in seinen Texten "ganz bewusst auf die Weihe von Frauen vorbereiten zu wollen" – sowie auf eine Reihe weiterer Dinge. Das hat Kardinal Rainer Maria Woelki beim Treffen der Ratzinger-Schülerkreise in Rom gesagt.

Er sei gerne bereit, sich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen. Er sei aber nicht bereit, das gegen die lebendige Überlieferung der Kirche zu tun: "Das verzerrt das Wort Gottes", so der Erzbischof von Köln am vergangenen Samstag.

Befindlichkeit ist keine Offenbarung


Wenn es den selbst-ernannten Reformern des "Synodalen Wegs" nicht gelingen sollte, eine Weihe von Frauen zu Priestern einzuführen, werde man versuchen, "neue Ämter" zu schaffen, so der Kölner Erzbischof, aber "nicht, weil man konkrete 'Bedarfe' anführen könnte": Vielmehr gehe es um Befindlichkeiten.

Wie aber kann es dazu kommen, dass man "Befindlichkeiten" oder "Lebenswirklichkeiten" als "Wahrheiten" oder gar Offenbarung beschreiben kann, mittels derer dann die Lehre der Kirche geändert werden könnte?

Dieser Frage ging der Kardinal in seinem Referat "Offenbarung im Spannungsfeld von Wahrheitsvorgaben und Lebenswirklichkeiten" nach. Woelki spürte dabei auch dem Grund der Krise um Wahrheit in der Gegenwart nach und der Vernunft der katholischen Wahrheit.

Sicherlich müssten Debatten über die heutige "Lebenswirklichkeit" Antworten anbieten, so Woelki mit Blick auf den "Synodalen Weg". Sie dürften aber nicht als "Vehikel" instrumentalisiert werden, warnte der Würdenträger.

"Ich möchte auch daran erinnern, dass die ursprüngliche Lebenswirklichkeit, die zum synodalen Weg führte, der Glaubwürdigkeitsverlust der Frohen Botschaft und der Kirche durch den sexuellen Missbrauch durch Kleriker war".

Wenn diesem Problem "nur ein marginaler Absatz gewidmet ist, kann ich den Verdacht nicht verschweigen, dass diese Lebenswirklichkeit nur ein Vehikel zu sein scheint, um lang gehegte Wünsche wahr werden zu lassen", so der Kardinal.

Vielleicht sei "die Antwort auf viele Fragen, die unseren Lebenswirklichkeiten entspringen: dass unsere Lebenswirklichkeiten viel mehr vom Wort Gottes geprägt sein sollte als unser Verständnis vom Wort Gottes von unserer Lebenswirklichkeit."

Wahrheit und Offenbarung


"Betrachtet man das historische Faktum der Christenverfolgungen, scheint es aber manchmal, dass die Wahrheit unseres Glaubens als Bedrohung empfunden wird. Es ist absurd, doch die Botschaft der Liebe Gottes zum Menschen und die Berufung des Menschen zur Liebe scheinen etwas Anstößiges zu haben. Wir sind es daher schon fast gewöhnt, dass die Wahrheit der Offenbarung angezweifelt wird – auf allen möglichen Ebenen", so Woelki.

Mittlerweile sei sogar ein Festhalten an einer objektiven Vernunft anstößig geworden: "Man fokussiert auf das Subjektive, Geschichtliche, Zufällige und betont die Unmöglichkeit, ewige Wahrheit zu erkennen", sagte Woelki am 26. September.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass die Kirche in einer derartigen Krise steckt, was die christliche Offenbarung und den Wahrheitsbegriff betrifft, wenn die weltliche Gesellschaft gerade dieser so dringend bedarf? Dieser zentralen Frage – auf die auch Kardinal Koch in seiner aufrüttelnden Predigt zum Abschluss der Tagung eine Antwort hatte – stellte sich der Kardinal in seinen Überlegungen anhand der dafür relevanten Texte der Kirche, darunter Fides et Ratio von Papst St. Johannes Paul II., aber auch der Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Schreibens Verbum Domini von Papst Benedikt XVI.

Mit Blick auf die Apostolische Konstitution Dei Verbum des Zweiten Vatikanischen Konzils erklärte Woelki, diese habe "tatsächlich Epochales" erreicht als Bekenntnisdokument: "Offenbarung in ihrem Wesen als Dialog mit Gott, der sich selbst mitteilt, und im heilsgeschichtlichen Kontext dargestellt zeigt umso mehr ihre große existentielle Bedeutung". 

Woelki schloss seinen Vortrag mit deutlichen Worten: "Ich möchte deshalb noch einmal betonen: Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen. Ich bin nicht bereit, das gegen die lebendige Überlieferung der Kirche zu tun. Das verzerrt das Wort Gottes. Das macht den Dialog mit Gott unmöglich, der uns zu unserem eigentlichen Glück und zu wahrer Freude führen soll. Das versperrt den Weg zur Gemeinschaft mit ihm, die uns zu dem Menschen macht, der wir eigentlich sein sollen und wollen".

"Vielleicht also ist die Antwort auf viele Fragen, die unseren Lebenswirklichkeiten entspringen: dass unsere Lebenswirklichkeiten viel mehr vom Wort Gottes geprägt sein sollte als unser Verständnis vom Wort Gottes von unserer Lebenswirklichkeit."

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV hat das vollständige Symposium aufgezeichnet:

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Letzte Aktualisierung: 16:33 Uhr mit Korrektur der Schreiben und Verlinkung zu den Dokumenten.