US-Bischöfe: Keine Forderung an Vatikan, die McCarrick-Akten zu veröffentlichen

Bischof Knestout: Wir haben eine Krise der Führung und der Lehre, ausgelöst durch die Ablehnung von Humanae Vitae und der katholischen Sexualmoral durch viele Bischöfe und Priester

Vollversammlung der US-Bischöfe in Baltimore
Foto: Bob Roller / CNS
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Am letzten Tag ihrer Herbstsitzung haben die Bischöfe der USA über eine Resolution abgestimmt, die den Vatikan auffordern sollte, alle Dokumente über die Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Erzbischof Theodore McCarrick zu veröffentlichen. Als eigentlichen Grund der Kirchenkrise benannte in der Debatte ein Bischof die Abkehr vieler Geistlicher von der Lehre der Kirche.

Nach einer halbstündigen Diskussion setzten sich die Bedenkenträger durch: Mit 137 zu 83 Stimmen entschieden sich die Bischöfe in Baltimore dagegen, den Vatikan zu "ermutigen". Drei Stimmen enthielten sich.

Der ursprüngliche Text der Resolution, vorgeschlagen von Bischof Earl Boyea von Lansing, lautete:

"Es wird beschlossen, dass die Bischöfe der USCCB den Heiligen Vater ermutigen, alle Dokumente freizugeben, die im Einklang mit dem Kirchenrecht und dem Zivilrecht über das Fehlverhalten von Erzbischof McCarrick freigegeben werden können."

Das werde zwar nicht alles lösen, so Boyea, aber es sei ein kleiner Schritt.

Die Resolution wurde den Bischöfen bei ihrem Treffen vom 12. bis 14. November in Baltimore vorgelegt. Das Treffen verhandelte fast ausschließlich die Kirchenkrise und ihre Ursachen: Jahrzehntelange Vertuschung sexuellen Fehlverhaltens, Missbrauch und Gewalt.

In der Debatte über den Vorschlag wies Kardinal Joseph Tobin von Newark darauf hin, dass der Heilige Stuhl am 6. Oktober angekündigt hatte, dass eine Untersuchung über des Falls McCarrick eingeleitet werde (CNA Deutsch berichtete).

Im Lichte der Ankündigung des Heiligen Stuhls schlug Bischof James Checchio von Metuchen einen Änderungsantrag vor. Die Resolution sollte dies bestätigen und einleiten mit der Aussage: "Zur Unterstützung der Mitteilung des Heiligen Stuhls vom 6. Oktober 2018."

(Die Bischöfe haben die Untersuchung des Heiligen Stuhls zuvor mit einer Erklärung vom 7. Oktober unterstützt.)

Boyea billigte den Wortlaut des Änderungsantrags von Checchio jedoch nicht, weil er befürchtete, dass der Heilige Stuhl nur seine Ergebnisse und nicht alle damit verbundenen Unterlagen veröffentlichen werde.

"Das Problem hier ist die Transparenz", sagte er. "Wir wollen nicht nur Schlussfolgerungen."

Erzbischof Salvatore Cordileone aus San Franzisco unterstützte Boyea und sagte, dass "der Schlüssel hier die Dokumentation ist" und dass das Kommuniqué des Heiligen Stuhls nicht klärte, welche Dokumente gegebenenfalls freigegeben würden.

Erzbischof Alexander Sample aus Portland in Oregon schlug dann eine alternative Änderung vor, die den ursprünglichen Wortlaut der Resolution beibehielt, um jedoch hinzuzufügen, dass die bereits laufende Untersuchung durch den Heiligen Stuhl anerkannt wird.

"Ich denke, das Problem ist wirklich die Transparenz, die unsere Bürger fordern", sagte Sample.

Kardinal Blase Cupich aus Chicago dagegen sprach sich gegen eine Veröffentlichung aus – weil unklar sei, was das bedeute:  "Wir stimmen also darüber ab, den Heiligen Stuhl zu bitten, das zu tun, was sie bereits gesagt haben, dass sie tun werden? Der Nachfolger Petri hat gesagt, dass er in dieser Sache ehrlich sein wird, und es scheint mir, dass wir ihn beim Wort nehmen müssen", sagte Cupich.

Bischof Richard Stika von Knoxville sagte der Konferenz am 14. November, dass die Anschuldigungen gegen McCarrick und der Skandal um seinen Aufstieg und Fall nicht nur Katholiken betrifft: Viele Menschen, die gerade dabei waren, in die Kirche einzutreten, werden von Freunden und Familie mit McCarrick konfrontiert – und der Tatsache, wie glaubwürdig eine Kirche sein kann angesichts des Verhaltens ihrer Oberhäupter.

Stika sagte McCarrick und die Briefe des ehemaligen Nuntius, Erzbischof Carlo Maria Vigano, dienten als "Munition", um Menschen vom Eintritt in die Kirche abzuhalten, und dass viele Katholiken das Gefühl hatten, dass Bischöfe nur dann auf die Krise des sexuellen Missbrauchs reagierten, wenn sie von den Medien "dazu gezwungen" wurden.

Bischof Michael Olson von Fort Worth sagte der Vollversammlung:"So viel von der Empörung, die wir erleben – und ich denke, es ist eine berechtigte Empörung – wird durch die Ungerechtigkeit ausgelöst", dass Sextäter ungestraft mit Seminaristen und anderen ihr Unwesen treiben konnten. 

Olson bemerkte, dass Papst Francis zwar McCarricks Rücktritt vom Kardinalskollegium akzeptiert und ihn in ein Leben des Gebets und der Buße geschickt hatte, bis ein kanonischer Prozess abgeschlossen war, dass die USCCB jedoch noch nicht als Organ auf den Skandal reagiert hatte, der durch einen der ihren verursacht wurde.

"Krise der Führung und Lehre" 

Bischof Barry Knestout von Richmond sprach lange – und deutlich persönlich – über den Schmerz, der Priestern wie Laien in seiner ehemaligen Diözese Washington zugefügt wurde.

Knestout sagte, dass er die aktuellen Skandale in einem Kontinuum früherer Krisen betrachte, die 50 Jahre zurück reichen, bis zur Veröffentlichung von Humanae VitaeDie Ablehnung dieses Dokuments,  wie auch der Lehre der Kirche über die Würde des menschlichen Lebens und der Sexualität durch viele Geistliche, habe "eine lang andauernde Krise der Führung und Lehre" in der Kirche ausgelöst. 

JD FlynnEd Condon und Christine Rousselle trugen zur Berichterstattung bei.

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