UPDATE: Regierung Sri Lankas macht Islamisten für Ostersonntag-Terror verantwortlich

Ostermessen abgesagt - Weltweite Trauer und Entsetzen über die Terroranschläge mit knapp 300 Toten - Deutscher Außenminister löst Empörung aus

Einsatzkräfte transportieren Opfer der Bombenanschläge am Ostersonntag 2019 in Sri Lanka
Foto: Lakruwan Wanniarachchi / AFP / Getty Images
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Die Regierung von Sri Lanka hat eine heimische dschihadistische Organisation für die Terror-Anschläge der Osternacht verantwortlich gemacht. Die Gruppe "National Thowheed Jamath" (NTJ) habe die Oster-Attacken mit Unterstützung aus dem Ausland verübt, sagte Gesundheitsminister und Regierungssprecher Rajitha Senaratne am heutigen Ostermontag bei einer Pressekonferenz.

Mindestens 290 Menschen starben und 500 Personen wurden bei den koordinierten Angriffen der Islamisten verletzt, bei denen sieben Selbstmordattentäter mehrere Explosionen zündeten - drei davon auf Kirchen, in denen das Osterfest gefeiert wurde. 

Die Regierung kündigte auf der Pressekonferenz am 22. April an, alle zerstörten Kirchen wieder aufzubauen und Opfer zu entschädigen. Für den morgigen 23. April wurde ein nationaler Trauertag angekündigt. Ab Mitternacht Ortszeit werde ein nationaler Notstand verhängt.

Senaratne räumte auch ein, dass die Behörden in Sri Lanka bereits vor zwei Wochen vor einem Anschlag gewarnt wurden. 

"Am 4. April, 14 Tage vor diesen Vorfällen, sind wir über diese Erkenntnisse informiert worden", sagte der Minister. "Am 9. April schrieb der Chef des nationalen Geheimdienstes einen Brief, und in diesem Brief wurden viele der Namen der Mitglieder der terroristischen Vereinigung aufgeschrieben."

Premierminister Ranil Wickremesinghe sei hedoch nicht informiert gewesen, so Senaratne weiter.

Ostermessen abgesagt

Die Ostermessen im Bezirk Colombo auf Sri Lanka sind nach den Terror-Anschlägen an Ostersonntag abgesagt worden.

Kardinal Malcolm Ranjith, Erzbischof von Colombo, nannte es "einen sehr, sehr traurigen Tag für uns alle". Er drückte seine "tiefste Trauer und sein Mitgefühl für all die unschuldigen Familien" aus, "die jemanden verloren haben, und auch für diejenigen, die verletzt und mittellos geworden sind".

"Ich verurteile - mit aller Kraft - diese Tat, die dem Volk so viel Tod und Leid gebracht hat", so Kardinal Ranjith.

Der Erzbischof forderte eine umfassende und unparteiische Ermittlung nach den Verantwortlichen für die Angriffe auf zwei katholische Kirchen, eine evangelikale Gemeinde und drei Hotels.

Papst Franziskus betete für die Opfer der Vernichtung. Er habe mit "großer Trauer die Nachricht von den schweren Anschlägen erhalten.

"Ich empfehle dem Herrn diejenigen an, die auf tragische Weise verstorben sind und bete für all jene, die aufgrund dieses dramatischen Ereignisses leiden."

Zahlreiche Kirchenvertreter - darunter mehrere deutschsprachige Bischöfe - beteten für die Opfer und die Angehörigen. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer schlug in seiner Osterpredigt die Brücke zum Feuer von Notre Dame und dem Terror in Sri Lanka.

Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, verurteilte auf Twitter die blutigen Angriffe gegen Glaubensgeschwister am höchsten Festtag der Christenheit.

Ziel der Anschläge waren die Kirche St. Antonius in Colombo sowie die ebenfalls katholische Kirche St. Sebastian in Negombo, einer mehrheitlich katholischen Stadt nördlich der Hauptstadt. Die dritte Kirche war die evangelikale Zionkirche in der östlichen Stadt Batticaloa.

Die Kirchenbänke der Wallfahrtskirche von St. Anthony - dem heiligen Antonius - wurden durch die Explosion in Colombo völlig zerstört. Boden und Decke des Gotteshauses waren mit Blut getränkt. Der Wallfahrtsort ist die bekannteste Kirche Sri Lankas und wird als Nationalheiligtum des Landes bezeichnet. Die erste Kapelle auf dem Grundstück der Kirche wurde während der niederländischen Kolonialzeit Sri Lankas gebaut, als der Katholizismus auf der Insel weitgehend verboten war.

