Papst Franziskus: "Die Heiligen sind eine faszinierende Erklärung des Evangeliums"

Papst Franziskus in L'Aquila, 28. August 2022
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch
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Papst Franziskus hat bei seinem kurzen Pastoralbesuch in der italienischen Stadt L'Aquila betont: "Die Heiligen sind eine faszinierende Erklärung des Evangeliums." L'Aquila ist die Heimat der Reliquien von Papst Cölestin V., im 13. Jahrhunder sein Papstamt niedergelegt hatte. Franziskus hielt im Rahmen der Messe die Predigt, zelebrierte aber nicht selbst.

Die Heiligen seien "der privilegierte Aussichtspunkt, von dem aus wir einen Blick auf die gute Nachricht werfen können, die Jesus zu verkünden gekommen ist, nämlich dass Gott unser Vater ist und alle Menschen von ihm geliebt werden", erklärte Papst Franziskus. Bei Cölestin V. rücke besonders die Tugend der Demut in den Fokus.

"In der Tat gibt es keinen anderen Weg, Gottes Willen zu erfüllen, als die Kraft der Demütigen anzunehmen", erläuterte der Pontifex. "Gerade weil sie so sind, erscheinen die Demütigen in den Augen der Menschen als Schwache und Verlierer, aber in Wirklichkeit sind sie die wahren Gewinner, denn sie sind die einzigen, die ganz auf den Herrn vertrauen und seinen Willen kennen."

Die Demut zeichne sich dadurch aus, dass die Menschen "ausgehend von unserem Elend, von uns selbst wegschauen und den Blick auf Gott richten, der alles kann und uns auch das verschafft, was wir aus eigener Kraft nicht haben können".

Die Demütigen seien nicht durch "Strategien, menschliche Mittel, die Logik dieser Welt" stark, sondern durch den Herrn: "In diesem Sinne war Cölestin V. ein mutiger Zeuge des Evangeliums, denn keine Logik der Macht konnte ihn einsperren und kontrollieren. In ihm bewundern wir eine Kirche, die frei von weltlicher Logik ist und den Namen Gottes, der Barmherzigkeit ist, voll bezeugt."

Mit Blick auf die cölestinische Vergebungsfeier, durch welche die Kirche in L'Aquila Ende August den Gläubigen einen Ablass gewährt, sagte Franziskus: "Vergebung zu erfahren bedeutet, hier und jetzt das zu erleben, was der Auferstehung am nächsten kommt. Vergebung bedeutet, vom Tod zum Leben überzugehen, von der Erfahrung von Angst und Schuld zu der von Freiheit und Freude."

Der Papst erinnerte auch an das Erdbeben von L'Aquila im Jahr 2009, bei dem mehrere hundert Menschen starben und zehntausende ihr Obdach verloren.

Aber diejenigen, die gelitten haben, müssen in der Lage sein, ihr Leiden zu schätzen, müssen verstehen, dass sie in der Dunkelheit, die sie erlebt haben, auch die Gabe erhalten haben, den Schmerz anderer zu verstehen. Sie können das Geschenk der Barmherzigkeit wertschätzen, weil Sie wissen, was es bedeutet, alles zu verlieren, zu sehen, wie das, was Sie aufgebaut haben, zerfällt, das zurückzulassen, was Ihnen am Herzen lag, die Tränen der Abwesenheit derer zu spüren, die Sie lieben. Sie können Barmherzigkeit schätzen, weil Sie Elend erfahren haben.

Das Bild des Erdbebens lasse sich auf auf ein "seelisches Erdbeben" übertragen, wobei der Mensch mit "seinem eigenen Elend" in Kontakt gebracht werde: "Bei dieser Erfahrung kann man alles verlieren, aber man kann auch wahre Demut lernen. Unter solchen Umständen kann man sich vom Leben erzürnen lassen, oder man kann Sanftmut lernen."

Das Leben sei letztlich "keine Karriere in der Art dieser Welt ist, sondern eine Karriere in der Art Christi, der von sich selbst sagen wird, dass er gekommen ist, um zu dienen und nicht, um sich bedienen zu lassen".

"Solange wir nicht verstehen, dass die Revolution des Evangeliums in dieser Art von Freiheit liegt, werden wir weiterhin Zeugen von Kriegen, Gewalt und Ungerechtigkeit sein, die nichts anderes als das äußere Symptom eines Mangels an innerer Freiheit sind", betonte der Pontifex. "Wo es keine innere Freiheit gibt, bahnen sich Egoismus, Individualismus, Eigennutz und Unterdrückung ihren Weg."

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