Papst Franziskus ehrt Märtyrer, warnt vor "jeglicher Manipulierung der Religionen"

Mutter mit Kind im Stadion von Nagasaki am 24. November 2019
Foto: Papal Flight Press Pool
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Im Angesicht der Schlagzeilen der aktuellen Verfolgung von Christen war dies ein dramatischer, brennend aktueller Moment der Asienreise des Papstes: In Nagasaki hat - am Christköngisfest - Papst Franziskus die über Jahrhunderte verfolgten Katholiken Japans geehrt – aber auch der Märtyrer der Gegenwart gedacht.

Gleichzeitig sprach er sich gegen "jegliche Manipulierung der Religionen" aus: Dagegen müsse man seine Stimme erheben, so der Papst. 

Sowohl bei der heiligen Messe zum Feiertag in einem Baseball-Stadion als auch am Denkmal der heiligen Blutzeugen auf dem Nishizaka-Hügel würdigte Franziskus am 24. November die katholischen Märtyrer des Landes.

Nagasaki war eine erste Hochburg des katholischen Glaubens im 16. Jahrhundert, kurz nach der Ankunft der ersten Missionare. Wenige Jahrzehnte später wurde das Christentum jedoch verboten, und seine Anhänger grausam verfolgt.

"Hier strahlte das Licht des Evangeliums in der Liebe, die über die Verfolgung und das Schwert siegt", sagte der Pontifex am heutigen Sonntag.

"Wir sind nicht zum Tod berufen, sondern zum Leben in Fülle; das haben die Märtyrer verkündet."

Das Nationalheiligtum auf dem Nishizaka-Hügel ehrt den heiligen Paul Miki und Gefährten sowie alle, die hier brutal zu Tode gebracht wurden, weil sie sich zu Christus bekannten.

"Beten wir für sie und mit ihnen! Erheben wir unsere Stimme, dass die Religionsfreiheit für alle und in allen Teilen der Erde gewährleistet wird, und erheben wir unsere Stimme ebenso gegen jegliche Manipulierung der Religionen!"

Worte des Papstes, die angesichts der aktullen Manipulationsversuche der Volksrepublik China durch die Politik der "Sinisierung" einen brisanten und hoch aktuellen Bezug haben: In der Untergrundkirche leben weiterhin viele Katholiken versteckt - eine brisante Parallele zu den berühmten "versteckten Christen", die über 400 Jahre in Japan durch Verfolgung weiter an ihrem Glauben festhalten konnten.

Auf deren beharrliches Zeugnis nahm auch Papst Franziskus Bezug, und betonte, dass "dieses Heiligtum vom Triumph des Lebens" spreche.

"Der heilige Johannes Paul II. sah diesen Ort nicht nur als den Berg der Märtyrer, sondern als einen wahrhaften Berg der Seligpreisungen, an dem wir das Zeugnis von Menschen greifen können, die vom Heiligen Geist durchdrungen und von Egoismus, Bequemlichkeit und Stolz frei waren. Denn hier strahlte das Licht des Evangeliums in der Liebe, die über die Verfolgung und das Schwert siegte."

Im Stadion von Nagasaki, in seiner auf Spanisch gehaltenen Predigt während der auf Latein gefeierten Messe betonte der Papst, Christen dürften angesichts des Bösen nie aufgeben: "Wir glauben an den Gott der Lebenden".

"Das Himmelreich ist unser gemeinsames Ziel; dieses Ziel gilt nicht erst für morgen, sondern schon heute erflehen wir es und beginnen wir, es zu leben", so der Papst.

Viele Stimmen hätten auf dem Kalvarienberg geschwiegen, andere den gekreuzigten Herrn verspottet, fuhr Franziskus fort. Nur der mit Jesus gekreuzigte Räuber habe seine Stimme für den Herrn erhoben: "Ein mutiges Glaubensbekenntnis". 

"An jedem von uns liegt die Entscheidung zu schweigen, zu verhöhnen oder zu prophezeien. Liebe Brüder und Schwestern, Nagasaki trägt in seiner Seele eine schwer zu heilende Wunde, ein Zeichen für das unerklärliche Leid so vieler Unschuldiger; Opfer, die durch die Kriege von gestern getroffen wurden, aber noch heute wegen des stückweisen dritten Weltkriegs leiden."

Abschliessend rief der Papst in seiner Predigt an diesem Feiertag dazu auf, gemeinsam für alle zu beten, "die heute am eigenen Leib diese himmelschreiende Sünde erleiden; und beten wir, dass es immer mehr sind, die wie der gute Schächer fähig sind, nicht zu schweigen und nicht zu verhöhnen, sondern mit ihrer Stimme ein Reich der Wahrheit und der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und der Gnade, der Liebe und des Friedens zu prophezeien."

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