Vatikan-Finanzskandal: Gianluigi Torzi auf freiem Fuß

Das Gerichtsgebäude.
Foto: AA via ACI Stampa

Gianluigi Torzi ist auf freiem Fuß: Der "Geschäftsmann", dem Erpressung, Veruntreuung, schwerer Betrug und Geldwäsche vorgeworfen wird, ist "auf Bewährung" freigelassen worden, so das Presseamt des Heiligen Stuhls am heutigen Montag.

Gianluigi Torzi soll nach Recherchen von CNA etwa 10 Millionen Euro an einem Deal verdient haben, bei dem ein weiterer "Geschäftsmann", Raffaele Mincione, dem Staatssekretariat zu einem überhöhten Preis seine Anteile an einer Londoner Luxus-Immobilie verkaufte - während er gleichzeitig für das Staatssekretariat Anlagen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro managte. 

"Wie es in dem vom Staatsanwalt Gian Piero Milano und dem Adjutanten Alessandro Diddi unterzeichneten Beschluss heißt, haben die Richter die Schlussfolgerungen eines von Herrn Torzi vorgelegten Memorandums und die zahlreichen beigefügten Dokumente zur Kenntnis genommen, die für die Erläuterung des zu untersuchenden Sachverhalts als nützlich erachtet werden", so der Vatikan in seiner Mitteilung am 15. Juni.

Hintergrund: Luxus-Immobilie in London


Im Mittelpunkt der Ermittlungen der vatikanischen Behörden ist ein Immobilien-Geschäft  in London. CNA Deutsch hat bereits im November berichtet, dass diese zwielichtige Investition durch ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von 200 Millionen Dollar finanziert wurde, das über Schweizer Banken arrangiert wurde, zusammen mit einer Investition von fast 50 Millionen Dollar im Jahr 2018 in dieselbe Immobilie an der Sloane Avenue in London, wodurch der Vatikan der alleinige Eigentümer wurde. Anstatt jedoch das Gebäude vollständig von einer Minciones Holdinggesellschaft zu kaufen, übernahm das Staatssekretariat des Vatikans im Jahr 2018 die Firma selbst – und gründete eine neue Londoner Firma für das Investment.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat diese Vorgänge vergangenen Oktober als "unklar" bezeichnet und angekündigt, das Investment weiter zu prüfen, dass sein ehemaliger Stellvertreter, Kardinal Giovanni Angelo Becciu arrangierte – bevor Papst Franziskus Becciu zum Präfekten der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren beförderte.

Papst Franziskus, der sich zur Korruption in der Kurie im November geäußert hat,  soll Gianluigi Torzi mitsamt seiner Familie am 26. Dezember 2018 in seiner Residenz im Domus Sanctae Marthae zu einer persönlichen Audienz empfangen haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Londoner Property Deal in seiner entscheidenden Phase.

Unterdessen hat der damalige Sostituto des Staatssekretariates, Kardinal Angelo Becciu, erklärt, er kenne Torzi überhaupt nicht.

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