US-Bischöfe: Trumps Flüchtlingserlass wird Opfern von Krieg und Terror schaden

US-Präsident Donald Trump unterzeichnet zwei Anordnungen bei einer Visite des Heimatschutzministeriums.
Foto: Credit: Chip Somodevilla, Getty Images
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Katholische Bischöfe und Hilfswerk-Leiter haben sich der Kritik an Donald Trumps Erlass angeschlossen, Asylbewerber strenger zu prüfen und die bestehende Obergrenze für Flüchtlinge zu senken. Gleichzeitig betonten sie die Notwendigkeit strenger Sicherheitskontrollen.

Die US-Bischöfe seien mit dem Stopp der Flüchtlingsaufnahme überhaupt nicht einverstanden, teilte der Vorsitzende der Migrations-Kommission der US-Bischofskonferenz mit. "Wir sind der Ansicht dass, jetzt mehr denn je, Neu-Ankömmlinge und Flüchtlinge aufzunehmen ein Akt der Liebe und Hoffnung ist", so Bischof Joe S. Vasquez von Austin, Texas. 

"Wir werden weiterhin auf die neue Regierung einwirken, so wie wir in Sachen Flüchtlingspolitik seit fast vierzig Jahren auf alle Regierungen eingewirkt haben. Wir werden uns energisch dafür einsetzen, dass Flüchtlinge human aufgenommen werden, in Zusammenarbeit mit katholischen Wohlfahrtseinrichtungen, ohne dabei unsere Sicherheit oder unsere amerikanischen Grundwerte preiszugeben, und dass sichergestellt ist, dass Familien mit ihren Lieben wiedervereint werden". 

Der Bischof von Austin betonte weiter, dass die amerikanischen Bischöfe daran glaubten, dass jedem Menschen geholfen werden müsse, der vor Verfolgung flieht, egal welcher Religion er angehört. 

"Wir müssen unsere Brüder und Schwestern aller Religionen, einschließlich Muslime, beschützen, die ihre Familie, ihr Zuhause und ihre Heimat verloren haben", fuhr Bischof Vasquez fotr. "Sie sind Kinder Gottes und haben ein Anrecht darauf, mit menschlicher Würde behandelt zu werden. Wir glauben, dass wir durch die Umsiedelung der Verwundbarsten unseren christlichen Glauben leben wie Jesus uns herausgefordert hat, ihn zu leben".

Strenge Überprüfung für Schutz und Sicherheit

Das Statement der Bischöfe "unterstreicht die lange und stolze Tradition unseres Landes, Neu-Ankömmlinge und Flüchtlinge in humaner Weise aufzunehmen, während wir gleichzeitig einen strengen Überprüfungsprozess verfolgen, der unseren Schutz und unsere Sicherheit gewährleistet", teilte Bischof Michael F. Burbidge von Arlington, Virginia mit.

Bischof Burbidge rief Katholiken auf, ihre Mandatsträger zu kontaktieren und ihnen zu sagen, dass sie mit der neuen Politik nicht einverstanden seien.

"Unsere Gemeinden sind – und werden weiterhin – Flüchtlingen gegenüber gastfreundlich sein, in Übereinstimmung mit unserem Vermächtnis, Freunde aufzunehmen", sagte er. "Gemeinsam beten wir auch für eine umfassende Reform der Einwanderungspoliitk und für Frieden, Sicherheit und Eintracht in unserer Nation und auf der ganzen Welt."

Die Stellungnahmen der Bischöfe sind Reaktionen auf den am Freitag unterzeichneten Erlass, bei dessen Unterzeichnung Präsident Trump gesagt hatte: "Ich führe neue Prüfungsmaßnahmen ein, um die Einreise radikaler muslimischer Terroristen in die USA zu unterbinden. Die wollen wir hier nicht haben. Wir wollen sicherstellen, dass wir nicht ausgerechnet die Bedrohung in unsere Land lassen, die unsere Männer und Frauen in Übersee bekämpfen."

