Warum diese Professorin und achtfache Mutter die Kampagne #PostcardsForMacron startete

Keine Wertschätzung, aber dafür jede Menge unwissenschaftlicher Vorurteile gegen kinderreiche Mütter? Ja - und die Anti-Kinder-Mentalität schafft weitere Probleme, warnt Catherine Pakaluk

Prof. Dr. Pakaluk mit mehreren ihrer Kinder
Foto: Jack D. Hardy
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Die Meinung, nur ungebildete Frauen hätten viele Kinder, ist ein zeitgenössischer Mythos, so Professor Catherine Pakaluk von der Catholic University of America. Und sie widerspricht einem weiteren Vorurteil: Hohe Fruchtbarkeitsraten stellen keineswegs Hindernis für wirtschaftlichen Fortschritt dar. 

Die Wirtschaftsexpertin und Mutter von acht Kindern hat den weltweit viralen Hasthag #PostcardsForMacron gestartet, nachdem der Präsident Frankreichs, Emanuel Macron, auf einer Veranstaltung der "Gates Foundation" behauptet hatte, gebildete Frauen würden sich nicht freiwillig dafür entscheiden, eine große Anzahl von Kindern zu haben.

Während Pakaluk glaubt, dass der Kommentar teilweise aus dem Zusammenhang gerissen wurde und Macron seine Äußerungen bestimmt "gut gemeint" habe, sagte sie gegenüber CNA, dass die Worte des Politikers "einfach albern" seien.

Mehr noch: Sie verweisen auf eine inakzeptable Geringschätzung kinderreicher Frauen, die in der Kultur heute immer wieder zu Tage tritt, so Pakaluk, deren eigener Forschungsschwerpunkt die Frage nach Auswirkungen der Fruchtbarkeit auf wirtschaftliche Entwicklung ist.

Das Vorurteil, dass nur ungebildete Frauen sich für eine kinderreiche Familie entscheiden, ist wissenschaftlich nicht haltbar, erklärte sie gegenüber CNA.

"Hohe Fruchtbarkeit ist nicht das Ergebnis von Ignoranz", so Pakaluk. Für die Expertin ist klar: Macrons Behauptungen lassen eher Rückschlüsse dahingehend zu, dass er einer "Sichtweise" anhängt, die in der zeitgenössischen Kultur üblich ist.

Auf die Einstellung, die diesem Mythos zugrunde liegt, stösst man nicht nur in Europa und den USA, sondern auch in Afrika, so Pakaluk.

Sie weiß aus eigener Erfahrung: Frauen, die sich für viele Kinder entschieden haben, werden geringschätzig und abwertend behandelt.

Deshalb bringe sie sich nun ein, so Pakaluk. "Ich sage: Hey, schau, das ist albern. Viele Frauen entscheiden sich dafür" - darunter auch einige mit Hochschulbildunng, wie die Professorin selber. 

Pakaluk kritisierte gergenüber CNA Macrons Ansicht, dass Familien mit einer großen Anzahl von Kindern die Wirtschaft Afrikas entwicklungspolitisch zurückhalten. Diese Mentalität ist "eine Art zeitgenössischer Mythos", der nicht durch Statistiken oder andere Beweise gestützt wird, betont die Forscherin.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent steig die durchschnittliche Geburtenrate nicht auf sieben, acht oder neun Kinder, so Pakaluk und erklärt, die Gesamtfruchtbarkeitsrate (Total Fertility Rate, TFR) liege eher "im Vierer-Bereich".

Nigeria, das Land in Afrika mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt (BIP), hat mit einer TFR von 5,07 die zwölfthöchste Fruchtbarkeitsrate der Welt. Südafrika, das Land mit dem zweithöchste BIP auf dem Kontinent, weist mit 2,29 eine deutlich niedrigere Fruchtbarkeitsrate auf.

Was Pakaluk besonders sauer aufstößt: Macron verglich Zwangskinderehen mit kinderreichen christlichen Familien. Eine Gleichsetzung, die ein weiterer Affront für Christen ist.

Solche unhaltbaren Ansichten seien denen der Gates Foundation ähnlich, die grundsätzlich Bevölkerungswachstum als Hindernis für das Wirtschaftswachstum betrachtet, so Pakaluk weiter.

Die Professorin ist besorgt, dass afrikanischen Frauen Empfängnisverhütung aufgezwängt werden könnte, "unabhängig davon, ob sie diese überhaupt wollen oder nicht".

Selbst wenn man nicht gegen die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln ist: Ein Zwang sei der falsche Ansatz, und das Geld besser in sinnvolle Entwicklungsprogramme zu stecken.

Die Expertin ist auch besorgt darüber, dass "in einer Zeit billiger und weit verbreiteter Verhütung" die Geburtenrate - im Zusammenspiel mit kulturellen Normen - zum Kindermangel geführt hat. 

Dieser wird in Deutschland als "demographischer Winter" bezeichnet, und niedrige Geburtenraten wie die in den meisten Ländern Europas sind potentiell "eine Katastrophe für die umfangreichen Sozialprogramme" des Kontinents, warnt Pakaluk.

Doch die - dieser Krise zugrunde liegende - Anti-Kind-Mentalität schafft noch weitere Probleme, so die Professorin.

"Menschen haben nicht Kinder, um ihre Länder vor dem demographischen Winter zu retten", sagte sie. "Sie haben Kinder, weil sie eine bestimmte Einstellung zum  Leben haben, und einen Sinn dafür was es bedeutet, ein gutes Leben als Mensch zu führen."

Übersetzt und redigiert von AC Wimmer.