Nordische Bischofskonferenz ermahnt Bischof Bätzing: "Machen uns Sorgen"

Der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius beim Konsistorium im Petersdom am 28. Juni 2017
Foto: CNA Deutsch / Daniel Ibanez
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In einem offenen Brief an den deutschen Bischofskonferenz-Vorsitzenden Georg Bätzing haben die Mitglieder der nordischen Bischofskonferenz geschlossen Kritik an dem von der deutschen Bischofskonferenz eingeschlagenen "Synodalen Weg" geübt.

"Wir machen uns (...) Sorgen um die Richtung, die Methodik und den Inhalt des synodalen Weges der Kirche in Deutschland", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben (hier im Volltext).

Die nordische Bischofskonferenz setzt sich aus den katholischen Bischöfen der fünf nordischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden zusammen.

Neben Kardinal Anders Arborelius von Stockholm gehören Bischof Czeslaw Kozon von Kopenhagen, Bischof Bernt Eidsvig von Oslo, Bischof David Tencer von Reykjavik sowie die Hirten von Helsinki, Trondheim, Tromsø und weitere Bischöfe zu den Unterzeichnern.

Auch die Generalsekretärin der Konferenz, Schwester Anna Mirijam Kaschner, unterzeichnete den Offenen Brief. Die deutsche Ordensfrau ist Mitglied der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut.

Es bereits der zweite Schreiben von Bischöfen benachbarter Länder, das sich mit Sorge und Warnungen direkt an Bätzing richtet. Am 22. Februar hatte Erzbischof Stanisław Gądecki seine "brüderliche Sorge" in einem Brandbrief an den deutschen Bischof freundlich dargelegt.

"Wir machen uns Sorgen"

Die nordischen Bischöfe, die sich momentan – genau wie auch die deutschen Bischöfe – zur Frühjahrsvollversammlung treffen, schreiben in ihrem Brief, dass es geboten sei, dass sich die Bischöfe gemeinsam überlegen, wie man die gegenwärtigen Herausforderungen der Kirche am besten angehe, "um Christus treu zu bleiben, den Bedürfnissen der Menschen unserer Zeit entgegenzukommen und die Wahrheit des Glaubens zu vermitteln".                   

"Wir machen uns jedoch Sorgen um die Richtung, die Methodik und den Inhalt des synodalen Weges der Kirche in Deutschland", heißt es weiter. Natürlich müsse der "gespürte Bedarf nach Veränderungen auf dem Hintergrund der konkreten Situation in Deutschland" gesehen werden. Die vorgebrachten Anliegen seien teilweise nicht auf Deutschland beschränkt. Wörtlich:

"Alle müssen und wollen wir die furchtbaren Wunden des Missbrauchs heilen. Das Leid der Opfer muss unbedingt anerkannt werden. Alles muss gemacht werden, um in Zukunft Missbrauch zu verhindern. Es geht um Gerechtigkeit: ein christlicher Imperativ. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit der Kirche."

Aufgabe der Bischöfe sei es jedoch auch, heißt es in dem an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz gerichteten Schreiben, dass sich die Bischof die von der Kirche vermittelte "depositum fidei (das Glaubensgut; Anm. d. Red.) ungemindert zu eigen zu machen, mit Dankbarkeit und Ehrfurcht".

Warnung vor dem Zeitgeist

Die nordische Bischofskonferenz räumt ein, dass sich weltweit Gläubige "Gedanken zur Lebensform der Priester und deren Ausbildung, zur Stellung der Frau in der Kirche, zur Breite der Auffassungen von Sexualität, usw." machen. Allerdings müssten etwaige Reformen "vor jenen Themen halt machen, die unveränderliche Teile der Lehre der Kirche beinhalten", unterstreichen die Bischöfe. Sie schreiben:

"Wahre Reformen der Kirche haben seit je darin bestanden, die auf göttliche Offenbarung und authentische Tradition fundierte katholische Lehre zu verteidigen, zu erklären und in glaubwürdige Praxis umzusetzen — eben nicht darin, dem Zeitgeist nachzugehen. Wie flüchtig der Zeitgeist ist, bestätigt sich täglich."

"Wahre Reformen" der Kirche hätten außerdem auch immer darin bestanden, die katholische Lehre zu verteidigen, die "göttlicher Offenbarung und authentischer Tradition" fuße. "Es ist wohl kaum der Fall, dass eine Verarmung des Glaubensinhaltes zu einer neuen Fülle kirchlicher Vitalität führen wird", heißt es im offenen Brief weiter.          

Die durch den weltweiten synodalen Prozess geschürten Erwartungen könnten dazu führen, "dass wir durch Prozessdenken und strukturellen Umbau die Kirche zu einem Projekt machen, zum Objekt unseres Handelns", warnt die nordische Bischofskonferenz. Und weiter:

"Es scheint uns unentbehrlich, gerade in diesem Moment das sakramentale Mysterium der Kirche ins Zentrum zu bringen. Wie schaffen wir es nun, mit Staunen zu bedenken — und zu erleben — dass die Kirche eben auch corpus mysticum, Braut Christi, und Vermittlerin der Gnade ist? Die Kirche lässt sich nicht nur als sichtbare Gesellschaft definieren. Sie ist ein Geheimnis der Gemeinschaft: communio der Menschheit mit dem dreifaltigen Gott; communio der Gläubigen untereinander; communio der Ortskirchen weltweit mit dem Nachfolger Petri."

Gleichzeitig zeige die Erfahrung, dass jene Katholiken, "die das Leben unserer Pfarreien und Gemeinschaften gestalten und tragen", nicht unbedingt "dazu neigen, Fragebögen auszufüllen oder an Debattenrunden teilzunehmen". Auch deren Zeugnis müsse aufmerksam gehört werden, fordern die Bischöfe. 

"Wünschen Ihnen den Mut, die Einheit zu wahren"

Abschließend erinnern die nordischen Bischöfe Bätzing an die "großen deutschen Heiligen, der Theologinnen und Theologen, die uns wunderbar bereichert haben, sowie der Scharen der in alle Welt entsandten, demütig unauffällig wirksamen deutschen Missionarinnen und Missionare". Besonders dankbar sei man die Freigiebigkeit deutscher Katholiken, die Not abgeholfen und Entwicklung gefördert haben. Aus diesem Erbe werde auch heute "reicher Segen hervorsprießen" können.

"Wir wünschen Ihnen und allen Mitbrüdern der deutschen Bischofskonferenz den Mut und die Hoffnung, die Einheit zu bewahren", lautet der Appell der nordischen Bischofskonferenz an Bischof Bätzing. "Wir bleiben Ihnen in dieser großen Aufgabe mitbrüderlich verbunden. Zuversichtlich empfehlen wir die Kirche in Deutschland besonders der Fürsprache Mariens, der Mutter der Kirche.

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