Missbrauch: Papst empfängt Chiles Bischöfe

Papst Franziskus
Foto: CNA Deutsch / Daniel Ibanez
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Vom 15. bis zum 17. Mai wird Papst Franziskus im Vatikan 33 chilenische Bischöfe empfangen, um die Missbrauchkrise und deren Folgen zu besprechen. Dazu hat der Pontifex die Oberhirten einbestellt.

Thema ist dabei nicht nur der Fall von Bischof Juan Barros – für die Aussagen über diesen hatte sich Franziskus selbst entschuldigt und später eingeräumt, "schwere Fehler begangen" zu haben.

Vielmehr steht der Fall Barros beispielhaft für die Frage, wie jahrzehntelang in Chile Missbrauch möglich war, vertuscht und geschwiegen wurde.

Die "Gründe und Konsequenzen" sollen detailliert geprüft werden, und die Mechanismen untersucht, "die in einigen Fällen zum Vertuschen und zu schweren Unterlassungen gegenüber den Opfern geführt haben", so der Vatikan in einer Mitteilung am 12. Mai.

Kurzum, Franziskus wird vorraussichtlich seine persönliche Sicht auf die gesamte, massive Missbrauchskrise der Kirche in Chile schildern – und darüber sprechen, wie Heilungs- und Prävention konkret umgesetzt werden können, damit diese ein Ende hat.

Grundlage dafür bieten die Ergebnisse einer Untersuchung der Missbrauchsvertuschung durch die Kirchenhierarchie in Chile, die Anfang des Jahres von Erzbischof Charles Scicluna von Malta durchgeführt wurde. Dessen Bericht ist 2.300 Seiten lang und wurde vor Ort persönlich erstellt, auch im Gespräch mit ehemaligen Opfern, wie CNA Deutsch berichtete.

Das Ziel des dreitägigen Treffens, dass der Heilige Stuhl als "synodalen Prozess" bezeichnet: Dass sich der Papst und die Bischöfe in die Gegenwart Gottes stellen und gemeinsam die Schuld sowohl der einzelnen als auch der örtlichen Kirche anerkennen, so der Vatikan in einer Mitteilung am 12. Mai.

Vorbeugungsmaßnahmen und weitere Schritte stehen ebenfalls auf der Tagesordnung des Krisentreffens, an dem auch Kardinal Marc Ouellet teilnimmt, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe.

Vor zwei Wochen hat sich Papst Franziskus mit Opfern des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche aus Chile getroffen: Juan Carlos Cruz, James Hamilton und Andres Murillo.

Nach ihren Treffen mit dem Papst sagten Cruz, Hamilton und Murillo, sie glaubten, Franziskus sei von den Menschen um ihn herum weitgehend falsch informiert worden.

Die Opfer erhoben schwere Vorwürfe der Vertuschung gegen Erzbischof Ivo Scapolo, Nuntius in Chile seit 2011, und den chilenischen Kardinal Franziskusco Javier Errazuriz, emeritierter Erzbischof von Santiago und Mitglied des Kardinalsrates, der Franziskus in der Kurienreform berät. 

Auch gegen drei weitere Bischöfe - Andrés Arteaga, Tomislav Koljatic und Horacio Valenzuela -, die von Karadimas Opfern beschuldigt werden, auch über die Verbrechen des Täters zu berichten, wurden Vorwürfe erhoben.

Bemerkenswert ist, dass Errazuriz diese Woche nicht bei dem Treffen mit Papst Franziskus anwesend sein wird – "aus persönlichen Gründen".

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