Papst zu Benediktinern: "Die Barmherzigkeit ist kein Slogan, sondern der christliche Atem"

Papst Franziskus mit Pater Notker Wolf OSB am 8. September 2016.
Foto: L'Osservatore Romano
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Es war ein Treffen der Söhne und Töchter des heiligen Benedikt mit Franziskus: Etwa 200 Äbte und 50 Äbtissinnen waren jetzt anlässlich des Internationalen Kongresses der Benediktinischen Konföderation, der alle vier Jahre stattfindet, beim Papst in Audienz.

Der Papst wurde von Abtprimas Notker Wolf begrüßt, der das Amt der Leitung der Konföderation nach 16 Jahren abgibt.

Das monastische Leben, so der Papst, ist der Königsweg der Barmherzigkeit: "Die Welt zeigt heute immer deutlicher, dass sie Barmherzigkeit braucht; aber das ist kein Slogan oder ein Rezept: es ist das Herz des christlichen Lebens und gleichzeitig sein konkreter Stil, der Atem, der die zwischenmenschlichen Beziehungen belebt und sie aufmerksam und solidarisch macht gegenüber den Notleidenden."

Der Papst erinnerte an den Text Vultum Dei quaerere, indem er schreibt, dass das Motto der benediktinischen Tradition anleitet, "das rechte Gleichgewicht zwischen der Suche nach dem Absoluten und dem Einsatz in den täglichen Verantwortungen, zwischen der Ruhe der Betrachtung und der Emsigkeit im Dienst zu finden."  

Der Papst betonte das Schweigen, um "Gott im betäubenden und zerstreuten Leben der Welt sprechen zu lassen." Zudem die Erfahrung der "Gastfreundschaft, in der ihr den Herzen der Verirrten und Entfernten begegnen könnt und den Herzen jener, die sich in einem Zustand großer menschlicher und geistlicher Armut befinden."

Wichtig sei auch der erzieherische Einsatz: "Die Schüler an euren Schulen können durch das Studium und das Zeugnis eures Lebens Experten jenes Humanismus werden, der von der benediktinischen Regel ausgeht." Auch der ökumenische Beitrag sei bedeutsam, das kontemplative Leben ein "privilegierter Kanal, um die Gemeinschaft mit den Brüdern der Ostkirchen zu fördern".  

Am Ende ermutigte der Papst zur Zusammenarbeit unter den Klöstern: "Lasst euch nicht entmutigen, wenn die Mitglieder eurer Gemeinschaften weniger oder älter werden; im Gegenteil: bewahrt den Eifer eures Zeugnisses  – auch in jenen Ländern, in denen es heute am schwierigsten ist – durch die Treue zum Charisma und den Mut, neue Gemeinschaften zu gründen. Euer Dienst an der Kirche ist sehr wertvoll. Auch in unserer Zeit braucht es Männer und Frauen, die der Liebe Christi nichts vorziehen (vgl. Regula Benedicti 4,21; 72,11), die sich täglich vom Wort Gottes nähren, die die heilige Liturgie würdig feiern, die froh und eifrig in Harmonie mit der Schöpfung arbeiten."

Es war Papst Leo XIII., der daran dachte, die Kongregationen benediktinischer Klöster in einer Konföderation zu vereinen und den benediktinischen Kardinal Dusmet beauftragte, im Palast San Callisto in Rom alle Äbte zu versammeln, um über diese Vereinigung zu beratschlagen. Nach der Zustimmung der Äbte wurde die Vereinigung der 13 Kongregationen in einer Konföderation unter Vorsitz eines Abtprimas von Leo XIII. am 12. Juli 1893 mit der päpstlichen Urkunde (Breve) Summum semper anerkannt.

Als Wohnsitz des Abtprimas wurde das internationalen Kolleg Sant´Anselmo auf dem Aventin festgelegt, das von Leo XIII. am 4. Januar 1887 in Vorausschau der Vereinigung gegründet worden war, um Studenten aus allen benediktinischen Kongregationen aufzunehmen. Die Konföderation wurde durch das Lex propria, das von Pius XII. am 21. März 1952 erlassen wurde, noch genauer geregelt.

Wir leben in einer "starken Zeit", so Pater Notker Wolf, "aber wir sind nicht pessimistisch". Er dankte dem Papst für das Schreiben, das er dem weiblichen monastischen Leben gewidmet hat. Der Abt erinnerte auch daran, dass viele Klöster Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen hätten. Auch sei der interreligiöse Dialog im klösterlichen Austausch von tiefer Spiritualität geprägt. Der neue Abtprimas wird morgen gewählt werden.

Das könnte Sie auch interessieren: