Tausende katholische Männer bitten Papst Franziskus, sein Schweigen zu brechen

Papst Franziskus
Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Eine Woche nachdem knapp 30.000 Frauen einen Brief unterzeichnet haben, in dem sie Papst Franziskus auffordern, Fragen zur systematischen Vertuschung sexuellen Missbrauchs zu beantworten, hat eine Gruppe katholischer Männer ihren eigenen Brief an den Papst und amerikanische Oberhirten geschrieben.

Sie fordern eine Untersuchung, mit der die Wahrheit über Vertuschung und Missbrauch ans Licht kommt.

Der Brief ist auf der Website "Catholic Men United for Christ" zu finden, wird aber nicht von einer Gruppe oder Organisation gesponsert. Die Unterzeichner des Briefes verpflichten sich, jeden Freitag ab dem 7. September eine Form des Fastens durchzuführen und bis 2018 fortzusetzen.

Zu den Unterzeichnern gehören der in den USA populäre katholische Autor Scott Hahn, Radiomoderator Al Kresta und andere prominente Katholiken.

"Heiliger Vater, wir kommen zu dir, um Antworten zu erhalten. Gegen Dich persönlich wurden Vorwürfe erhoben. Diese stammen von einem hochrangigen Kirchenbeamten, Erzbischof Viganò. Darüber hinaus haben viele Bischöfe in den Vereinigten Staaten öffentlich erklärt, dass sie glauben, dass diese Vorwürfe untersucht werden müssen. Wir flehen dich an, dich dazu zu äußern".

Weiter heißt es in dem Brief: "Unabhängig von der Wahrhaftigkeit der Anschuldigungen von Erzbischof Viganò bleiben unsere Bedenken bezüglich der Verdorbenheit."

"Eure Heiligkeit, Eure Eminenzen und Eure Exzellenzen. Was tut ihr, und was werdet ihr tun, um das Volk Gottes angesichts weit verbreiteten, weltweiten Missbrauchs, Vertuschungen und hierarchischem Versagens? Wir bitten Euch, diese einfache Frage zu beantworten, denn die Kosten der bischöflichen Verdorbenheit sind katastrophal."

Das Schreiben fordert, dass eine Untersuchung der Kirchenhierarchie von "treuen Laien" durchgeführt wird.

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Die Unterzeichner "bestätigen und unterstützen" den Brief katholischer Frauen, so Unterzeichner Mark DeYoung gegenüber CNA. "Darüber hinaus werfen wir auch einen Blick darauf, was in verschiedenen Ländern passiert ist […], und wir weisen einfach darauf hin, dass es eine über jeden Zweifel erhabene Tatsache ist, dass es ein Problem mit Missbrauch gibt".

Wenn es nicht gelingt, diese Verdorbenheit und diesen Missbrauch zu bekämpfen, dann könnte dies auch zu einem größeren Priestermangel führen, warnte DeYoung dem CNA. 

Angesichts der Krise würden sich viele Väter es zweimal überlegen, ob sie einen Sohn auf ein Priesterseminar gehen lassen würden. 

Er wisse von Familien, die ihre Kinder nicht mehr ministrieren lassen, aus Sorge um das Risiko sexuellen Missbrauchs.

DeYoung sagte auch, dass es "herzzerreißend" sei, Zeugnisse von einigen der Opfer des Missbrauchs im Pennsylvania-Bericht zu lesen, die aussagen, dass ihr Missbrauch sie veranlasst habe, ihren religiösen Glauben völlig zu verlieren.

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"Wir kämpfen wirklich für diese Menschen, (und) wir sagen auch, dass wir als katholische Männer auch die Verantwortung für unser eigenes Leben übernehmen werden". Nicht jeder Katholik stehe schließlich treu zur Kirche und halte sich an deren Lehre.

DeYoung sagte gegenüber CNA, dass der Brief zustande kam, weil einfach viele katholische Männer "wütend, erschüttert und wirklich schockiert sind über den Zustand der Kirche im Moment". 

Dabei gehe es nicht nur um den Missbrauch Minderjähriger, sondern auch um das Fehlverhalten von Geistlichen, die ihren Gelübden und ihrer Berufung untreu sind, und gegen den Ruf zu Keuschheit und Reinheit verstoßen haben, so DeYoung.

Bischöfe müssten zudem nicht nur den Missbrauch und das Fehlverhalten untersuchen lassen, sagte DeYoung. 

Die Unterzeichner erwarteten auch von den Bischöfen geistliche Führung in dieser chaotischen Zeit.

"Wir sind Menschen, die die Kirche lieben, wir lieben unsere Bischöfe, wir unterstützen unseren Heiligen Vater, und wir wollen die Wahrheit hier herauskommen sehen", sagte er.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatten bereits über 5.000 Personen den Brief unterzeichnet.

Übersetzt aus dem englischen Original.

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