Papst Franziskus warnt vor gnostischer Spiritualität

Papst Franziskus bei der Jubiläumsaudienz auf dem Petersplatz zu Ehren der Sicherheits- und Einsatzkräfte am 30. April 2016.
Foto: CNA/Alexey Gotovskiy
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"Die Säkularisierung der modernen Welt ist stark", mahnte Papst Franziskus während des Treffens mit den polnischen Bischöfen am vergangenen 27. Juli im Rahmen des Weltjugendtages (WJT) 2016 in Krakau, aber er betonte, dass es auch eine andere Gefahr in der Gesellschaft von heute gebe: Jene der "gnostischen Spiritualität".

In einem Dialog, der am gestrigen 2. August vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde, sagte der Erzbischof von Lodz, Marek Jedraszewski, dass allem Anschein nach die Christen in Europa immer mehr eine Minderheit in der zeitgenössischen atheistisch-liberalen Kultur seien und es in Polen "einen enormen Kampf zwischen dem Glauben an Gott" und "einem Gedankengut und Lebensstilen, als ob Gott nicht existieren würde", gebe.

"Das stimmt – antwortete der Papst – die Entchristianisierung, die Säkularisierung der modernen Welt ist stark. Sehr stark. Aber es gibt auch Leute, die sagen: Ja, es ist stark, aber man kann auch Phänomene von Religiosität beobachten, so als würde der religiöse Sinn wieder erwachen. Und auch das kann eine Gefahr sein."

In Bezug darauf erinnerte er daran, dass dies "das erste Erbe der Kirche war: der Apostel Johannes griff die Gnostiker an, bei denen es eine subjektive Spiritualität gibt, ohne Christus – und mit welcher Kraft! Das schwerwiegendste Problem dieser Säkularisierung ist für mich die Entchristianisierung: Christus zu entfernen, den Sohn zu entfernen... Ich bete, fühle.... mehr nicht. Das ist Agnostizismus. Gott finden ohne Christus: ein Gott ohne Christus, ein Volk ohne Kirche."

Franziskus erinnerte die polnischen Bischöfe daran, dass "die Kirche Mutter ist, jene, die dir das Leben gibt; Christus ist der ältere Bruder, der Sohn des Vaters". Und doch führt die Entchristianisierung, die vom Gnostizismus verursacht wird, zu einer "Waisenkirche", zu einem "Volk von Waisen und das müssen wir unserem Volk sagen", betonte er.

Daher, so der Papst, sei es notwendig "das Evangelium zu praktizieren, denn dort finde sich, was Jesus lehrt, nämlich die Nähe".

Heute müssen wir, die Diener des Herrn, Bischöfe, Priester, Ordensleute, überzeugte Laien, dem Volk Gottes nahe sein", denn "ohne Nähe gibt es nur ein Wort ohne Fleisch".

"Denken wir an die beiden Säulen des Evangeliums – und ich denke gerne daran. Was sind die beiden Säulen des Evangeliums? Die Seligpreisungen und dann Matthäus 25, das "Protokoll" nach dem wir alle gerichtet werden. Die konkreten Dinge. Nähe. Berühren. Die Werke der Barmherzigkeit, sowohl die leiblichen als die geistlichen", fügte er hinzu.