Bevorzugung Verfolgter aus religiösen Minderheiten

Die Anordnung selber erwähnt nicht den Islam. Sie sperrt für drei Monate die Einreise von Besuchern aus dem Irak, dem Iran, Syrien, Jemen, Sudan, Libyen und Somalia. Zudem verschärft sie die Auflagen auf dem US-Flüchtlingsprogramm.

Vor Unterzeichnung des neuen Erlasses sagte Präsident Trump gegenüber den "Christian Broadcasting News", dass er vorrangig verfolgten Christen helfen wolle.

"Wir werden ihnen helfen", sagte der Präsident. "Sie werden schrecklich behandelt. Wissen Sie, dass es unmöglich war, wenn Sie ein Christ in Syrien waren, oder zumindest sehr schwierig, in die USA zu kommen?"

Im Wortlaut der neuen Anordnung wird auch das Christentum nicht erwähnt. Es weist Beamte an, "Flüchtlings-Anträgen auf Basis religiöser Verfolgung Vorrang zu geben", deren Glaubensgemeinschaft eine Minderheit im Land ist, deren Staatsbürger der Antragsteller ist.  

Der neue Erlass des Präsidenten bezeichnet auch die Aufnahme von über 50.000 Flüchtlingen im Jahr 2017 als den US-Interessen widerläufig. Im vergangenen Jahr lag die Obergrenze für Flüchtlinge bei 117.000 Personen, berichtete die britische Zeitung "The Guardian". Tatsächlich seien nur etwa 85.000 Flüchtlinge im Jahr 2016 in die USA eingereist, meldet der "Pew Research Center". Von diesen seien 38.901 Personen Muslime gewesen, und 37.521 Christen. Manche Kritiker des neuen Erlasses haben die Befürchtung geäußert, dass eine Absenkung der bisherigen Obergrenze auch bedeuten könnte, dass weniger Christen Asyl erhalten – selbst wenn sie vorrangig behandelt werden sollten.

Proteste und Kritik

Während des Wahlkampfes hatte Donald Trump von einem möglichen Einwanderungsverbot für Muslime gesprochen. Darstellungen seines neuen Erlasses als ein "Verbot von Muslimen" lehnte er jedoch ab. 

Der neue Erlass wurde schnell juristisch in Frage gezogen und führte zu mehreren Protesten an Flughäfen im Land; unklar ist jedoch, wie unbeliebt er mit der amerikanischen Bevölkerung insgesamt sein wird. 

Seitens katholischer Hilfsorganisationen gab es ebenfalls Kritik an der neuen Verordnung.

"Menschen, die in den Vereinigten Staaten und anderswo Asyl suchen, sind Opfer – oft der gleichen Terroristen, vor denen wir uns schützen müssen", sagte Sean Callahan, Vorsitzender und Geschäftsführer der "Catholic Relief Services" (CRS).

"Wir kennen die Menschen, die am meisten von Extremisten und Konflikt betroffen sind. Sie sind Menschen wie alle Amerikaner, die Sicherheit sichen und ein besseres Leben für ihre Familien. In unserer Arbeit auf der ganzen Welt bedürfen wir ihrer um unserer eigenen Sicherheit willen. Sie brauchen unsere Hilfe – jetzt!"

"Menschen, die vor Gewalt fliehen, leiden alle gleich, unabhängig von ihrer Religion. Flüchtlingsaufnahme sollte nicht nach Religion sein. Als Katholiken fühlen wir uns verantwortlich, allen zu helfen, die der Hilfe bedürfen", fügte Bill O'Keefe hinzu, stellvertretender CRS-Vorsitzender für Regierungsbeziehungen. 

O'Keefe weiter: "Die irakischen Frauen, die ich getroffen habe, haben bereits "extreme Sicherheits-Überprüfungen" durchlitten um mitten in der Nacht mit ihren Kindern aus dem Territorium des Islamischen Staats herauszukommen."

Weniger Flüchtlinge aufzunehmen sei zudem ein Verrat an den Verbündeten der USA, die Flüchtlinge aufnehmen, sagte O'Keefe.

Bischof Vasquez sagte, dass es weltweit über 65 Millionen vertriebene Menschen gebe. Die katholische Kirche werde sich "dieses außeordentlichen Leidens" annehmen.

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