Neben diesen Gotteshäusern waren drei Hotels in Colombo Ziel der Anschläge, die von ausländischen Touristen besucht werden: Die Hotels "Cinnamon Grand", "Shangri-La" und "Kingsbury".

Sri Lanka ist eine Inselnation im Indischen Ozean, südwestlich des Golf von Bengalen, mit einer Bevölkerung von mehr als 21 Millionen Menschen. Mehr als 70 % der Sri-Lankaner sind Buddhisten, etwa 13% sind Hindus, fast 10% sind Muslime und weniger als 8% sind Christen. Es gibt 1,5 Millionen Katholiken im Land, was die überwältigende Mehrheit der Christen in Sri Lanka ausmacht.

Empörung über Heiko Maas

Der Ostersonntag-Terror wurde weltweit auch von Vertretern anderer Religionen sowie weltlichen Politikern und zivilen Autoritäten verurteilt.

Deutschlands Außenminister Heiko Maas sorgte in den Sozialen Medien für Empörung: Dem Politiker wurde vorgeworfen, mit Formulierungen wie "Betende" gezielt die Begriffe "Christen" und "Christenverfolgung" zu vermeiden. 

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Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sowie Hillary Clinton und andere Politiker der Partei der "Democrats" gingen sogar soweit, auf Twitter von "Easter Worshippers" zu schreiben - wörtlich "Ostern-Anbetern" - und ernteten dafür Spott und Unverständnis.

Anschlag in Spanien vereitelt

In den vergangenen Tagen verhinderten offenbar spanische und marokkanische Behörden einen geplanten Anschlag eines Islamisten auf die Prozessionen der Karwoche im spanischen Sevilla.

Ob ein Zwischenfall in der Münchner Paulskirche, der eine Massenpanik bei der Ostermesse der kroatische Gemeinde in München auslöste, auch einen islamistischen Hintergrund hatte, ist noch unklar. Kroatische Medien berichten, der Mann habe "Allahu Ackbar" gerufen. 

CNA Deutsch hat das Erzbistum München und Freising um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort steht zur Stunde noch aus.

Hintergrund: Terror in der Osterzeit

In den vergangenen Jahren haben radikalisierte Dschihaidsten immer wieder um die Osterzeit blutige Angriffe auf Christen verübt. Drei Beispiele:

April 2017 - Palmsonntag

Bei einer Explosion in einer koptischen Kirche in Tanta, Ägypten, werden 30 Menschen getötet und mindestens 70 verletzt. Erste Untersuchungen zeigen, dass sich der Terrorist während der Palmsonntagsgottesdienste der Kirche in die Luft gejagt hat, was zu einem Blutbad am Tatort führte. In der Nähe einer Polizeistation gab es einen weiteren Angriff. Ein weiterer Selbstmordattentäter sprengt sich vor der Markuskirche in Alexandria in die Luft. 16 Menschen sterben, 66 weitere verletzt. Ein weiterer Sprengsatz wird in der Chouhada Street in Alexandria gezündet.

März 2016 - Ostersonntag

Am Ostersonntag 2016 werden bei einem Selbstmordattentat am Haupteingang des Gulshan-e-Iqbal Parks, einem der größten Parks in Lahore, Pakistan, mindestens 75 Menschen getötet und über 340 verletzt. Die Mehrheit der Opfer sind Frauen und Kinder. Jamaat-ul-Ahrar, die zu den pakistanischen Taliban gehören, übernimmt die Verantwortung für den Angriff, der in ganz Pakistan Betroffenheit und Trauer auslöste. Bei Anti-Terror-Operationen verhaften pakistanische Kräfte mehr als 200 Menschen.

April 2015 - Gründonnerstag

Bewaffnete Islamisten stürmen eine Universität in Garissa, Kenia und ermorden 148 Menschen. Viele weitere werden verletzt. Die Bewaffneten nehmen über 700 Studenten als Geiseln, lassen die Muslime frei und ermorden alle, die sich als Christen identifizieren. Der Terror endet, nachdem es Sicherheitskräften gelingt alle vier Islamisten zu töten. Die militante Gruppe Al-Shabaab, die nach eigenen Angaben mit Al-Qaeda verbündet ist, beansprucht das Blutbad für sich.

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