Warum die Kampagne für Sterbehilfe und Euthanasie in Italien auf dem Vormarsch ist

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Foto: Diana Polekhina / Unsplash (CC0)

Aktivisten in Italien haben eine erste Hürde für die Legalisierung der Sterbehilfe und des Suizids genommen. Sowohl der assistierte Suizid als auch die Euthanasie sind in Italien bislang illegal. Das Strafrecht besagt, dass "jeder, der den Tod eines Menschen mit dessen Zustimmung herbeiführt, mit einer Freiheitsstrafe von sechs bis fünfzehn Jahren bestraft wird".

Seit April haben Befürworter der Euthanasie eine Petition in Umlauf gebracht, in der Hoffnung, ein Referendum zur Aufhebung eines Teils des Gesetzes zu erreichen, das die Beihilfe zum Suizid für Erwachsene effektiv entkriminalisieren würde.

Die italienische Bischofskonferenz hat sich "ernsthaft besorgt" über die Petition geäußert und erklärt, dass "es kein Ausdruck des Mitgefühls ist, beim Sterben zu helfen".

Aus katholischer Sicht ist die Euthanasierung von Menschen – statt eines Sterbens in Würde dank guter palliativer Versorgung – keine Lösung. Auch Papst Franziskus hat sich wiederholt gegen jede Form dessen, was in Deutschland "Sterbehilfe" bezeichnet wird, ausgesprochen. 

Die Organisatoren der Petition gaben diese Woche bekannt, dass sie die Mindestzahl von 500.000 Unterschriften erreicht haben, die das Parlament benötigt, um zu entscheiden, ob das Referendum eingeleitet werden soll.

Ein erfolgreiches Referendum über Sterbehilfe, so die Aktivisten, würde den Weg für ein Gesetz ebnen, das auch die Euthanasie legalisiert, obwohl die Gesetzgeber in dem mehrheitlich katholischen Land in dieser Frage gespalten sind.

In einer Erklärung, die nach einem Online-Treffen in dieser Woche veröffentlicht wurde, erklärten die italienischen Bischöfe: "Jedem, der sich in einem Zustand extremen Leidens befindet, muss geholfen werden, mit dem Schmerz umzugehen, Angst und Verzweiflung zu überwinden, nicht aber, das eigene Leben zu beseitigen".

Sie zitieren Samaritanus Bonus, das Schreiben der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2020 über die Betreuung von Menschen in der kritischen und letzten Lebensphase: "Das Lehramt der Kirche erinnert daran, dass sich, wenn das Ende der irdischen Existenz  naht, die Würde der menschlichen Person als das Recht darstellt, in möglichst ruhiger Verfassung sowie in der ihr eigenen menschlichen und christlichen Würde sterben zu können."

In dem Dokument "Der Gute Samariter" wird bekräftigt, dass Euthanasie ein Akt des Bösen ist: "eine in sich schlechte Handlung, bei jeder Gelegenheit oder unter allen Umständen". Aus christlicher Sicht sei die Euthanasie "eine mörderische Handlung, die von keinem Zweck legitimiert werden kann und die keine Form von Mittäterschaft oder Mitwirkung toleriert, weder aktiv noch passiv".

In ihrer Erklärung sagten die Bischöfe, dass "die Entscheidung für den Tod die Niederlage des Menschlichen ist, der Sieg eines individualistischen und nihilistischen anthropologischen Konzepts, in dem weder Hoffnung noch zwischenmenschliche Beziehungen mehr Platz finden."

Das Referendum folgt auf ein Urteil eines italienischen Gerichts aus dem Jahr 2019, das Euthanasie und Sterbehilfe für Patienten mit einem "irreversiblen" Zustand und "unerträglichem Leiden" entkriminalisiert hat.

Die Entscheidung kam, nachdem das Gericht den Fall von Fabiano Antoniani, einem DJ, geprüft hatte, der 2017 im Alter von 40 Jahren in einer Euthanasieklinik in der Schweiz starb. Antoniani war nach einem schweren Autounfall im Jahr 2014 querschnittsgelähmt und erblindet und benötigte Hilfe beim Essen und Atmen.

Marco Cappato, ein Aktivist für Sterbehilfe und assistierten Suizid, war beschuldigt worden, bei Antonianis Tod geholfen zu haben, als er ihn 2017 in die Schweiz begleitete, wurde aber vom Gericht freigesprochen.

Ein weiterer richtungsweisender Fall für das "Recht auf Sterbehilfe" wurde kürzlich in Italien gewonnen.

Ein 43-jähriger Italiener, der vor 10 Jahren bei einem Autounfall gelähmt wurde, verklagte seinen örtlichen Gesundheitsdienst, als dieser sich weigerte zu prüfen, ob er die Voraussetzungen für die Beihilfe zum Suizid im Sinne des Urteils von 2019 erfüllt.

In der Berufung entschied ein Zivilgericht in Ancona, dass die Ethikkommission des örtlichen Gesundheitsdienstes die Eignung des Mannes für das Verfahren prüfen muss. Der Mann, der als Mario identifiziert wurde, hat erklärt, er wolle mit seiner Familie in die Schweiz reisen, um den Akt durchzuführen.

Die Organisatoren der Kampagne "Legale Sterbehilfe" haben sich zum Ziel gesetzt, bis Ende September 750.000 Unterschriften für ihr Volksbegehren zu sammeln.

In einem Interview mit Vatican News vom 16. August bezeichnete Erzbischof Vincenzo Paglia die Euthanasie als "eine neue Form der Eugenik".

"Das ist ein gefährlicher Vorschlag, der die Kultur vergiftet", sagte der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben.

"Ich bin zutiefst besorgt. Es ist wichtig, dass die Kirche alle daran erinnert, dass Zerbrechlichkeit, Fragilität ein konstitutiver Teil der menschlichen Natur und der gesamten Schöpfung ist."

Cappato wandte sich öffentlich gegen die Äußerungen von Erzbischof Paglia und bezeichnete den assistierten Suizid als ein "unantastbares Recht, die Auferlegung der Entscheidungen anderer Menschen auf den eigenen Körper und das eigene Leben abzulehnen".

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Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.