Papst Franziskus in Zypern: Wir begegnen Jesus in den Gesichtern der Migranten

Papst Franziskus nimmt an einem ökumenischen Gebet mit Migranten in der Pfarrkirche des Heiligen Kreuzes in Nikosia, Zypern, teil, 3. Dezember 2021.
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus verbrachte am Freitag Zeit im Gebet mit Migranten auf der Insel Zypern, die derzeit mehr Asylbewerber pro Kopf aufnimmt als jedes andere Land in der Europäischen Union.

Während der Papst mit den Migranten zusammentraf, gab der Vatikan am 3. Dezember bekannt, dass er die Überführung von 12 Migranten von Zypern nach Italien unterstützt hat, und zwar im Rahmen einer Vereinbarung zwischen dem vatikanischen Außenministerium und den zyprischen und italienischen Behörden.

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Der Papst wurde in der Kirche des Heiligen Kreuzes in der geteilten Hauptstadt Nikosia von Patriarch Pierbattista Pizzaballa, dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, empfangen.

"Zypern, die erste der Mittelmeerinseln, erlebt die Tragödie von Tausenden von Migranten, die vor Krieg und Elend fliehen und hier Halt machen, ohne Ausweg, ohne klare Zukunftsperspektive", sagte Pizzaballa.

"Es ist gut und richtig, dass Sie, bevor Sie Ihre Pilgerreise beenden, Ihren Blick auch auf die schmerzliche und schwierige Realität auf dieser Insel richten, in der die Dramen, die das Mittelmeer jeden Tag erlebt, symbolisch dargestellt werden", fügte er hinzu.

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Vier Migranten aus dem Irak, Kamerun, Sri Lanka und der Demokratischen Republik Kongo teilten dem Papst ihren Weg nach Europa mit. Dieser dankte den jungen Menschen für ihre Zeugnisse, die "wie ein Spiegel für uns, für unsere christlichen Gemeinschaften" seien.

"Er, der Herr Jesus, ist es, dem wir in den Gesichtern unserer ausgegrenzten und ausrangierten Brüder und Schwestern begegnen. Im Gesicht des Migranten, der verachtet, abgelehnt, in einen Käfig gesteckt wird", sagte Papst Franziskus.

"Aber gleichzeitig - wie Sie sagten - das Gesicht des Migranten, der auf dem Weg zu einem Ziel ist, zu einer Hoffnung, zu einer größeren menschlichen Gemeinschaft."

Papst Franziskus sagte, er fühle sich verantwortlich, den Menschen zu helfen, ihre Augen für die Leiden der Migranten zu öffnen, die in Lagern festgehalten werden.

"Wenn ich euch anschaue, denke ich an so viele, die zurückgehen mussten, weil sie abgewiesen wurden und in Lagern gelandet sind, echten Lagern, wo Frauen verkauft, Männer gefoltert und versklavt werden", sagte der Papst.

"Wir beklagen uns, wenn wir die Geschichten über die Lager des letzten Jahrhunderts lesen, die der Nazis, die von Stalin. Wir beklagen uns, wenn wir das sehen und sagen: 'Aber wie konnte das geschehen? Brüder und Schwestern, es geschieht heute, an unseren Ufern. ... Ich habe einige Filmaufnahmen davon gesehen: Orte der Folter, des Verkaufs von Menschen".

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Das per Live-Stream übertragene ökumenische Treffen mit Migranten war die letzte öffentliche Veranstaltung von Papst Franziskus in Zypern, bevor er am Samstagmorgen nach Griechenland weiterreiste.

Am Wochenende wird der Papst den griechisch-orthodoxen Erzbischof Ieronymos II. in Athen treffen und Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos besuchen.

Am Ende seiner Rede sagte Papst Franziskus, dass er das Bild des Stacheldrahts in seinem Herzen trage, nachdem er gesehen habe, wie er Nikosia inmitten des "Kriegs des Hasses, den das Land erlebt", teile.

"Stacheldrähte in anderen Gebieten sind dazu da, um Flüchtlinge nicht hereinzulassen. Derjenige, der kommt, um Freiheit, Brot, Hilfe, Brüderlichkeit und Freude zu erbitten, der vor dem Hass flieht, findet einen Hass vor, der Stacheldraht genannt wird", so der Papst.

"Möge der Herr das Gewissen von uns allen vor diesen Dingen wecken. Und verzeihen Sie mir, wenn ich Dinge gesagt habe ... aber wir können nicht schweigen."

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch Partneragentur.