Papst Franziskus sagt Frankreichs Bischöfen: Werde Autoren der Missbrauchsstudie treffen

Papst Franziskus und französische Bischöfe im Vatikan, 13. Dezember 2021.
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus hat den französischen Bischöfen mitgeteilt, dass er bereit ist, die Verfasser eines bahnbrechenden Missbrauchsberichts zu treffen.

Der Papst habe gesagt, dass er für ein Treffen "voll und ganz zur Verfügung" stehe, sagte Erzbischof Éric de Moulins-Beaufort am 13. Dezember nach einer Papstaudienz vor Journalisten.

Der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz traf den Papst im Vatikan mit den Vizepräsidenten der Konferenz, Bischof Olivier Leborgne von Arras und Bischof Dominique Blanchet von Créteil, sowie dem Generalsekretär Pater Hugues de Woillemont.

zunächst anhören möchte und sich grundsätzlich bereit zeigt, die CIASE-Mitglieder zu empfangen. Nun gilt es, den richtigen Termin zu finden", sagte Moulins-Beaufort laut AFP.

Französischen Medien zufolge sollte Papst Franziskus am 9. Dezember mit Mitgliedern der CIASE zusammentreffen, aber das Treffen wurde Berichten zufolge verschoben.

Der Papst reagierte auf den CIASE-Bericht am Tag nach dessen Veröffentlichung und bezeichnete ihn als "einen Moment der Schande".

Matteo Bruni, Direktor der Pressestelle des Heiligen Stuhls, sagte bereits am 5. Oktober, dass Papst Franziskus von den französischen Bischöfen während ihres jüngsten Ad-Limina-Besuchs in Rom über den Abschlussbericht informiert wurde.

Die Unabhängige Kommission für sexuellen Missbrauch in der Kirche (CIASE) veröffentlichte ihren Abschlussbericht am 5. Oktober im Rahmen einer per Live-Stream übertragenen Präsentation in Paris.

In dem fast 2.500 Seiten starken Bericht heißt es, dass zwischen 1950 und 2020 schätzungsweise 216.000 Kinder von Priestern, Diakonen, Mönchen oder Nonnen missbraucht wurden.

Der Bericht fügte hinzu, dass die geschätzte Zahl der betroffenen Kinder für den gesamten Zeitraum auf 330.000 ansteigt, wenn auch der Missbrauch durch andere kirchliche Mitarbeiter berücksichtigt wird.

Bei der Vorstellung des Berichts sagte Jean-Marc Sauvé, Präsident des CIASE: "Während diese Gewalttaten in absoluten und relativen Zahlen bis Anfang der 1990er Jahre rückläufig waren, sind sie seitdem nicht mehr zurückgegangen."

"Die katholische Kirche ist der Ort, an dem die Prävalenz sexueller Gewalt am höchsten ist, abgesehen von den Familien- und Freundeskreisen."

Die von den französischen Bischöfen im November 2018 eingesetzte unabhängige Kommission untersuchte 30 Monate lang den Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche unter der Leitung von Sauvé, einem hohen Staatsbeamten.

Im Abschlussbericht heißt es, dass "die meisten Opfer noch pubertierende Jungen aus allen sozialen Schichten waren."

Die Studie schätzt, dass auf 115.000 Kleriker und Mönche "zwischen 2.900 und 3.200" Missbrauchstäter kommen, was "eine sehr hohe Zahl von Opfern pro Angreifer" bedeutet.

Die Studie legt nahe, dass "mehr als ein Drittel der sexuellen Übergriffe innerhalb der katholischen Kirche nicht von Klerikern oder Mönchen, sondern von Laien begangen wurden."

"Aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Gewissheit verzichtete die Kommission auf den Versuch, die Zahl der erwachsenen Opfer sexueller Übergriffe in der Kirche zu schätzen", heißt es in dem Bericht.

In einer offiziellen Zusammenfassung des Abschlussberichts heißt es, dass sich die Haltung der Kirche gegenüber Missbrauch erst in den 1990er Jahren zu ändern begann.

Moulins-Beaufort sagte, dass Papst Franziskus auch über den Rücktritt von Erzbischof Michel Aupetit als Erzbischof von Paris gesprochen habe, den der Papst am 2. Dezember angenommen habe.

Der Papst erklärte den Journalisten während seiner Pressekonferenz während des Fluges, dass er diesen Schritt unternommen habe, weil der Erzbischof "seinen Ruf in der Öffentlichkeit verloren" habe.

Laut dem katholischen Wochenmagazin Famille Chrétienne sagte Moulins-Beaufort: "Er hat uns einfach gesagt, wie traurig er über die Situation und die Entscheidung ist, die er treffen musste."

"Er wiederholte, was er im Flugzeug gesagt hatte, nämlich dass er diese Entscheidung auf dem Altar der Heuchelei und nicht der Wahrheit getroffen hatte, weil er der Meinung war, dass das entstandene Klima es Erzbischof Aupetit nicht erlaubte, die Diözese friedlich zu regieren."

Der Erzbischof von Reims, im Nordosten Frankreichs, sagte, dass der Papst "seine Wertschätzung für die pastorale Tätigkeit" von Aupetit, der am 10. Dezember in Paris eine Abschiedsmesse feierte, unterstrichen habe.

Bischof Blanchet, der am Montag an der Papstaudienz teilnahm, kündigte am 10. Dezember an, dass er seine Residenz verkaufen werde, um Geld für die Entschädigung von Missbrauchsopfern zu sammeln.

"Es wird eine bescheidenere Wohnung in der Nähe des Bischofssitzes gesucht", schrieb Blanchet, dessen Diözese Créteil in den südöstlichen Vororten von Paris liegt.

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.