Kirchenkrise: Vatikan fordert Bischöfe auf, vor Treffen im Februar mit Opfern zu sprechen

Auch Fragebögen verschickt – Organisatoren warnen: Die Glaubwürdigkeit der Kirche steht auf dem Spiel, und damit auch ihre Fähigkeit, den Auftrag der Verkündigung zu leisten

Blick auf die Fassade des Petersdoms
Foto: Petrik Bohumil / CNA Deutsch
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Die Organisatoren der Februar-Sitzung des Vatikans zum Thema sexueller Missbrauch haben einen Brief an die teilnehmenden Bischöfe geschickt, in dem sie diese auffordern, sich vor dem Krisengipfel mit Missbrauchsopfern zu treffen.

Die Bischöfe erhalten auch einen Fragebogen, den sie ausfüllen und bis Mitte Januar zurückschicken sollen.

"Wir fordern jeden Bischofskonferenz-Vorsitzenden auf, vor dem Treffen in Rom mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kleriker in Ihren jeweiligen Ländern Kontakt aufzunehmen und diese zu besuchen, um aus erster Hand das Leiden zu erfahren, das sie erlitten haben", heißt es in dem Schreiben.

Die Glaubwürdigkeit der Kirche im Ausüben ihrer Mission – der Verkündung des Evangeliums – stehe auf dem Spiel, mahnt der Brief die Bischöfe.

"Ohne eine umfassende und gemeinschaftliche Antwort werden wir es nicht nur nicht schaffen, den Opfern der Opfer Heilung zu bringen, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Kirche, die Mission Christi weiterzuführen, wird auf der ganzen Welt in Gefahr sein".

Der erste Schritt müsse darin bestehen, sich der Wahrheit dessen zu stellen, was geschehen ist und die Kirchenkrise ausgelöst hat: Sexuelles Fehlverhalten, sexuelle Gewalt, Missbrauch, Vertuschung und Verschweigen.

Das Treffen, das vom 21. bis 24. Februar 2019 stattfinden wird, soll sich auf den Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche konzentrieren. Der Papst hat dazu die Vorsitzenden der weltweiten Bischofskonferenzen und die Oberhäupter der ostkatholischen Kirchen eingeladen – in manchen Fällen jedoch auch andere Würdenträger, wie CNA Deutsch berichtete.

Fragebögen und "kollegiale Zusammenarbeit"

Die Bischöfe wurden auch gebeten, bis zum 15. Januar einen dem Schreiben beigefügten Fragebogen auszufüllen. Dieser diene der internen Vorbereitung, heißt es, und soll freie Meinungsäußerung "konstruktiv und kritisch" erleichtern sowie ein vollständiges Bild der aktuellen Situation vermitteln.

Der Brief drückt auch den Dank von Papst Franziskus aus. Der Pontifex sei überzeugt, dass "kollegiale Zusammenarbeit" den Gipfel-Teilnehmern helfen werde, die Herausforderungen anzupacken, vor denen die Kirche stehe.

Der Brief schließt mit einem weiteren Appell: Dass ein "jeder von uns diese Herausforderung annehmen muss, indem er in Solidarität, Demut und Buße" gemeinsam mit den anderen versuche, "den entstandenen Schaden zu beheben".

Dies sei nur möglich durch Einhaltung der Rechenschaftspflicht und eine "gemeinsame Verpflichtung zur Transparenz", welche "alle in der Kirche zur Verantwortung zieht".

Unterschrieben hat den Brief das Organisationskomitee des Gipfels, das Papst Franziskus im November persönlich ausgewählt hat:

  • Kardinal Blase Cupich von Chicago (USA),
  • Kardinal Oswald Gracias von Bombay (Indien),
  • Erzbischof Charles Scicluna von Malta,
  • und der bayerische Jesuitenpater Hans Zollner.

In einer Mitteilung des Vatikans heißt es, dass das Organisationskomitee "stete Fortschritte bei der Vorbereitung" des Krisengipfels mache, der sich auf die Themen "Rechenschaftspflicht, Verantwortlichkeit und Transparenz" – auf Englisch responsibility, accountability, and transparency – konzentrieren werde.

Bischöfe mit Opfern zu treffen, bedeutet "dem Beispiel von Papst Franziskus zu folgen", heißt es in der Erklärung. "Solche persönlichen Begegnungen sind ein konkreter Weg, um sicherzustellen, dass Überlebende von Opfern von Büromissbrauch bei der Februar-Versammlung in erster Linie in den Köpfen von allen sind."

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