"Tiefgreifende Krise": Katholische Kirche in Deutschland veröffentlicht Statistik für 2021

Leere Kirche in Deutschland
Foto: rise-a-mui / Pixabay (CC0)

Am Montag von der deutschen Bischofskonferenz (DBK) veröffentlichten Zahlen zufolge sind im Jahr 2021 durchschnittlich erstmals weniger als eine Million Katholiken sonntags zur Messe gegangen. Noch im Jahr 2020 – in Corona-Zeiten – waren es noch etwa 1,3 Millionen.

Die Anzahl der Katholiken in Deutschland ist auf rund 21,6 Millionen Menschen gesunken. Insgesamt gehen damit nur noch etwa 4,3 Prozent der Katholiken regelmäßig zur Sonntagsmesse.

Die Zahl der Kirchenaustritte nahm von 221.390 auf 359.338 zu. Demgegenüber wurden 141.992 Taufen vorgenommen, was einem Zuwachs von 37.000 Taufen entspricht.

Derzeit gibt es noch knapp unter 8.000 Priester, die aktiv in der Seelsorge tätig sind. 2021 wurden nur 48 Diözesan- und 14 Ordenspriester geweiht – ein anhaltend niedriges Niveau.

Stellungnahme von Bischof Bätzing

"Die Zahlen des Jahres 2021 zeigen die tiefgreifende Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden", kommentierte der Limburger Bischof Georg Bätzing in seiner Funktion als DBK-Vorsitzender. "Es ist nichts schönzureden, und ich bin – trotz der gestiegenen Zahlen der Sakramentenspendung – zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten."

Dennoch zeigte sich Bätzing in den Reformprozessen der deutschen Kirche wie dem "Synodalen Weg" bestärkt: "Der Aufbruch, den wir mit dem Synodalen Weg gehen, ist hier im Kontakt mit Gläubigen offenbar noch nicht angekommen." Er sei "zuversichtlich, dass wir mit dem Synodalen Weg als Impuls zur inneren Reform und Erneuerung wichtige Schritte in die richtige Richtung machen".

"Deshalb sind die Zahlen 2021 für mich auch ein Auftrag: den eingeschlagenen Weg der Kirche mutig weiterzugehen und von dem zu erzählen, was wir in unseren Pfarrgemeinden, in Verbänden und Vereinen, im Bildungsbereich und in der Caritas, in anderen Feldern wie zum Beispiel der Notfallseelsorge und mit unserem weltkirchlichen Engagement leisten", sagte Bätzing weiter.

Es gebe "keine Selbstverständlichkeiten mehr für uns als katholische Kirche", so der Bischof. "Wir müssen uns neu erklären, erläutern was wir tun und warum wir es machen." Die Botschaft des Evangeliums habe "Kraft, die wir mit allen, die der Kirche angehören, zur Entfaltung bringen und ins Leben übersetzen können".

"Ohne die vielen Angebote von Gottesdiensten und Glaubensvermittlung würde unser menschliches Miteinander an Tiefe verlieren", betonte der DBK-Vorsitzende. "Ohne unsere Caritas wäre die Gesellschaft ärmer. Ohne unsere tausenden von Bildungsangeboten wäre unser Land ärmer, ohne das große Engagement für die Menschen an den Rändern, besonders die Geflüchteten und die vom Krieg Betroffenen, wäre die Welt noch trauriger."

"Auch im zweiten Jahr der Pandemie zeigen die Zahlen, dass Kirche bei den Menschen präsent war", zeigte sich Bätzing überzeugt. "Ich hoffe sehr, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher wieder ansteigt, sobald wir die Pandemie gänzlich überwunden haben. Es ist gut, dass wir ein Millionenpublikum durch Online-Angebote mit gestreamten Gottesdiensten und den Übertragungen von Gottesdiensten im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk erreicht haben – diese Zahlen sind in unserer Statistik bisher nicht berücksichtigt. Auch wenn dies einen in Präsenz miteinander gefeierten und erlebten Gottesdienst nicht ersetzen kann, sind auch künftig solche Angebote wichtig."

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