Papst Franziskus bittet um freundliche Aufnahme von Migranten, warnt vor Neokapitalismus

Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 6. April 2022 in Rom.
Foto: CNA Deutsch / Daniel Ibanez
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Bei seiner Mittwochskatechese während der Generalaudienz am heutigen Morgen hat Papst Franziskus auf seine Apostolische Reise nach Malta zurückgeblickt und dabei das Engagment des Inselstaats für die Aufnahme von Migranten gelobt. Der Pontifex warnte dabei auch vor der Gefahr Warnung vor der Gefahr des Säkularismus, Konsumismus, Neokapitalismus und Relativismus und betonte die Wichtigkeit der Evangelisierung.

Papst: "Müssen auf die Zeugnisse der Migranten hören!"

Wie CNA Deutsch berichtete, hat der Pontifex den Inselstaat am vergangenen Wochenende besucht. So wie einst der heilige Völkerapostel Paulus freundlich von den Inselbewohnern Maltas aufgenommen wurde, nachdem er zuvor vor der Küste Schiffbruch erlitten hatte, sei es auch heute wichtig, ankommende Migranten mit Menschlichkeit und Brüderlichkeit aufzunehmen.

Malta habe in seiner langen Geschichte immer wieder "das Recht und die Stärke der Kleinen" repräsentiert. "Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde versucht, die Grundlagen für eine neue Friedensgeschichte zu schaffen, doch leider setzte sich die alte Geschichte der konkurrierenden Großmächte fort", so der Heilige Vater, "im aktuellen Krieg in der Ukraine erleben wir die Ohnmacht der internationalen Organisationen."

In der Generalaudienz sprach Franziskus auch über seinen Besuch im maltesischen Aufnahmezentrum Johannes XXIII., wo er mit vielen Migranten zusammentraf. Der Papst sagte:

"Wir dürfen nicht müde werden, uns ihre Zeugnisse anzuhören, denn nur so können wir uns von der verzerrten Sichtweise lösen, die oft in den Massenmedien kursiert, und ihre Gesichter, Geschichten, Wunden, Träume und Hoffnungen erkennen. Jeder Migrant ist einzigartig, ein Mensch mit seiner eigenen Würde, seinen Wurzeln und seiner Kultur. Jeder von ihnen ist Träger eines unendlich größeren Reichtums als die Probleme, die ihre Aufnahme mit sich bringen kann."

Warnung vor der Gefahr des Säkularismus, Konsumismus, Neokapitalismus und Relativismus

Natürlich müsse die Aufnahme von Migranten "organisiert und geregelt" werden, fuhr der Pontifex. Vor allem die internationale Politik sei da zuerst in der Pflicht. Malta sei ein Vorbild, wiederholte der Papst, der Inselstaat sei wie ein "Labor des Friedens". 

Franziskus betonte auch die wichtige Rolle der Evangelisierung beim Engagement für Flüchtlinge, aber auch für die Kirche im Gesamten. Er sagte heute wörtlich:

"Deshalb bin ich als Bischof von Rom dorthin gegangen, um dieses Volk im Glauben und in der Gemeinschaft zu bestätigen. In der Tat – und das ist der dritte Aspekt – ist Malta auch unter dem Gesichtspunkt der Evangelisierung ein wichtiger Ort. Aus Malta und Gozo, den beiden Diözesen des Landes, haben viele Priester und Ordensleute sowie Laien das Land verlassen, um in der ganzen Welt ein christliches Zeugnis abzulegen. Als ob der Übergang des heiligen Paulus die Mission in der DNA der Malteser hinterlassen hätte! Deshalb war mein Besuch in erster Linie ein Akt der Dankbarkeit, der Dankbarkeit gegenüber Gott und seinem heiligen, gläubigen Volk, das sich auf Malta und Gozo befindet."

Dennoch wehe auch in Malta "der Wind des Säkularismus und der globalisierten Pseudokultur des Konsumismus, Neokapitalismus und Relativismus", kritisierte der Heilige Vater. "Es ist also auch dort Zeit für eine neue Evangelisierung", betonte er. An die Gläubigen weltweit appellierte er:

"Vergessen wir das nicht den Satz des Paul VI.: 'Die Berufung der Kirche ist die Evangelisierung, die Freude der Kirche ist die Evangelisierung'. Das dürfen wir nicht mehr vergessen, das ist die schönste Definition der Kirche."

Im Anschluss richtete der Papst noch bewegende Worte des Dankes an die Polen, die schon seit über einen Monat lang bereitwillig Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen. Unter dem Beifall der Anwesenden holte der Heilige Vater ukrainische Kinder auf die Tribüne und hielt eine ukrainische Flagge aus der vom Krieg schwer getroffenen Stadt Butscha hoch (CNA Deutsch hat berichtet).

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