Kardinal Woelki wünscht "konstruktive und kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist"

Kardinal Rainer Maria Woelki an der KU Eichstätt-Ingolstadt, 7. Mai 2022
Foto: Daniela Leiter
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Kardinal Rainer Maria Woelki hat bei einer Tagung zu katholischer Bildung aus biblischer Perspektive betont, theologische Hochschulen seien "Zentren der wissenschaftlichen Erforschung der Sophia, des christlichen Glaubens, der Frage nach Gott und des Dialogs von Glaube und Vernunft".

Es brauche eine Theologie, die "Ansprechpartner" für die Herausforderungen der heutigen Zeit ist, sagte Woelki am Samstag an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. "Eine Theologie nicht im Elfenbeinturm, sondern eine, die bei den fachfremden Inhalten so auf 'Flughöhe' mit den Gesprächspartnern ist, dass eine Zusammenarbeit möglich wird und die dann ihre Expertise dazu beisteuert, Lösungen zu finden für Fragen, die so noch nie gestellt wurden. "

Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie, die sich seit wenigen Jahren in Köln befindet, sei vor dem Hintergrund zu sehen, dass Theologie "eine große Strahlkraft" entwickeln müsse. So könne sie "wieder in den Feuilletons, aber auch in den Gesprächen der Menschen" einen breiten Raum einnehmen und letztlich zu einer "Evangelisierung" führen und Menschen davon überzeugen, "dass Gott mit uns und bei uns ist".

Woelki beklagt "eher utilitaristisch ausgerichteten" Bildungsbegriff

"Wir sehen uns einer Reduktion der Vernunft, der Ratio, auf den instrumentellen Aspekt gegenüber – einer Fragmentierung des Wissens ohne eine grundlegende Orientierung, wie sie die Weisheit mit ihrem Bezug auf eine von Gott gegebene, zum gelingenden, frohmachenden Leben anleitende Ordnung bietet", beklagte Woelki in seinem Vortrag.

"All dies scheint mir nicht nur zur Krise in der Gesellschaft, mit überschießendem Individualismus, zunehmendem Populismus, und eben auch einem eher utilitaristisch ausgerichteten Bildungs- und Wissenschaftsbegriff, sondern auch zur derzeitigen Krise des Glaubens beizutragen", so der Kölner Erzbischof weiter.

Weisungen der Päpste

Er wünsche sich "eine konstruktive und kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist – ohne weltfremd bzw. nörglerisch oder moralinsauer zu werden, aber auch ohne dessen Postulate unhinterfragt zu übernehmen", erklärte Woelki und verwies auf Papst Franziskus sowie auf Papst Johannes Paul II.

Franziskus habe in der Apostolischen Konstitution Veritatis gaudium von 2017 "die Ausrichtung der kirchlichen Studieneinrichtungen und ihres akademischen Wirkens am Evangelium" gefordert. Außerdem verlange der Papst "eine innere Haltung, sich mit Freude mit der Frage nach der Wahrheit auseinanderzusetzen und ihre Bedeutung auf allen wissenschaftlichen Gebieten zu ergründen, um auf diese Weise eine wahre 'Kultur der Begegnung' zu fördern".

Auch Johannes Paul II. sei es 1979 in der Apostolischen Konstitution Sapientia christiana ein Anliegen gewesen, kirchliche Hochschulen als "Zentren der Weisheit und Lehre" zu sehen, welche "die Kirche in ihrer Heilssendung und ihrem Auftrag" unterstützen.

"Neben der gründlichen Erforschung der Theologie sollten die kirchlichen Universitäten und Fakultäten das Gespräch mit den getrennten Brüdern und sogar Nichtchristen suchen, zeitgenössische Fragen vor dem Hintergrund der geoffenbarten Wahrheit und des christlichen Glaubens reflektieren und mit den Fachleuten der anderen wissenschaftlichen Disziplinen in Verbindung bleiben", so Woelki über das Dokument.

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