Nach der Freilassung von drei weiteren Geiseln in Haiti: Gruppe ruft zum Gebet auf

Wiederaufbauprojekt in Haiti
Foto: Christian Aid Ministries

Drei weitere Geiseln einer christlichen Gruppe sind in Haiti freigelassen worden. Damit befinden sich noch 12 Personen in der Gewalt der "400 Mawozo Gang". Die kriminelle Bande hatte zuvor eine Gruppe von 10 Katholiken, darunter Priester und Ordensleute, entführt und später freigelassen.

"Wir sind Gott dankbar, dass gestern Abend drei weitere Geiseln freigelassen wurden. Die Freigelassenen sind in Sicherheit und scheinen guter Dinge zu sein", so die in Ohio (USA) ansässige Organisation Christian Aid Ministries in einer Erklärung vom 6. Dezember. Die Gruppe sagte, sie sei nicht in der Lage, die Namen der Freigelassenen oder andere Einzelheiten zu nennen.

Siebzehn Missionare und Familienmitglieder von Christian Aid Ministries wurden am 16. Oktober von "400 Mawozo" entführt, als sie in einem Waisenhaus in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince arbeiteten.

"Wie am Freitag angekündigt, möchten wir uns in den nächsten drei Tagen auf das Gebet und Fasten für die Geiseln konzentrieren", so die christliche Gruppe. "Bitte legen Sie weiterhin Fürbitte für die Geiseln ein, die immer noch festgehalten werden, aber auch für diejenigen, die bereits freigelassen wurden. Wir sehnen uns danach, dass alle Geiseln wieder mit ihren Angehörigen vereint werden".

Das Alter der ersten Gruppe von Geiseln reichte von 8 Monaten bis 48 Jahren. Von den 17 Geiseln waren 16 amerikanische Staatsbürger und eine war Kanadierin. Die Missionare stammen aus amischen, mennonitischen und anderen täuferischen Gemeinden in Wisconsin, Ohio, Michigan, Tennessee, Pennsylvania, Oregon und der kanadischen Provinz Ontario.

Am 21. November gab Christian Aid Ministries die Freilassung von zwei der Gefangenen bekannt.

Der Rädelsführer hinter den Entführungen, der Bandenführer Wilson Joseph, hatte zunächst in einem im Oktober online gestellten Video gedroht, die Geiseln zu töten, wenn er seine Forderungen nicht erhalte. Die Bande hatte für jede Geisel ein Lösegeld von 1 Million Dollar gefordert. Es war nicht klar, ob dieses Lösegeld auch für die fünf Kinder galt, berichtete die Associated Press.

Andere Beobachter sahen in dieser Forderung eine Chance für Verhandlungen, so die New York Times. Es ist nicht klar, ob bisher Lösegeld gezahlt wurde.

Die "400 Mawozo Gang" ist dieselbe kriminelle Bande, die auch für die Entführung von 10 Katholiken, darunter Priester und Nonnen, im April 2021 verantwortlich ist. Alle im April Entführten wurden nach einigen Wochen wieder freigelassen. Einem haitianischen Beamten zufolge wurde nur für zwei der entführten Priester Lösegeld gezahlt.

Christian Aid Ministries sagt auf seiner Website, es wolle "ein vertrauenswürdiger und effizienter Kanal für amische, mennonitische und andere konservative täuferische Gruppen und Einzelpersonen sein, um physische und geistliche Bedürfnisse in der ganzen Welt zu erfüllen". Sie unterstützt Hilfs- und Armutsbekämpfungsmaßnahmen in Ländern wie Haiti und Kasachstan, fördert aber auch die Evangelisation durch Plakate in den Vereinigten Staaten und wirbt für die Unterstützung von Wehrdienstverweigerern im Falle einer Einberufung zum US-Militär.

Die Entführungen fallen in eine Zeit, in der Haiti eine schwere politische und wirtschaftliche Krise erlebt. Der haitianische Präsident Jovenel Moïse wurde im Juli ermordet, und bei einem Erdbeben der Stärke 7,2 kamen Mitte August 2.200 Menschen ums Leben. Wie die Associated Press berichtet, leidet das Land außerdem unter einer großen Treibstoffknappheit. Port-au-Prince hat eine Welle von Entführungen und den Aufstieg krimineller Banden erlebt, und es drohen weitere Bandenkonflikte.

Am 5. Dezember hat ein Bandenführer, Ti Lapli, eine Videobotschaft veröffentlicht, in der er die Menschen davor warnt, den Stadtteil Martissant der Hauptstadt zu durchqueren, ein Gebiet, in dem es bereits zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Banden gekommen ist. Ti Lapli sagte, die Einwohner von Martissant sollten sich mit Vorräten eindecken.

"Die nächsten Tage werden schwierig... Wir werden nicht mit verschränkten Armen vor denen stehen, die versuchen, uns zu zerstören", sagte er laut Associated Press.

Im April warnte die katholische Erzdiözese von Port-au-Prince, dass die Bandengewalt ein "noch nie dagewesenes" Ausmaß erreicht habe. Im September wurde der 70-jährige Priester Pater André Sylvestre vor einer Bank von mehreren Bewaffneten auf Motorrädern erschossen. Das Geld, das er bei sich trug, nahmen die Schützen nicht mit.

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.